Aachen kürt die schönste Frau der Welt

Von: Robert Esser
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Ein gutes Dutzend Kandidatinnen blieb zu Hause, deutsche Botschaften – etwa in Belize und Nigeria – verweigerten Einreise-Visa. Foto: Harald Krömer
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Schärpen-Parade: Die Gewinnerinnen weltweiter Miss-Konkurrenzen posieren vor dem Spielcasino Aachen – vor der „Miss Intercontinental“-Wahl. Foto: Harald Krömer
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Hoppla! Miss Slovakia purzelt wegen eines Missgeschicks auf hochhackigen Schühchen vor den Fotografen erstmal rücklings ein Dutzend Stufen hinunter. Foto: Harald Krömer
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Dennoch: 53 Schönheiten sind vor einer Woche in Frankfurt eingetroffen und seitdem per Bus über Sponsorentermine in Berlin, Erlangen, Nürnberg, Hohensyburg, Köln etc. tausende Kilometer nach Aachen gekurvt. Foto: Harald Krömer
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200.000 Dollar kostet der Schönheitswettbewerb. Das decken Firmenpartner ab, genauso wie das komplette Publikum bei der Misswahl. Foto: Harald Krömer
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Ein Diamantkrönchen für die Siegerin. Foto: Harald Krömer
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Daneben winken ein Friseur-Gutschein über 2500 Dollar, Kosmetik für 600 Dollar pro Monat und 15000 Dollar Bargeld. Foto: Harald Krömer
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Um diese Krone reißen sich alle: Die Gewinnerin der Wahl erhält das Diadem. Foto: Harald Krömer

Aachen. Schöne Materialschlacht. Zur Wahl der „Miss Intercontinental“ karrt der Veranstalter WBO (World Beauty Organization) seit Tagen 151 Koffer durch die Republik. Sie reisen mit 53 bemerkenswert jungen, schlanken und hübschen Damen, die am kommenden Freitag, 23. November, im Aachener Eurogress um den Titel der schönsten Frau der Welt kämpfen. Was jedenfalls angesichts der Kofferzahl mehr als eine knappe Bikini-Parade verspricht.

Aus welchem Stoff so ein Miss-Leben ist, spüren Miss Slovakia und Miss Deutschland am Montagnachmittag auch beim Pressetermin vor dem Aachener Spielcasino. Die eine purzelt wegen eines Missgeschicks auf hochhackigen Schühchen vor den Fotografen erstmal rücklings ein Dutzend Stufen hinunter, die andere vermisst seit dem Gruppenbild ihre Handtasche. Veranstalter Detlef Tursies kann aber aufatmen. Miss Slovakia bleibt äußerlich unverletzt. Und die Suche nach der Tasche mit Ausweis, Portemonnaie und Co. von Deutschlands Schönster, Susan Henry (21), muss erfolglos abgebrochen werden, bevor der nächste Sponsor unruhig wird – ein Schuheinlagen-Spezialist. So geht das. Kurz die Schärpe zurechtgezubbelt, Haare sortiert, Lächeln aufgesetzt – Füße gewaschen. Dann erklärt der Einlagen-Fachmann, warum Fußball-Profi Marco Reus genauso auf seine Sohlenschoner steht, wie das Models in unbequemen Pumps tun sollten. Susan zeigt sich begeistert: „Das hilft sicher gegen Rückenschmerzen!“

Ohne Sponsoren läuft auf dem Laufsteg nichts. 200000 Dollar kostet der Schönheitswettbewerb laut Tursies. Das decken Firmenpartner ab, genauso wie das komplette Publikum bei der Misswahl. Im freien Verkauf ist keine einzige Eintrittskarte erhältlich. Nichts geht mehr. Neben Roulette- und Pokertischen lassen die Macher auf der Pressekonferenz deswegen mehr Firmenadressen fallen als Grußworte an die Models, von denen einige um den halben Globus angereist sind. Ein gutes Dutzend Kandidatinnen blieb zu Hause, deutsche Botschaften – etwa in Belize und Nigeria – verweigerten Einreise-Visa. Dennoch: 53 Schönheiten sind vor einer Woche in Frankfurt eingetroffen und seitdem per Bus (mit Kofferanhänger!) über Sponsorentermine in Berlin, Erlangen, Nürnberg, Hohensyburg, Köln etc. tausende Kilometer nach Aachen gekurvt. Nur geschlafen wird in Heerlen. Das ist preiswerter. Auszahlen sollte sich der Wettbewerb indes nicht nur für die Siegerin, der neben Titel, Diamantkrönchen und Modelvertrag unter anderem auch ein Friseur-Gutschein über 2500 Dollar, Kosmetik für 600 Dollar pro Monat und 15000 Dollar Bargeld winken. Als Hauptpartner der „Miss Intercontinental“-Wahl engagiert sich das umsatz- und besucherschwache Casino Aachen, und zwar aus gutem Grund: „Als Herr Tursies hier vor sieben Jahren die Miss-Deutschland-Wahl veranstaltet hat, kamen 21 Fernsehteams und berichteten“, erklärt Spielbank-Direktor Hans-Jürgen Strunck. „So eine mediale Aufmerksamkeit hatten wir hier im Casino Aachen noch nie“, sagt er. Und seitdem auch nicht mehr. Struncks Kommunikations-Chef Peter Schmidt erläutert: „Die Misswahl ist der erste Schritt, um unser Casino attraktiver zu machen.“ Dann erreicht seine Charme-Offensive den Höhepunkt: „Wer Interesse hat, so ein Mädel mal aus zehn Zentimetern zu betrachten, kann am Dienstagabend ins Casino kommen, dann sind alle beim Klassischen Spiel.“

Danach wird‘s ernst: Ab Mittwoch beginnen im Eurogress die Proben für die zweieinhalbstündige Show am Freitagabend. Wie viele TV-Teams 2012 kommen, ist nicht bekannt. Am Montag dreht jedenfalls kein einziger Fernsehsender mit. Zur Sicherheit überträgt der Veranstalter die komplette Misswahl via Internet auf www.missintercontinental.com. Die Technik zu der aufwendig choreographierten Gala – darunter riesige LED-Wände – transportieren diese Woche mehrere Trucks nach Aachen. Eine Materialschlacht eben. Und in Sachen Schönheitskonkurrenz verfügt Tursies über mehr Erfahrung als jeder andere in Deutschland. Das System der Verbände und Veranstalter ist so kompliziert wie beim Boxen. Titel vergeben Tursies mit der Bergheimer MGO (Miss Deutschland, Miss Intercontinetal/WBO etc.) und die MGC (Miss Germany, Miss World etc.). Darum trägt Kandidatin Susan zwar die Schärpe „Germany“, aber den Titel „Miss Deutschland“.

Tursies darf sich brüsten, Werbe-Ikone Verona Pooth (1993 als Feldbusch) und 1998 Fernsehstar Jana Ina (mittlerweile Zarella) entdeckt zu haben. Und wer weiß, vielleicht beginnt für ein Model – etwa aus Australien, Bonaire oder Neuseeland – am Wochenende eine ähnliche Karriere. Oder ein Schuheinlagen-Experte startet weltweit durch. Die Auswahl trifft im 41. Jahr der „Miss Intercontinental“-Wahl (erstmals) in Aachen eine Fachjury: darunter RTL-Soap-Stars, der tatsächlich begnadete Alt-Star Keith Tynes (Platters) mit dem Welthit „Only You“ im Gepäck und Dr. Yasar Sarigül. Er ist Autor und plastischer Chirurg.

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