Aachen ist zweitärmste Region in NRW

Von: dpa/epd)
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Begrenzung und Aussichtslosigkeit: Wenn Kinder in Armut aufwachsen, leidet darunter auch ihr Selbtbewusstsein. Kostenlose Freizeitangebote können helfen, das zu kompensieren. Foto: ddp

Düsseldorf/Aachen. Jeder siebte NRW-Bürger ist arm. 14,5 Prozent der Bevölkerung oder 2,6 Millionen Einwohner lebten 2007 mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze, wie das Statistische Landesamt am Montag in Düsseldorf mitteilte. Die Opposition forderte als Reaktion unter anderem einen gesetzlichen Mindestlohn. Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) will die Kinderarmut noch stärker bekämpfen.

Am ärmsten sind in NRW das Ruhrgebiet - hier besonders der Raum Dortmund mit 18 Prozent - und die Region Aachen mit 16,2 Prozent. Am wohlhabendsten ist das Münsterland mit einer Armutsquote von 11,8 Prozent gefolgt vom Raum Bonn mit zwölf Prozent.

Als einkommensarm gelten gemäß EU-Definition Personen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. In NRW liegt dieses Durchschnittseinkommen bei 1200 Euro netto pro Person im Monat. Die Armutsschwelle liegt demnach bei 721 Euro. Die Armutsgefährdungsquote in Nordrhein-Westfalen lag im Jahr 2007 etwa auf dem Niveau des bundesdeutschen Durchschnitts von 14,3 Prozent.

Vor allem Alleinerziehende (40 Prozent), Zuwanderer (29,1 Prozent) und Menschen mit geringer Qualifizierung (33,8 Prozent) haben ein hohes Armutsrisiko. Die Zahlen beruhen auf Ergebnissen des Mikrozensus 2007 für die „Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik” der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die oppositionelle SPD forderte als Reaktion ein Landesprogramm gegen Armut. „Der Ausbau der Ganztagsbetreuung, die Wiedereinführung der Lehrmittelfreiheit und die Einführung von kostenlosen Mittagessen in Kindergärten und Schulen müssen vorangetrieben werden.

So kann der Armutskreis durchbrochen werden und so bekommen die Kinder bessere Startchancen”, sagte der SPD-Sozialexperte und Landtagsabgeordnete Norbert Killewald. Die Armutsstatistik sei „alarmierend”. Schwarz-Gelb müsse endlich handeln. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir bei der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung nicht nachlassen dürfen”, sagte Minister Laumann.

Die Daten zeigten aber auch, dass das Land mit den „bereits ein­geleiteten Maßnahmen”, wie etwa mit dem Ausbau der Ganztagseinrich­tungen, der Sprachförderung, den Landesfonds „Kein Kind ohne Mahl­zeit” und vor allem mit der Einrichtung eines Runden Tisches auf dem richtigen Weg sei. Armut und soziale Ausgrenzung könnten aber „nur langfristig” bekämpft werden. Grünen-Fraktionsvize Barbara Steffens mahnte „eine armutsfeste Grundsicherung für den Lebensunterhalt sowie ein gutes öffentliches Angebot für Bildung und Betreuung, Gesundheit und kulturelle und sportliche Betätigung” an.

Die NRW-Linkspartei bewertete die Zahlen als „Armutszeugnis” für die Bundesregierung. Notwendig sei jetzt „ein massives soziales Konjunkturprogramm, das an den elementaren Bedürfnissen der Menschen ansetzt und die sofortige Erhöhung der Hartz IV-Sätze auf 500 Euro und einen Mindestlohn von zehn Euro beinhaltet”, sagte Linke-Landesvorstand Andrej Hunko. Der Politiker hatte vor einigen Wochen mit der Forderung nach „sozialen Unruhen” für Aufregung gesorgt.
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