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„Aachen 2025“: Mit offenen Augen den digitalen Wandel erleben

Von: Alexander Barth
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Rundgang auf dem Mars oder im virtuellen Museum: Im „Virtual Theatre“ des Kybernetik-Clusters der RWTH Aachen eröffnen sich spannende Möglichkeiten. Foto: Virtual Theatre IMA/ZLW & IfU
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Vertreter der studentischen Eigeninitiativen der RWTH bereiten sich auf „Aachen 2025“ vor. Foto: Alexander Barth
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Goldschmied Rainer Albath zeigt, wie sich die Einkaufswelt entwickelt. Foto: Alexander Barth

Aachen. In diesen Tagen rückt die Zukunft ein gutes Stück näher an die Dreiländerregion heran. Rund 200 Menschen aus den verschiedensten Lebens- und Arbeitsbereichen beschäftigt seit Monaten ein gemeinsames Anliegen.

Den digitalen Wandel in Gesellschaft, Arbeitswelt und Alltag (be-)greifbar zu machen, Perspektiven und Möglichkeiten zu eröffnen – und nicht zuletzt: Hemmschwellen abzubauen.

Aus einer losen Idee ist dazu innerhalb kurzer Zeit ein äußerst konkretes Vorhaben gereift: Die Initiative „Aachen 2025“ widmet sich der maximal breitgefächerten Beantwortung einer konkreten Frage: Wie funktioniert die Welt, die wir kennen, in der Zukunft? Vom 23. bis 25. September wird die Initiative schließlich zum Event: „Aachen 2025“ zeigt an rund 30 Standorten in und um Aachens Stadtkern, wie wir in Zukunft wohnen, einkaufen, produzieren, lernen und gesund leben – mit ganz konkreten Bezügen zum Leben in der Region.

Selbstfahrende Autos, 3D-Drucker, Navigationsgeräte für den Supermarkt, ein Mars-Spaziergang per „Holodeck“-Simulation – nur einige Aspekte digitaler Zukunftsmusik, die allerdings heute schon zart durch die Region schallt. Ein ganzes Wochenende lang widmet sich „Aachen 2025“ diesen und vielen weiteren Entwicklungen, Ideen und Erfindungen, hautnah, zum Mitmachen und Anfassen. „Vieles von dem, was als Innovation für die Zukunft gilt, ist bereits heute Realität“, sagt Rolf Geisen.

Als Vertreter des Regionalen Industrieclub Informatik Aachen (Regina) gehört er zu den Initiatoren der Idee namens „Aachen 2025“. „Zeigen, was es gibt. Zeigen, was kommt. Zeigen, was möglich sein könnte. Und nicht zuletzt: mögliche Ängste abbauen“, zählt Geisen die Ziele auf, für die sich mittlerweile rund 50 Institutionen begeistern – und im September ihre Labors, Büros oder Schauräume für alle Interessierten und Neugierigen öffnen.

Mit einem vielfältigen und spannenden Programm in acht sogenannten Themenparks soll der Blick in die gar nicht so ferne Zukunft möglich sein – mit digitalen Simulationen, technischen Vorführungen, Vorträgen und Diskussionen. Die Anlaufstellen, quer über das Stadtgebiet verteilt, sind so knapp wie konkret überschrieben: Arbeiten, Gesundheit, Mobilität, Produktion, Kommunizieren, Einkaufen. Zwei weitere Parks vereinen gleich mehrere relevante Aspekte von Arbeit, Gesellschaft und Alltag: Lernen, Bildung und Kultur sowie Wohnen, Energie und Wasser präsentieren sich als gemeinsame „Spannungsfelder“. Auch der Zeitungsverlag Aachen stellt seine Strukturen und Räume in den Dienst der Idee „Aachen 2025“ – als Themenpark Kommunikation sowie als Informationszentrale.

Zur Vorbereitung des Erlebniswochenendes in Sachen Digitalisierung des Alltags rauchen seit Monaten ganz analog die Köpfe der Protagonisten. Aus losen Brainstormings und Ideensammlungen sind konkrete Programme für die Themenparks entstanden. Vor allem bei den monatlichen Treffen des Kreises der Mitmacher habe sich die Dynamik der Idee bemerkbar gemacht, sagt Rainer Albath: „Ich war überrascht und erfreut zugleich, wie viele verschiedene Lebens- und Arbeitsbereiche zusammenkommen“.

Der Goldschmied öffnet sein Geschäft als Anlaufstelle des Themenparks Einkauf. „Wir wollen zeigen, wie Shopping heute schon funktioniert – online. Das wird mehr werden“, ist Albath sicher. Er hat seinen geschäftlichen Horizont längst über das reine Kunde-Ladentheke-Geschäft hinaus erweitert. Zum Event „Aachen“ stellt der Experte die Möglichkeit vor, den Wunschschmuck am Computer zu entwerfen und dann vom Goldschmied fertigen zu lassen.

Manche Themenparks befinden sich zentral an einem Ort, manche dezentral mit verschiedenen Anlaufstellen – wie die von Rainer Albath. Eine wichtige und vor allem vielfältige Rolle spielen die Aachener Hochschulen. Sowohl RWTH als auch die Fachhochschulen leisten spannende Beiträge zu „Aachen 2025“, zahlreiche Fakultäten öffnen ihre Labore, Werkstätten und Forschungsräume und bieten das digitale Morgen zum Anfassen und Miterleben. „Auch im Hochschulkontext ist das vermeintliche Morgen vielerorts bereits Realität“, sagt Prof. Ingrid Isenhardt, die den Themenpark Lernen unterstützt. Einblicke liefern statt Herrschaftswissen horten, so sieht sie den Mehrwert. „Wenn man weiß und versteht, was kommt, wird es leichter, sich im digitalen Wandel zurechtzufinden“, ist Isenhardt überzeugt.

Auch abseits der vielen Fakultäten tritt die RWTH vom 23. bis 25. September transparent auf den Plan. Die studentischen Eigeninitiativen haben sich nachhaltig ins Bewusstsein der Initiatoren gerufen, einen „echten Gewinn“ nennt auch Mitinitiator Rolf Geisen das Mittun der unabhängigen RWTH‘ler. Vom Roboterclub über die Tüftler von Solarfahrzeugen bis zum (digital arbeitenden) Filmstudio reicht das Feld derer, die sich vom 23. bis 25. September präsentieren. Letztere Initiative ist auch am begleitenden Filmfestival „#dmnchst“ beteiligt.

„Für uns insgesamt eine tolle Gelegenheit, den Aachenern die Vielfalt des studentischen Engagements abseits der Hörsäle vorzustellen“, sagt Projektleiter Gregor Bransky. Dazu gehört auch die Mitgestaltung der Eröffnungsveranstaltungen von „Aachen 2025“ durch Studenten. Freitags fällt um 10 Uhr mit der „Digitalineé“ in der RWTH-Aula der gar nicht so digitale Startschuss ins Wochenende – die Veranstaltung wird zudem live im Internet übertragen. Ab 18 Uhr vertieft man sich bei der „Innovation Night“ in den Räumen der Tema AG ganz in digitalen Themen.

„Eine Angelegenheit, die eigentlich jeden betrifft und damit auch interessieren sollte“, nennt Dr. Silke Haferkamp den digitalen Wandel, „in allen Lebensbereichen.“ Sie koordiniert den umfangreichen Themenpark Gesundheit, der seine Basis am vierten September-Wochenende rund um das Uniklinikum aufschlägt. Innovationen sinnvoll nutzen, darin sieht Haferkamp ihre Aufgabe, als Expertin für klinische IT-Systeme wie auch als Brückenbauerin bei „Aachen 2025“, nicht zuletzt für diejenigen Zeitgenossen, die dem digitalen Wandel womöglich skeptisch gegenüberstünden.

„Ich wünsche mir, dass die Menschen in der Region die digitalen Möglichkeiten als Chancen betrachten können, die einen Nutzen bringen“, sagt Haferkamp, und formuliert: „Man muss diese Möglichkeiten aber auch behutsam vorstellen und etablieren.“ Neben Laborführungen locken außergewöhnliche Mitmachaktionen. So kann etwa mit Hilfe eines Spezialanzugs fortgeschrittenes Alter simuliert werden – womöglich eine Hilfe zum besseren Verständnis der Generationen.

Frischer Wind im „Digi-Tal“

Die Mitmacher und Gestalter stehen im maximal breit gefassten Sinn für frischen Wind im „Digit-Tal“ des Dreiländerecks. Rolf Geisen sieht in der Initiative gar ein Modell: „Wenn sich einzelne Städte und Regionen mit ihren lokalen digitalen Möglichkeiten vorstellen, verliert das Ganze seinen abstrakten Charakter, wird greifbarer“. Die gerade erfolgte Zusage für ein durch das Land NRW gefördertes digitales Kompetenzzentrum sei geradezu Gold wert. „Der Digital Hub ist ein Zeichen, dass die Region sich für die Zukunft rüstet“, sagt Rolf Geisen. „Da passen wir mit unserer Initiative hervorragend rein.“

Bis zum Kick-off am 23. September gibt es noch reichlich zu tun für alle Beteiligten, auch wenn das Programm zu weiten Teilen bereits steht. Die Extraarbeit zahle sich bereits im Vorfeld aus, lautet die einhellige Meinung quer durch die Themenparks. „Allein die Tatsache, dass sich Vertreter aus derart unterschiedlichen Bereichen hinter die Sache stellen, ist bemerkenswert“, sagt Silke Haferkamp. „Es ist spannend zu sehen, was außerhalb des eigenen täglichen Blickfeldes möglich ist – und möglich sein wird“. Am vierten September-Wochenende können dann alle Bewohner der Region der Zukunft auf den Zahn fühlen.

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