Aachen - „Aachen 2025“: Intelligente Interaktion mit allem und jedem

„Aachen 2025“: Intelligente Interaktion mit allem und jedem

Von: Katharina Menne
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Noch vor 15 Jahren hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass sich MP3-Player, Kamera, Fernseher, Radio, Navigationsgerät und vieles mehr einmal in einem Gerät von der Größe eines Taschenrechners vereinen würden.

Aachen. Bei dem Versuch, die Zukunft des Jahres 2015 vorherzusagen, unterlief den Machern des Kult-Films „Zurück in die Zukunft II“ ein entscheidender Fehler: Sie sahen nicht voraus, welche Bedeutung das Internet für unsere alltägliche Kommunikation haben würde. Fast lächerlich wirkt die Vorstellung, man könnte heute per Fax gekündigt werden wie Marty McFly im Film.

Dass die lange vor dem Internet einsetzende Digitalisierung weiter fortschreiten würde und noch immer anhält, scheint sich dagegen schon in den 1980er Jahren abgezeichnet zu haben, als der Film gedreht wurde: Videobrillen im Hause der McFly‘s können Anrufe entgegennehmen, Videotelefonie ist Standard und überall hängen Flachbildschirme in der Wohnung.

Was also lässt sich schon heute über die Kommunikation im Jahr 2025 sagen? „Die größte Veränderung, die wir erwarten, ist die Vernetzung der Dinge“, sagt Norbert Niebert, Leiter der Netzwerkentwicklung im Ericsson Eurolab bei Aachen. Zusammen mit Net Aachen, Precire Technologies und dem Zeitungsverlag Aachen gestaltet Ericsson Deutschland den Themenpark Kommunizieren bei der Veranstaltung „Aachen 2025 – Digitalen Wandel erleben“. Es geht dabei um die Medienproduktion, um Kommunikationstechnologien und um zukünftige Kommunikationsanwendungen.

50 Milliarden vernetzte Geräte

„Ich denke, dass im Jahr 2025, oder sogar früher, etwa 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sind“, sagt Niebert. Das bedeutet, dass die zukünftige tragbare Technik mit allem und jedem in der Umgebung – und darüber hinaus – kommunizieren kann. Sensoren in sogenannten Wear­ables wie Smartwatches und intelligenter Kleidung zeichnen Daten auf und unterstützen die Tätigkeiten des Benutzers in der realen Welt.

Heizung und Innenbeleuchtung werden über das Smartphone gesteuert und passen sich automatisch an äußere Bedingungen an. „Zunehmend werden sogar Fahrradschlösser, Türklingeln und Blumenwasserstandsmesser mit Kommunikation ausgerüstet“, sagt Niebert.

Eine solche Datenwolke benötigt ganz andere Übertragungsgeschwindigkeiten und Netzkapazitäten als heute. Das soll die neue Mobilfunkgeneration „5G“ leisten, an der Ericsson und andere Firmen mit Hochdruck forschen. Bis 2020 soll die Entwicklung in einem Netz münden, das 1000-mal schneller ist als das heute bekannte LTE- oder 4G-Netz. Überlastungen wie alljährlich in Silvesternächten soll es dann nicht mehr geben und Filme in hochauflösender Qualität lassen sich in wenigen Sekunden herunterladen.

„Das alles ist ein Riesenschritt seit dem Jahr 1990, als wir die ersten Mobiltelefongespräche noch ganz bewusst tätigten und uns Gedanken zu Gesprächsgebühren und Roaming machten“, sagt Niebert. Er illustriert damit, in welcher Geschwindigkeit sich die Möglichkeiten der Kommunikation in den letzten Jahren entwickelt haben.

Noch vor 15 Jahren hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass sich MP3-Player, Kamera, Fernseher, Radio, Navigationsgerät und vieles mehr einmal in einem Gerät von der Größe eines Taschenrechners vereinen würden. Und dass man allzeit erreichbar und immer online ist, war ebenso wenig vorherzusehen.

Noch wichtiger als ein schnelles und stabiles mobiles Netz ist aber der Ausbau der stationären Leitungen. „Als Rückgrat für die gesamte zukünftige Kommunikation müssen die alten, auf Kupferkabeln basierenden Telefonnetze durch ein flächendeckendes Glasfaserkabelnetz ersetzt werden“, sagt Andreas Schneider von Net Aachen. Das gehe jedoch nicht von heute auf morgen.

„Es ist vor allem eine Frage von Zeit und Geld“, sagt er. 112.000 Kilometer Glasfaserleitungen hat NetAachen in der Region bereits in die Erde verlegt. An dieses Glasfasernetz sind schon heute 140.000 Haushalte mit möglichen Bandbreiten von 400 Mbit/s und mehr angeschlossen. Kostenpunkt über die letzten 20 Jahre: 50 Millionen Euro. Bis auch ländliche Gebiete voll umgerüstet sind, könne es aber noch eine ganze Generation dauern.

„Der Endkunde sieht meist nur den aktuellen Marktpreis, der bei etwa 30 Euro pro Monat liegt. Die wenigsten sind bereit, für den Highspeed-Ausbau zusätzlich zu bezahlen“, sagt Schneider. Daher sei man auf die Investitionen von Kommunen und Firmen angewiesen. Doch es sei eine Zukunftstechnologie, die sich mit Blick auf die kommenden Jahre rechne. Im Unterschied zu den alten Kupferkabeln bietet die Glasfaser viele Vorteile.

Die Übertragung mit Licht erreicht höhere Reichweiten, ist kostengünstiger in der Wartung, wird nicht durch elektromagnetische Störfelder beeinflusst und ist relativ abhörsicher. Eine einzelne Glasfaser ist so dünn wie ein Haar und reicht aus für eine stabile Datenübertragung.

Für Peter Jax, Professor für Kommunikationssysteme an der RWTH Aachen, bieten all diese Entwicklungen die Chance, die Qualität von Sprach- und Audiokommunikation weiter zu verbessern. „An der Stimme kann man viel erkennen.

Eine bessere Audioqualität ermöglicht daher, die in der Sprache vorhandenen Hinweise zu transportieren und die emotionale Qualität zu erhöhen“, sagt er. Sein Institut treibt die Erforschung und Einführung von verbesserten Telefoniestandards, wie zum Beispiel „HD Voice“, voran. Eine Telefonstimme klingt damit deutlich klarer und echter, als man es bislang gewöhnt ist.

So natürlich wie möglich

Ein weiteres Forschungsfeld des Instituts ist die Signalverarbeitung für zwei-ohrige, auch binaural genannte, Tonaufnahmen, die beispielsweise mittels eines Kunstkopfes erstellt werden. Die Technik ist interessant für Situationen, in denen die richtige Abbildung von komplexen akustischen Schallszenen Vorteile bringt – in Telefonkonferenzen, bei der Videotelefonie oder in der Musik. „Kommunikation soll in der Zukunft so natürlich wie möglich stattfinden können. Das erzeugt Nähe“, sagt Jax.

Nähe ist auch das Stichwort für die Medienkommunikation der Zukunft – das glaubt zumindest Andreas Müller. Der Geschäftsführer des Zeitungsverlags Aachen denkt, dass vor allem die Live-Kommunikation noch weiter zunehmen wird. Deshalb sieht er die Aufgabe der Journalisten in Zukunft insbesondere darin, einzuordnen und zu erklären, was die Leute anderswo gesehen, gelesen oder gehört haben. „Was ist da passiert und warum? Was hat das für Folgen? Diese Fragen werden in einem unkommentierten Live-Video nicht beantwortet“, sagt er.

Dennoch verschließt er nicht die Augen vor den Problemen der Zeitungsverlage. Seit einiger Zeit ist ein großer Teil der Gesellschaft nicht mehr bereit, für journalistische Inhalte zu bezahlen. Das Internet hat den Printmedien längst die Nachrichtenhoheit abgenommen.

Die Auflage der Printmedien schwindet. Und überzeugende alternative Geschäftsmodelle wurden noch nicht gefunden. Müller bleibt dennoch gelassen. „Auch für uns ist der Bereich ‚Digitales‘ noch immer ein großes Experiment“, sagt er. „Mit jedem neuen Produkt gewinnen wir aber auch neue Erkenntnisse dazu.“

Noch nie also wurde so viel und auf so vielen unterschiedlichen Kanälen kommuniziert wie heute – und noch nie so unpersönlich. Zwischenmenschliche Kommunikation findet mehr und mehr in einer digitalen Parallelwelt statt. Dirk Gratzel von Precire Technologies will der digitalen, unpersönlichen Welt deshalb die Menschlichkeit wiedergeben.

Die von seiner Firma entwickelte Software analysiert geschriebene und gesprochene Sprache, um das Zusammenspiel von Persönlichkeit, Kommunikation und Verhalten zu entschlüsseln. „Sprache enthält eine Vielzahl von Informationen über die momentane Stimmung eines Menschen, aber auch über seine Persönlichkeit“, sagt Gratzel. Er möchte Kommunikation individualisieren und die in der Sprache enthaltenen Informationen über den jeweiligen Menschen dazu nutzen, Kommunikationssituationen zu optimieren.

„Wir leben längst in einer digitalen Welt und ohne Precire wird es furchtbar, denn Verhalten und Emotionen lassen sich nicht automatisieren“, sagt er. „In Zukunft wird der Mensch immer mehr mit Maschinen und durch Maschinen kommunizieren. Wir wollen diesen Maschinen beibringen, wie der Mensch tickt, damit sie ihn auch entsprechend behandeln.“

Laut Professor Jax kann man aber den Machern von „Zurück in die Zukunft“ keine Vorwürfe machen: „Selbst aus wissenschaftlicher Sicht ist es schwer vorherzusagen, wie in neun Jahren kommuniziert wird, denn der wichtigste Faktor, die Akzeptanz einer neuen Technologie durch den Nutzer, ist nahezu unvorhersehbar.“

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