Aachen - „Aachen 2025“: Die Medizin der Zukunft in der Kaiserstadt

„Aachen 2025“: Die Medizin der Zukunft in der Kaiserstadt

Von: Leandra Kubiak
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Die Uniklinik in Aachen rüstet sich bereits für die Zukunft. Foto: Kubiak

Aachen. Der „Arztbesuch“, den man bequem von zu Hause aus über den Bildschirm erledigen kann; Behandlungen, die von Robotern durchgeführt werden und „Ersatzteile“ für den Körper aus dem 3D-Drucker: Sieht so die Zukunft medizinischer Behandlung aus?

Manche Ideen sind noch Zukunftsmusik, viele wurden aber bereits auf den Weg gebracht oder sind schon Alltag. Der Standort Aachen hat einiges zu bieten, wenn es um zukunftsweisende Entwicklungen in der Medizin geht. Und auch hier spielt das Thema Digitalisierung – wie könnte es anders sein – eine entscheidende Rolle.

Das Steckenpferd der Uniklinik Aachen im Bereich der Digitalisierung ist die Telemedizin. „Da haben wir einen unserer sichtbaren Schwerpunkte“, sagt Peter Asché, Kaufmännischer Direktor des Klinikums. Im Telemedizinzentrum im siebten Stock des Klinikums ist die Videokonferenz mit anderen Krankenhäusern der Region schon heute gängige Praxis.

Täglich wird hier eine Verbindung zu den Intensivstationen der anderen Kliniken hergestellt, um sich auszutauschen. Eine Zusammenarbeit besteht bislang mit dem Franziskushospital Aachen, dem St. Elisabeth Krankenhaus Jülich, dem Betlehem Gesundheitszentrum Stolberg, dem Klinikum in Geilenkirchen und dem Krankenhaus Düren (Roonstraße).

Die Intensivstationen der Krankenhäuser verfügen jeweils über eine mobile, fahrbare Station, ein sogenanntes Cart, das einen Computer und eine Kamera enthält und in die einzelnen Behandlungsräume geschoben werden kann. Jeweils zwei Intensivmediziner des Uniklinikums Aachen können den behandelnden Arzt vor Ort auf einem großen Bildschirm bei seiner Visite begleiten und ihm fachlich zur Seite stehen. „Für Notfälle ist das Zentrum an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden besetzt“, erklärt Prof. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin der Uniklinik RWTH Aachen.

Deutschlandweit einzigartig

Das Konzept der Teleintensivmedizin ist deutschlandweit einzigartig. Es ermöglicht, dass Patienten auch in Krankenhäusern mit einer kleinen Intensivstation kompetent behandelt werden können und beispielsweise nach einer Operation nicht zwangsläufig in eine andere Klinik verlegt werden müssen. „Das Einzige, was fehlt, ist die Haptik. Alles andere ist telemedizinisch schon möglich“, sagt Marx.

Vorreiter ist Aachen aber nicht nur im Bereich der Teleintensivmedizin, sondern auch beim Telenotarzt – ein Konzept, das in Aachen bereits seit mehr als zwei Jahren erfolgreich umgesetzt wird. Die Idee hinter dem Telenotarzt ist, bei Einsätzen mit dem Rettungswagen die kostbare Zeit zu nutzen, bis der Notarzt eintrifft. Informationen werden nach Eintreffen am Einsatzort blitzschnell an den Telenotarzt übermittelt. Dieser kann aus der Ferne eine erste Diagnose stellen und wichtige erste Schritte einleiten. Das entlastet die Notärzte, die in Aachen knapp sind.

Digitalisierung kann eine Möglichkeit sein, Abläufe zu beschleunigen und Fehler zu vermeiden. Zum Beispiel dann, wenn ein Patient neu in einer Klinik aufgenommen wird. Die Uniklinik Aachen setzt dabei auf die „Fallakte Plus“, eine auf einem Server elektronisch gespeicherte Akte zu einem medizinischen Behandlungsfall. Zugriff darauf erhalten die Ärzte oder Fachabteilungen, die der Patient hierfür berechtigt. Die Ärzte können so schneller einsehen, welche Medikamente der Patient erhält oder welche Vorerkrankungen er hat.

Was das gemeinsame Nutzen von Daten durch verschiedene Einrichtungen angeht, hinke Deutschland etwas hinterher, findet Dr. Silke Haferkamp, stellvertretende IT-Leitung des Klinikums und selbst Ärztin. In anderen Ländern, beispielsweise in Österreich, sei zentral festgelegt, nach welchen Regeln verschiedene Einrichtungen die Daten eines Patienten einsehen könnten. In Deutschland würden dafür einfach bestimmte Rahmenbedingungen und Standards fehlen.

Gleichzeitig ist sich Haferkamp des Risikos bewusst, das das elektronische Erfassen von persönlichen Daten in sich birgt. „Solche elektronischen Daten können nie komplett sicher sein“, sagt sie. „Deshalb muss für jeden Patienten immer eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken eines Datenaustauschs erfolgen.“

Medizin und Technik

Dass Medizin in Aachen – bedingt durch den Standort – nicht ohne Technik auskommt, dürfte auf der Hand liegen. „Medizin und Technik, das ist ein weiterer Schwerpunkt, den wir hier in Aachen setzen“, sagt Peter Asché.

Ein zukunftsweisender Bereich ist beispielsweise der 3D-Druck. Damit befasst sich auch das „GoetheLab for Additive Manufacturing“ der FH Aachen. Besonders geeignet sei die Technologie des 3D-Drucks zum Beispiel für den Bereich der Kranioplastiken, erklärt Prof. Andreas Gebhardt, der das Institut leitet. Fehlt einem Patienten nach einem Unfall ein Teil des Schädels, kann diese Stelle durch Implantate aus dem 3D-Drucker ersetzt werden. „Bisher hat man dafür meist Kunststoff oder Titan verwendet“, sagt Gebhardt. Heute arbeite man daran, Implantate aus keramischen Materialien herzustellen. Der Vorteil dabei sei, dass die Teile besser einwachsen könnten und sie auch nicht kälte- oder hitzeempfindlich seien.

Die Implantate aus dem 3D-Drucker könnten passgenau gedruckt und in allen Bereichen des Schädels eingesetzt werden, erläutert Gebhardt. So auch im Bereich des Nasenbeins oder um die Augenhöhlen herum. Nötig seien derartige Implantate zum Beispiel häufig nach schweren Motorradunfällen. Um das exakte Implantat herstellen zu können, wird zunächst ein Bild über einen Computertomografen erstellt. Daraus kann ein Computermodell erstellt werden, das genau anzeigt, wie das Implantat beschaffen sein muss.

An der Verzahnung zwischen Technik und Medizin arbeitet auch das Institut für Angewandte Medizintechnik (AME) am Helmholtz-Institut von RWTH und Uniklinik Aachen. Hier wird unter anderem ein Roboter entwickelt, der künftig in der Physiotherapie eingesetzt werden könnte und den Patienten bei bestimmten Bewegungen unterstützen soll. Noch ist das Ganze ein Forschungsprojekt und der Roboter wird an Probanden getestet.

Ohne den Menschen geht es nicht

„Einsetzbar wäre der Roboter zum Beispiel nach einer Schulteroperation oder bei Lähmungen in Arm und Schulter nach einem Schlaganfall“, erklärt Prof. Schmitz-Rode, Leiter des Instituts für Angewandte Medizintechnik. Der Roboter kann individuell programmiert werden, je nach Bedürfnissen des Patienten. Ganz ohne den Menschen kommt der Roboter aber noch nicht aus. „Eine solche Behandlung braucht physiotherapeutische Begleitung“, sagt Schmitz-Rode. Trotzdem kann er sich gut vorstellen, dass Roboter in Zukunft Einzug in Arztpraxen oder Krankenhäuser erhalten, um bei der Behandlung zu unterstützen.

Digitalisierung und Technik sind auch zwei zentrale Begriffe bei der Entwicklung eines künstlichen Herzens, an dem das Institut für Angewandte Medizintechnik arbeitet. „Seit zwei Jahrzehnten wird das Kunstherz entwickelt“, sagt Schmitz-Rode. Das Herz enthält einen Motor, dessen Teile nicht verschleißen, da sie einander nicht berühren. Darauf hat das Institut ein Patent angemeldet. Es soll in der Lage sein, die Pumpleistung eines echten Herzens zu erbringen und sich den individuellen Lebensumständen des Patienten anzupassen.

In den Körper des Patienten wird außerdem eine spezielle Sensorik eingesetzt, die es ermöglicht, dass Daten wie Puls und Blutdruck nach außen übertragen und unmittelbar von den behandelnden Ärzten überprüft werden können. „Telemonitoring“ wird diese Fernuntersuchung und -überwachung durch die Ärzte genannt. Hierin sieht Schmitz-Rode neben der Telemedizin die Zukunft der medizinischen Behandlung. „Auch ein ‚Web of Health‘ wird kommen“, ist er sich sicher. Das wäre eine Art Informationsplattform, in der Wissen über Medizin und Gesundheit gebündelt ist und mit der interaktiv umgegangen werden kann. Peter Asché sieht die Zukunft zudem in mobilen Diensten. Apps zur medizinischen Behandlung und zu Gesundheitsthemen werden zunehmen, ist er überzeugt. „Der Trend geht dahin, dass die Menschen ihre Gesundheit selbst im Blick behalten wollen.“

„Aachen 2025“ wird die medizinischen Technologien von morgen mit seinen Ausstellungen im Themenpark Gesundheit greifbarer machen. „Es wäre schön, wenn es bei den Besuchern einen ‚Wow-Effekt‘ gäbe“, meint Mitorganisatorin Silke Haferkamp. In dem Event sieht sie eine Veranstaltung von Aachen für Aachen, bei der ein „Wir-Gefühl“ entstehen soll.

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