„Aachen 2025“: Auftakt mit großen Ideen und starken Melodien

Von: Alexander Barth
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RWTH-Prorektor Malte Brettel begrüßte als Hausherr die Gäste. Foto: Harald Krömer
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RWTH-Professor Frank Piller lieferte Einblicke in seinen digitalen Alltag. Foto: Harald Krömer
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Impressionen von der „Digitalinée“: Die Bläserphilharmonie Aachen lieferte den stimmungsvollen musikalischen Rahmen. Foto: Harald Krömer
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Die Moderatoren Ina-Marie Orawiec (2.v.l.) und Amien Idries (2.v.r.) im Gespräch mit (v.l.) den Start-up-Unternehmern Henric Stönner, Markus Große Bröckmann, NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin und Unternehmer Oliver Grün. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der umfassende Blick in die Zukunft beginnt mit einer knapp 50 Jahre alten Vision. Das epochal-eindringliche Klassik-Werk „Also sprach Zarathustra“, zeitlos berühmt geworden als Thema in Stanley Kubricks Film „2001 – Odyssee im Weltraum“, markierte am Freitag den Auftakt der Gala zur Eröffnung des Aktionswochenendes „Aachen 2025“.

Drei Tage lang soll die Zukunft des Alltags, genauer: die Veränderung durch die digitale Entwicklung, im Vordergrund stehen. In der Aula der RWTH Aachen kamen Macher, Impulsgeber, Forscher und Neugierige zusammen, um besagte Entwicklung zu diskutieren, Hoffnungen zu wecken, aber auch um kritischen Tönen Raum zu geben.

Das Moderatorenduo Ina-Marie Orawiec und Amien Idries, Mitglied der Chefredaktion unserer Zeitung, begrüßte auf der Bühne Vor- und Mitdenker aus Forschung, Wirtschaft und Politik. Für den stimmungsvollen musikalischen Rahmen sorgte die Bläserphilharmonie Aachen unter der Leitung von Tobias Haußig, der im Laufe der „Digitalinée“ selbst als Protagonist Rede und Antwort stand und über die Bedeutung digitaler Möglichkeiten in Kunst und Musik sprach.

Die ersten von rund 120 Redeminuten des Tages gehörten aber RWTH-Prorektor Malte Brettel, der als Hausherr nicht nur Grußworte sprach, sondern auch Einblicke in Status und Auswirkung der Digitalisierung in Studium, Forschung und Lehre gab. Sein Professorenkollege Frank Piller lieferte im Anschluss den augenzwinkernden Beweis, dass digitale Möglichkeiten im Alltag keinesfalls zu Angstattacken Anlass geben.

Piller, als Betriebswirtschaftler nur auf den ersten Blick „fachfremd“, gab einen unterhaltsamen Einblick in den familiären Digital-Alltag und lieferte gleichzeitig eine kurzweilige Einführung in aufstrebende Smart-Home-Welten. Der Betriebswirtschaftler in Piller zeigte sich in einer knackigen und zugleich scharfen Analyse sich verändernder Arbeitswelten. Überhaupt spielte der vielzitierte Faktor Mensch im Zusammenhang mit digitalen Entwicklungen in den kurzen Interview-Runden immer wieder eine Rolle – hier geplant, dort spontan.

Regionale Jungunternehmer trafen auf Politikvertreter, um Vorteile, Möglichkeiten auszuloten, aber auch um Risiken zu besprechen und Ressentiments abzubauen. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) lobte den Impulscharakter von „Aachen 2025“, während der stellvertretende CDU-Chef Armin Laschet zu bedenken gab, dass eine digitalisierte Welt keine aussortierten Arbeitnehmer hinterlassen dürfe.

„Durchaus berechtigt“ nannte nicht nur der Aachener Software-Unternehmer Oliver Grün solche Befürchtungen. Gleichzeitig appellierte Grün, auch Präsident des europäischen IT-Mittelstandsverbandes, für mehr Risikobereitschaft: „Wir müssen mit Daten auf den Weltmarkt, nicht mehr nur mit Produkten.“

Der digitalen Welt die Abstraktion nehmen. Zeigen was ist, und zeigen, was möglich ist: so versuchten sich die Protagonisten auf der Bühne, sich in den Dienst der Idee „Aachen 2025“ zu stellen. Als Vertreter der regionalen „Risikobereiten“ standen stellvertretend Markus Große Böckmann, Start-up-Unternehmer in der Softwarebranche, und Henric Stönner, Inhaber einer Lasercut-Manufaktur für individuelle Kundenwünsche. „Digitale Technik für Normalos, das muss demnächst die Regel sein“, griff Stönner das Ansinnen der 2025-Initiatoren auf.

Die große weite Welt der Digitalisierung rückte an diesem Tag in Gestalt von Protagonisten aus dem berühmt-berüchtigten Innovationsmekka namens Silicon Valley ein ganzes Stück näher an das Dreiländereck. Neben Stefan Schlüter, deutscher Generalkonsul in San Francisco, war auch ein gebürtiger Aachener gekommen, der vor anderthalb Jahrzehnten den Weg in die technikbegeisterten USA genommen hat.

Hassan Sawaf, Experte für digitale Sprachanalyse, trat als Werber für den digitalen Nachzug seiner Heimatregion wie auch für ganz Deutschland auf. Mit ihm und Schlüter stand schließlich Peter Verkoulen, Leiter des gerade eröffneten Heerlener Smart Services Campus auf der Bühne, um die dortige Symbiose von Unternehmertum, Forschung und Lehre zu erörtern.

Neben zahlreichen wirtschaftsschweren Argumenten und Impulsen für die fortschreitende Digitalisierung des beruflichen und privaten Alltags blieb Raum für soziale und gesellschaftliche Aspekte und Argumente. Ethische und moralische Positionen vertrat neben Laschet auch der mit Forschungspreisen dekorierte junge Wissenschaftler Lukas Stocker, der für einen sensiblen Umgang mit digitalen Möglichkeiten im privaten Umfeld eintrat: „Es genügt nicht, etwa jungen Leuten zu sagen: Social Media ist böse. Man muss über Auswirkungen informieren. Da sind die Schulen gefragt.“

Der programmatische Höhepunkt war schließlich den Impulsgebern vorbehalten: Rolf Geisen, Initiator von „Aachen 2025“, und Günter Bleimann-Gather, mit der Tema AG treibende Kraft, eröffneten mit einem bemerkenswerten wie analogen Ritual das ereignisreiche Wochenende mit Vorträgen, Workshops und Mitmachaktionen. Das werfen von Puddingportionen auf eine Zielscheibe dürfte einzigartig sein in analogen wie digitalen Sphären. Den faktischen Schlussakkord setzte die Bläserphilharmonie – mit dem Thema des legendären Videospiels „Super Mario Land“.

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