A4-Sperrung: Bald vier Abfahrten auf zehn Kilometern

Von: Claudia Schweda und Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
9200615.jpg
Die seitlichen Auflagen sind schon fertig: Die neue Brücke über die A4 zwischen Eschweiler und Düren ist Teil der neuen Autobahnauffahrt Langerwehe. Am übernächsten Wochenende müssen bis zu 25 Meter lange Stahlträger über der A4 montiert werden. Aus diesem Grund wird die Autobahn in diesem Abschnitt für 55 Stunden voll gesperrt. Foto: Tobias Röber
Vollsperrung A4

Langerwehe. 55 Stunden geben sich die Straßenbauer, dann muss ein Behelfsbau über die A4 zwischen Eschweiler und Düren fertig sein – in ihn wird später der Beton für eine neue Brücke gegossen. Dafür muss die A4, über die täglich Zehntausende Autos und Laster fahren, am übernächsten Wochenende komplett gesperrt werden.

Beide Fahrrichtungen sind zwischen Eschweiler-Ost und Düren ab Freitag, 16. Januar, 22 Uhr, gesperrt, teilte der Landesbetrieb Straßenbau am Mittwoch mit. In Richtung Köln bleibt die A 4 bis Sonntag, 18. Januar, 22 Uhr, gesperrt, in Richtung Aachen sogar bis Montag, 19. Januar, 5 Uhr. Umleitungen seien ausgeschildert. Zum Berufsverkehr an dem Montagmorgen soll die A 4 also wieder planmäßig befahrbar sein.

Die Brücke wird Teil der neuen Autobahnauffahrt Langerwehe, die vor allem für Düren eine Verkehrsentlastung bringen soll. Prognosen des Landesbetriebs Straßenbau gehen davon aus, dass täglich bis zu 18.000 Fahrzeuge diesen Autobahnanschluss nach seiner Fertigstellung in der zweiten Jahreshälfte nutzen werden, statt wie bislang in Düren oder Eschweiler-Weisweiler auf die A4 aufzufahren.

In den ursprünglichen Planungen sollte die Anschlussstelle Weisweiler mit der Inbetriebnahme von Langerwehe geschlossen werden. Dagegen rührt sich inzwischen aber Widerstand aus der Stadt Eschweiler, weil sie ein neues Gewerbegebiet nahe der Autobahnabfahrt plant. Bleibt Weisweiler also, gibt es zwischen Eschweiler und Langerwehe auf der A4 innerhalb von zehn Kilometern vier Abfahrten – eine verkehrstechnisch extrem gut erschlossene Region.

Die Menschen in Luchem freut der Baufortschritt an der Auffahrt Langerwehe nur bedingt. In ihren Augen ist der zweite Schritt vor dem ersten gemacht worden: Der neue Autobahnanschluss ist fertig, die Umgehungsstraße L12n an Luchem vorbei aber noch nicht einmal begonnen worden. Nur eine Brücke steht seit Jahren nutzlos in der Landschaft. Für den Landesbetrieb Straßenbau käme es aber einem „Schildbürgerstreich nahe, deswegen die neue Anschlussstelle nicht zu eröffnen“, sagt Projektleiter Ernst Gombert.

Dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die neue Auffahrt fertig ist, ahnt jeder Autofahrer, der auf diesem Teilstück der A4 entlangfährt: „Die seitlichen Auflagerungen der Brücke sind schon fertig“, sagt Ernst Gombert. Am übernächsten Wochenende werden nun 39 Stahlträger mit einer Länge von bis zu 25 Metern montiert. Das gehe nicht ohne Vollsperrung. „Aber wir haben ja den großen Vorteil, dass der Fernverkehr ab dem Kreuz Kerpen über die A61 nach Jackerath zum Kreuz Aachen umgeleitet werden kann.“

Wenn dann am Montagmorgen die letzte Sperrung in Fahrtrichtung Aachen aufgehoben wird, haben es die Autofahrer aber noch nicht komplett geschafft: Die Verschalung aus den 39 Stahlträgern muss auch wieder abmontiert werden. Dafür, sagt Gombert, wird wohl noch einmal ein Wochenende lang die A4 gesperrt werden müssen. Vermutlich im März. Zuerst muss der Beton aushärten. Das dauert 28 Tage.

Die Autobahnpolizei habe die Möglichkeit, über einige Nächte verteilt mit mehrmaligen Kurzsperrungen zu arbeiten, abgelehnt. „Das wesentliche Argument ist der Personalaufwand“, sagte ein Polizeisprecher. Man müsse mit mehreren Streifenwagenbesatzungen über lange Zeit in einigen Nächten vor Ort sein. Dieser Aufwand sei nicht zu leisten. Zudem hätte man vor jeder Kurzsperrung einen künstlichen Stau erzeugen müssen, indem die Streifenwagen den Verkehr als vorausfahrendes Fahrzeug abbremsen. Jeder Stau sei aber ein Unfallrisiko, weswegen diese Variante nur ungern gewählt werde.

Ortsumgehung fehlt: Lauter Protest gegen Inbetriebnahme der neuen Auffahrt

Die neue Autobahnauffahrt der A 4 wird nur wenige hundert Meter von dem 800-Seelen-Örtchen Luchem gebaut. In der zweiten Jahreshälfte könnte sie nach Angaben von Straßen.NRW in Betrieb genommen werden. Ob das geschieht, ist aber nicht ganz sicher. Denn die Realisierung der seit Jahren geforderten Ortsumgehung für Luchem (L 12n) steht immer noch in den Sternen. Bereits 2009 war der damalige NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämpfer zum ersten Spatenstich in Langerwehe.

Wann aber das Land die Mittel für den Bau der rund drei Kilometer langen Straße bereitstellen wird, ist ungewiss. Deswegen haben die Bewohner Luchems sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Denn ohne die Umgehungsstraße müssen fast alle Autos, die von der neuen Abfahrt kommen oder zu ihr wollen, durch ihren Ort. Helmut Pohl von der Bürgerinitiative befürchtet sogar eine Verdopplung der Fahrzeuge.

„Ohne die L 12n rechnen wir mit 12.500 Fahrzeugen täglich“, sagt Pohl. 17 Prozent davon sollen Lkw sein. Die Forderung der Bürger: „Entweder“, sagt Karl-Heinz Esser, „muss umgehend mit dem Bau der Umgehungsstraße begonnen werden. Ist das nicht der Fall, fordern wir von Landesverkehrsminister Michael Groschek, dass auch die Autobahnanschlussstelle nicht freigegeben wird.“ Andernfalls gebe es einen massiven Bürgerprotest.

Im Landeshaushalt für 2015 sind laut SPD-Landtagsabgeordnetem Peter Münstermann nur etwa 40 Millionen Euro für den Neubau von Straßen vorgesehen. Sieben Millionen fehlen zur Fertigstellung der L 12n. „Ich hoffe aber, dass durch die Bürgerinitiative der Druck auf den Verkehrsminister wächst.“ Ein Protestbrief mit 1300 Unterschriften liegt bereits bei Groschek.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert