A4: Säugling nach Unfall mit Falschfahrer gestorben

Von: gego/red/dpa
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Ein Geisterfahrerunfall auf der Autobahn 4 bei Eschweiler mit drei Toten: Ein am Donnerstagabend noch lebensgefährlich verletzter Säugling erlag seinen Verletzungen. Foto: Ralf Roeger

Eschweiler/Düren. Innerhalb von einer knappen halben Stunde sind am Mittwochabend auf der Autobahn 4 zwei tödliche Unfälle passiert. Ein lebensgefährlich verletzter Säugling erlag seinen Verletzungen. Drei weitere Menschen starben, zwei wurden schwer verletzt.

Der 27-jährige Vater des Kindes, der schwer verletzt worden war, sei weiterhin nicht vernehmungsfähig.

Der erste Unfall ereignete sich gegen 21.30 Uhr zwischen den Autobahnabfahrten Düren und Merzenich in Fahrtrichtung Köln. Ein 55 Jahre alter Mann aus Eschweiler wechselte mit seinem Auto von der linken über die mittlere auf die rechte Spur.

Dort fuhr er aus bislang unbekannten Gründen ungebremst in das Heck eines vor ihm fahrenden Lkw, wie die Polizei am Donnerstag erklärte. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Auto des 55-Jährigen zurück auf die linke Fahrspur geschleudert. Ein auf dieser Spur fahrender 30-Jähriger erkannte das Autowrack zu spät und prallte gegen den Unfallwagen, den der 55-Jährige noch nicht verlassen hatte.

Keine Anzeichen für Trunkenheit

Beide Männer wurden schwer verletzt, der 55-Jährige aus Eschweiler starb wenig später im Krankenhaus. Der 30-Jährige hingegen sollte am Donnerstag noch vernommen werden. Nach ersten Ermittlungen fand die Polizei weder Hinweise darauf, dass der 55-Jährige durch ein Handy oder Tablet abgelenkt gewesen sein könnte, noch gab es Anzeichen für eine Trunkenheitsfahrt. Die Ermittlungen dauern an. Der 58-jährige Lkw-Fahrer blieb unverletzt.

Nur 20 Minuten später, gegen 21.50 Uhr, verständigten mehrere Autofahrer die Autobahnpolizei, auf der A4 sei ein Geisterfahrer unterwegs. Wenige Minuten später, gegen 21.55 Uhr, kam es zwischen der Abfahrt Eschweiler-West und der Autobahnraststätte Aachener Land in Fahrtrichtung Aachen zum Unfall. Doch bislang hat die Polizei nicht eindeutig geklärt, welcher der beiden involvierten Autofahrer der Geisterfahrer gewesen war.

Für wahrscheinlich hielt die Polizei nach ersten Ermittlungen diese Variante: Ein Fiat-Transporter mit belgischem Nummernschild ist als Geisterfahrer auf der A4 unterwegs gewesen und frontal in einen VW Passat gefahren.

Der Fahrer des VW, ein 42-jähriger Kölner, starb noch an der Unfallstelle. Auch für die Beifahrerin im Fiat, 20 Jahre alt, kam jede Hilfe zu spät, sie starb unmittelbar nach der Kollision. Ein sechs Monate alter Säugling, der ebenfalls mit im Fiat gesessen hatte, schwebte zunächst in Lebensgefahr. Er erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Der Fahrer des Fiat, 27 Jahre alt, sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Im Laufe des Donnerstags befand sich der 27-jährige Fiat-Fahrer nicht mehr in Lebensgefahr, doch der Säugling war weiter in kritischem Gesundheitszustand. Ob es sich bei dem 27-Jährigen und der gestorbenen 20-Jährigen um die Eltern des toten Säuglings handelt, stand laut Polizei bis Donnerstagabend nicht fest.

Über die Gründe der Geisterfahrt konnte die Autobahnpolizei auch Donnerstagnachmittag noch keine Angaben machen. Da der 27-jährige mutmaßliche Geisterfahrer am Donnerstag nicht vernehmungsfähig war, lägen keine Erkenntnisse vor, teilte die Polizei mit. Es sei allerdings keineswegs sicher, dass es tatsächlich der Fiat gewesen ist, der falsch gefahren war. Auch in diesem Fall dauerten die Ermittlungen an.

Über 2000 Geisterfahrer pro Jahr

Laut ADAC werden auf deutschen Straßen jährlich mehr als 2000 Geisterfahrer gezählt, immer wieder kommt es auch zu tödlichen Unfällen. So starben in der Region 2013 zwei Männer auf der A4 und auf der A61. Mehr Glück hatte im Sommer 2014 ein 79 Jahre alter Autofahrer, der auf der A61 zwischen Bergheim und Erftstadt in falscher Fahrtrichtung unterwegs war und eine ganze Unfallserie verursachte. Doch wie durch ein Wunder wurde damals niemand tödlich verletzt.

Das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium sieht nach wie vor keine Notwendigkeit für Warnschilder an Autobahnabfahrten oder andere Warnsysteme. Eine Ministeriumssprecherin teilte am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mit, „dass nur wenige Falschfahrten aus Orientierungslosigkeit heraus entstehen. Meist stehen Alkohol, Drogen oder eine suizidale Absicht dahinter.“

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