A4: Geisterfahrer nach Selbstmordversuch in Haft

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Die Fotos zeigten ein Meer von Wrackteilen, die auf der Autobahn herumlagen, und ein Auto, das nahezu völlig zerstört worden war. Foto: Markus Gerres

Merzenich/Aachen. Die Polizei hatte von einem „Trümmerfeld“ gesprochen, von einem Unfall, der selbst erfahrene Polizisten und Rettungskräfte schockierte, von den vielen unfreiwilligen Zeugen ganz zu schweigen. Die Fotos zeigten ein Meer von Wrackteilen, die auf der Autobahn herumlagen, und ein Auto, das nahezu völlig zerstört worden war.

Angesichts der dramatischen Szenerie grenzte es an ein Wunder, dass bei dem Unfall auf der A 4 bei Merzenich nur zwei Menschen starben. Es war Freitag, 20. Januar, gegen 11.30 Uhr am Vormittag.

Es dauerte nicht lange, bis die Polizei den Hergang des Unfalls rekonstruiert hatte, am Ende kam heraus, dass der Unfallverursacher ein 47 Jahre alter Mann aus den Niederlanden war, der sich das Leben nehmen wollte. Zunächst war er über die Abfahrt Merzenich falsch auf die A 4 aufgefahren. Auf dem Standstreifen war er eine Weile dem Richtung Aachen rollenden Verkehr entgegengefahren und zwischen den Abfahrten Merzenich und Elsdorf unvermittelt in den fließenden Verkehr gezogen.

Der Ford des 47-Jährigen kollidierte frontal mit einem Sattelschlepper. Der Ford wurde durch die Wucht des Aufpralls über die mittlere Spur hinweg auf den linken Fahrstreifen geschleudert, wo er frontal mit einem in Siegburg zugelassenen Audi zusammenstieß. Der 76 Jahre alte Audi-Fahrer starb noch an der Unfallstelle, seine 59 Jahre alte Beifahrerin wurde lebensgefährlich verletzt, wie der 47-jährige Falschfahrer.

Sein Ford wurde vollkommen zerstört und in der Mitte auseinandergerissen. Durch umherfliegende Autoteile wurden zwei weitere Menschen leicht verletzt. Im Laufe der Ermittlungen fand die Polizei einen Abschiedsbrief im Wrack des Niederländers.

Drei Wochen später starb auch die 59 Jahre alte Beifahrerin in einem Krankenhaus, der 47-Jährige wurde weiter auf einer Intensivstation behandelt. Weil der Falschfahrer den Tod anderer Menschen zwar nicht geplant, aber bei seinem Selbstmordversuch immerhin billigend in Kauf genommen hatte, leitete die Aachener Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes gegen den 47-Jährigen ein.

Als der Niederländer die Intensivstation verlassen konnte, eröffnete ihm ein Richter den Haftbefehl. Seitdem liegt er in einem Justizvollzugskrankenhaus bei Unna. Wie die Aachener Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, sei es allerdings fraglich, ob jemals ein Prozess gegen den Mann geführt werden könne.

Zwar habe er den selbst verursachten Unfall überlebt, er sei aber auf unabsehbare Zeit gesundheitlich derart stark beeinträchtigt, dass unklar sei, wann – und ob überhaupt - der Niederländer das erste Mal vernommen werden kann.

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