A 4 wird verlegt: Die Enttäuschung ist groß

Von: Jörg Abels
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Die A4 bei Niederzier, wie es sie bald an dieser Stelle nicht mehr geben wird: 2017 nehmen die Schaufelradbagger des Tagebaus Hambach Besitz von ihr. Foto: Jörg Abels

Leipzig/Düren. Der jahrelange Kampf der Anwohner und des BUND gegen die tagebaubedingte Teilverlegung und den sechsspurigen Ausbau der Autobahn 4 zwischen den Anschlussstellen Düren und Buir ist zu Ende.

Die Privatleute aus Niederzier-Ellen und Kerpen-Buir sind wie die Umweltschützer mit ihren Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gescheitert (BVerwG 9 A 71.07 - 74.07). Die bereits im September aufgenommenen Bauarbeiten dürfen fortgesetzt werden. Spätestens 2017 wird der Tagebau Hambach die jetzige Autobahn erreichen.

Die Anwohner hatten ein eigenes Gegengutachten in Auftrag gegeben. Darauf gestützt, zweifelten sie vor Gericht die Verkehrsprognose an. Sie gehen zudem davon aus, dass nach dem Ausbau die Grenzwerte für Lärm und Feinstaub deutlich überschritten werden. Die Bundesrichter folgten dem ebenso wenig wie den vom BUND beklagten Verstößen gegen Natur- und Artenschutzrecht.

Das Bundesverwaltungsgericht stellte fest, dass die Trassenwahl die Rechte der Privatpersonen nicht verletze und lehnte die Forderung nach weitergehenden Schutzmaßnahmen ab.

Die Verkehrsprognose sei mit einem angemessenen Verfahren ermittelt worden und konnte von den Klägern nicht erschüttert werden, entschied der 9. Senat.

Auch den Argumenten des BUND, der insbesondere die Existenz der gefährdeten Bechsteinfledermaus bedroht sieht, folgten die Richter nicht.

Zwar könne der Eingriff in die Natur, insbesondere der Verlust großer Waldflächen, das FFH-Schutzgebiet „Steinheide” beeinträchtigen, die vorgesehen Ausgleichs- und Schutzmaßnahmen aber seien angemessen.

Die Kläger, die nach der mündlichen Verhandlung vor drei Wochen noch voller Optimismus aus Leipzig zurückgekehrt waren und von einem fairen Verfahren mit vielen kritischen Nachfragen des Vorsitzenden Richters gesprochen hatten, reagierten am Mittwoch tief enttäuscht auf das Urteil.

„Man versteht die Welt nicht mehr”, erklärte der Ellener Wolfgang Schäfer. Der BUND sprach von einem „Fehlurteil zu Lasten von Mensch und Natur”. Jetzt drohe den betroffenen Ortschaften ein „wahres Horrorszenario”, sagte der Landesvorsitzende Peter Kröfges. „Damit werden die Menschen in Niederzier und Buir bald unzumutbaren Mehrbelastungen durch Lärm und Schadstoffe ausgesetzt.”

„Wir werden in Kauf nehmen müssen, dass die Sterblichkeitsrate in Buir um drei Prozent steigen wird”, erklärte ein frustrierter Kläger Peter Abels mit Bezug auf das Gegengutachten. Die A4n wird wie die Kohlebahn aus dem Tagebau Hambach an die Bahnstrecke Köln-Aachen herangeführt und unmittelbar entlang der Ortschaft Buir verlaufen.

Weil Klagen von Privatleuten offenbar nicht das nötige Gehör finden, sprechen Schäfer und Abels von einem Versagen der Träger öffentlicher Belange.

„Niederzier und Kerpen haben ihre Bürger im Stich gelassen”, erklärte Abels, der die Emmisonsentwicklung kritisch beobachten will und schon heute davon ausgeht, nicht den letzten Kampf gegen Tagebaubetreiber RWE Power geführt zu haben. Auch der BUND will weiter kämpfen.
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