720 Kilometer mit dem Rad: Herr Bührings kleine Missionsreise

Von: Marlon Gego
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Torsten Bühring ist von Magdeburg nach Aachen gepilgert, allerdings mit dem Fahrrad. „Das ist ja schön hier“, sagt er, als er das erste Mal auf den Aachener Katschhof fährt. Foto: Marlon Gego

Aachen. Aus seiner kleinen Mission macht Torsten Bühring kein Geheimnis, dass er mit dem Rad von Magdeburg nach Aachen gefahren ist, steht auf seinem T-Shirt, auf seinem Pilgerkreuz und auf seiner Facebookseite, die seit kurzem online ist. Außerdem auf den Internetseiten der Heiligtumsfahrt und des Bistums Aachen, das er vorab über sein Kommen informiert hat.

Soweit es seinen Glauben betrifft, hat Bühring lange schweigen müssen. Doch diese Zeit ist jetzt vorbei. Als er am Montagmittag in Aachen ankommt, wird er von einer kleinen Delegation des Bistums in Empfang genommen, ein Kamerateam ist auch dabei, er soll jetzt einige Fragen beantworten. Bühring steigt vom Rad und lächelt beschwingt.

„Das ist ja großartig“

Bühring, 47 Jahre alter Verlagskaufmann aus Magdeburg, ist in der säkularisierten DDR aufgewachsen. Mit 17, sagt er, habe ihn die Sache mit dem Glauben schon mal interessiert, aber als er in der Schule darüber sprechen wollte, wurde er von der Schulleitung einbestellt. Wenn das mit seinem Abitur was werden solle, habe man ihm damals erklärt, dann müsse er diesen Religionskram schnell wieder vergessen, und so kam es dann auch fast. Erst als die Mauer fiel, hat Bühring sich dem Thema wieder genähert, schrittweise, bis er sich im Herbst 2013 nach einem längeren Krankenhausaufenthalt endlich taufen ließ. Ein langer Weg.

Kurz darauf plante er seine jährliche Fahrradtour, stolperte im Internet über eine Ankündigung der Aachener Heiligtumsfahrt und sagte sich: „Das ist es, da fahr‘ ich hin.“ Zehn Tage, 720 Kilometer. Auch ein langer Weg.

Von seiner ersten Pilgerreise hat Bühring sich eine Menge versprochen. Er ist spät zum Glauben gekommen, und jetzt, so sieht es aus, kann er nicht genug von ihm bekommen. Unterwegs wollte Bühring seinen Glauben an so viele Menschen wie möglich weitergeben, aber dann kam er überwiegend mit Christen ins Gespräch. „Da gab es dann nicht mehr viel zu missionieren“, sagt Bühring und lacht, aber seine Reise ist ja auch noch nicht zu Ende.

Bühring steht mit seinem Fahrrad hinter dem Dom und posiert für das Kamerateam, das einen kleinen Film über ihn dreht. Zwei ältere Frauen bleiben stehen und schauen interessiert zu, eine von ihnen sieht das Pilgerkreuz, das an der Lenkradstange von Bührings Fahrrad montiert ist. Ob er wirklich von Magdeburg nach Aachen gefahren ist, wie es auf dem Kreuz steht, fragt die eine Frau. Bührings blasses Gesicht wird ein bisschen rot, dann sagt er ja. „Das ist ja großartig“, sagt die eine Frau, „unglaublich“ die andere.

„Tolle Begegnung“, sagt Bühring, als er später noch mal davon erzählt, „genau deswegen bin ich hergekommen.“

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