70 Jahre „Aachener Nachrichten“: Die Anfänge der Zeitung waren gefährlich

Von: Holger Richter
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Inzwischen arbeiten die Zentralredakteure am Newsdesk. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dass die Arbeit für eine Zeitung oder Zeitschrift lebensgefährlich sein kann, das haben die Terroranschläge in Paris erst kürzlich wieder auf barbarische Weise deutlich gemacht. Vor 70 Jahren war das schon einmal so – wenn auch aus anderen Gründen.

„Die Arbeit der Leute, die damals die ,Aachener Nachrichten‘ machten, war lebensgefährlich“, erinnert sich Kaspar Vallot an die Anfangszeit der Zeitung, die heute vor genau 70 Jahren zum ersten Mal erschien. Am 24. Januar 1945, einer Zeit, in der nur ein paar Kilometer weiter östlich der Zweite Weltkrieg noch tobte.

„Der damalige Aachener Oberbürgermeister Franz Oppenhoff ist noch vor Kriegsende von einem Nazi-Kommando erschossen worden“, verdeutlicht Vallot die Verhältnisse, unter denen die ersten Ausgaben zustande kamen. Aber sie kamen zustande, für Vallot, der 1947 zu den „Nachrichten“ kam und später deren Chefredakteur wurde, war das „ein Wunder, überhaupt Zeitung machen zu können“.

Und offenbar nicht nur für ihn. Denn die 12 000 Exemplare der vierseitigen ersten Ausgabe, die für 20 Pfennig verkauft wurden, gingen weg wie die vielzitierten warmen Semmeln. Von der zweiten Ausgabe, die sieben Tage später am 31. Januar 1945 erschien, gab es bereits 18 909 Exemplare – und das in einer Stadt, in der in den letzten Kriegsmonaten nur noch knapp 10 000 Menschen lebten. So ausgehungert waren die Überlebenden in der Stadt, die im Oktober 1944 als erste deutsche Großstadt durch amerikanische Truppen vom Nationalsozialismus befreit wurde, nach Neuigkeiten. Damit wurden die „Aachener Nachrichten“ zur ersten deutschen Zeitung im befreiten Deutschland überhaupt. Am 27. Juni 1945 bekam Herausgeber Heinrich Hollands die Lizenz Nr. 1 überreicht. Ihre vielleicht berühmteste Überschrift durfte die „AN“ schon früh in ihrer Geschichte drucken. Am 8. Mai 1945 titelten die „Nachrichten“ als einzige deutsche Zeitung: „Der Krieg ist aus“. Geschrieben hatte sie der inzwischen verstorbene Otto Pesch. Gemeinsam mit Herausgeber Heinrich Hollands gehörte Pesch zu den Männern der ersten Stunde. Ausgewählt wurden sie von einer anglo-amerikanischen Einheit von Presseoffizieren, die das besiegte deutsche Volk zur Demokratie hin umerziehen sollte.

Anfangs setzten die Presseoffiziere dazu noch eine strenge Zensur ein, zeitweise mussten die Einverständnisse von sechs verschiedenen Militärbehörden eingeholt werden und selbst die Zeitungsboten benötigten Begleitschutz, ansonsten drohte ihnen die Verhaftung. Zudem wurden die Namen von Otto Pesch und Heinrich Hollands zunächst noch geheim gehalten, da Attentate von Nationalsozialisten befürchtete wurden – wie im Fall Oppenhoff tatsächlich geschehen. Doch Pesch und Hollands schwammen sich frei.

Ursprünglich SPD-nahe Zeitung

Schrittweise wurde die Vorzensur dann durch eine Nachzensur ersetzt. Schließlich übernahmen britische Truppen die „Nachrichten“, als Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt wurde. Und die stülpten den Zeitungen in ihrer Besetzungszone auch das Prinzip der Parteirichtungspresse über. Die „Nachrichten“ erschienen ab dem 1. März 1946 folglich als „SPD-nahe Zeitung“.

Und das hatte Folgen: Als „SPD-nahe Zeitung“ verloren die „Nachrichten“ nämlich ihre Vormachtstellung in Aachen an die CDU-nahe „Aachener Volkszeitung“, die heutige „Aachener Zeitung“. Die Parteirichtungspresse gibt es längst nicht mehr, heute erscheinen „Aachener Nachrichten“ und „Aachener Zeitung“ in einem Verlag, die Inhalte beider Zeitungen werden von einer Redaktion erarbeitet und geschrieben – und das nicht nur auf Papier, sondern auch im Internet und in der digitalen Abendzeitung. Die „Nachrichten“ sind also gut aufgestellt für die nächsten 70 Jahre.

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