60-jähriger FH-Förderer vergibt Stipendium an Studenten

Von: Ulrich Simons
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Strahlende Gesichter bei John Küsters (Mitte) und seinen Förderern Wilma und Heinz Monnartz: Beim jährlichen Treffen im Aachener Rathaus lernen sich Stipendiaten und Geldgeber kennen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Im Grunde war Heinz Monnartz ein „Student de Luxe“, und das hat der Geschäftsführer der Stolberger Firma „Quality Automation“ bis heute nicht vergessen. Während viele seiner Kommilitonen an der Aachener FH für ihr Studium in Nachtschichten als Kellner oder tagsüber als Aushilfen in Firmen der Region jobben mussten, hatte er das Glück, eine berufstätige Frau an seiner Seite zu haben.

Als vor einiger Zeit sein 60. Geburtstag anstand, erinnerte sich Heinz Monnartz an diese Zeit vor mehr als 30 Jahren und an seine Studienkollegen, die infolge ihrer Nebentätigkeiten damals alle ein, zwei Semester länger gebraucht haben. Heraus kam eine ebenso hübsche wie sinnvolle Geschenkidee, ein glücklicher Student und ein Platz in der Chronik der FH Aachen als erster privater Förderer eines Stipendiaten.

Einmal im Jahr können sich Studentinnen und Studenten der FH im Internet um eines der begehrten Deutschland-Stipendien bewerben. Beim Start im Jahr 2009 hatte die FH 30 Stipendien vergeben, im vergangenen Jahr waren es schon 70. „Die Tendenz ist weiter steigend,“ sagt Carolina Getto, Fundraising-Beauftragte des Rektors der Fachhochschule. Man könnte ihre Tätigkeit übersetzen mit: „Geldbeschafferin“, aber das klingt nicht so elegant.

Die Bewerbungen – rund 400 waren es im Jahr 2013 – landen bei einer Auswahlkommission, die neben der Studienleistung auch das soziale Engagement der Kandidaten in und außerhalb der Hochschule bewertet.

Wer auf einem der vorderen Plätze landet, hat ein Jahr lang ein paar finanzielle Sorgen weniger. Der Förderer zahlt 1800 Euro auf ein Konto bei der FH, der Bund legt im Rahmen seines Stipendien-Programms den gleichen Betrag noch einmal drauf. Aus diesem Topf mit 3600 Euro wandern dann ein Jahr lang monatlich 300 Euro auf das Konto des Stipendiaten.

Üblicherweise sind es Firmen, die dem akademischen Nachwuchs unter die Arme greifen. Auch die Stolberger „Quality Automation“, deren Produkte weltweit unter anderem bei der Herstellung von Handydisplays oder OLED-Fernsehgeräten gebraucht werden, hat bereits zwei Stipendiaten gefördert.

Das Ganze geschieht natürlich nicht völlig uneigennützig. „Wir machen viele Projekte gemeinsam mit der FH“, sagt Heinz Monnartz, „vor allem im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten“. Denn vielleicht werde aus dem Stipendiaten von heute der qualifizierte Mitarbeiter von morgen. 40 Prozent seiner Belegschaft seien ehemalige FH-Studenten.

Wegen der Sache mit dem Eigennutz fließen die meisten Firmenspenden in die Studiengänge Informationstechnologie, Maschinenbau, Bauingenieurwesen, also Fächer, bei denen die Nachfrage nach guten Absolventen das Angebot weit übersteige, sagt FH-Mitarbeiterin Carolina Getto.

Die Förderung ist auf ein Jahr angelegt, eine Warteliste gibt es nicht. Wer also nicht zum Zuge kommt, muss sich ebenso neu bewerben wie bereits amtierende Stipendiaten, die sich nach Ablauf des Förder-Jahres wieder neu qualifizieren müssen.

Einmal im Jahr – normalerweise im November – lernen sich Förderer und Stipendiaten bei einer Feier im Krönungssaal des Aachener Rathauses kennen. Nachdem Freunde, Kollegen und Verwandte dem Wunsch des Jubilars in durchaus erfreulicher Größenordnung entsprochen hatten, trafen auch Wilma und Heinz Monnartz im November 2013 „ihren“ Stipendiaten erstmals persönlich.

Stipendiat John Küsters kommt aus Vreden im Münsterland, studiert an der FH Aachen Elektrotechnik und schreibt derzeit seine Bachelorarbeit im Bereich Regelungstechnik. Da seine Leistungen stimmen und John Küsters sich zudem als Fachtutor an der Hochschule engagiert, ist es nicht sein erstes Stipendium.

Was braucht ein Student, der nicht zu Hause wohnt, eigentlich im Monat? Auf „650 bis 700 Euro“, schätzt der 23-Jährige die Grundkosten. „Und da haben Sie noch keinen Kaffee getrunken und waren auch noch nicht im Kino.“ Von Fachbüchern gar nicht zu reden. Da sei so ein Stipendium schon eine sehr angenehme Einrichtung. „Man kann sich mehr auf sein Studium konzentrieren.“

„Viele leben in Aachen von den Studenten“, sagt Heinz Monnartz, der ebenso wie Carolina Getto von der FH auf Nachahmer hofft. „Es wurde einfach Zeit, mal etwas zurückzugeben.“

Aus dem zunächst nur finanziellen Kontakt sei inzwischen eine Freundschaft geworden. „Wir duzen uns mittlerweile“, verraten Wilma und Heinz Monnartz nicht ohne Stolz. Zur Vertiefung der Beziehung mit „ihrem“ Stipendiaten steht als nächstes ein Grillabend auf dem Programm.

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