57 Gewalt-Betroffene in rheinischer Kirche

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Düsseldorf. 57 Frauen und Männer, die in evangelischen Einrichtungen zu Opfern von Misshandlungen und sexueller Gewalt geworden sind, haben sich in den vergangenen Monaten bei der Evangelischen Kirche im Rheinland gemeldet.

Der älteste Fall sei 1948 geschehen, jüngere Ereignisse stammten aus den 80er Jahren, berichtete Vizepräses Petra Bosse-Huber am Mittwoch vor der Presse in Düsseldorf.

Drei Dutzend Meldungen hätten Gemeinden, Schulen und Internate betroffen. Insgesamt 13 Berichte bezogen sich auf Erziehungs- und Betreuungseinrichtungen der Diakonie und zwei weitere kirchliche Einrichtungen. In fünf Fällen sei es um andere Landeskirchen, in drei Fällen um Missbrauch in der katholischen Kirche gegangen, sagte Bosse-Huber.

Sehr viele Fälle von sexuellem Missbrauch datierten in die 60er Jahre, sagte Petra Hundhausen-Kelp als zuständige Ansprechpartnerin in der rheinischen Kirche. Bei jüngeren Fällen sei es meist zu „einzelnen Übergriffigkeiten” gekommen. „Die Heimkind-Problematik endet mit den 60er Jahren”, erklärte Hundhausen-Kelp.

Alle Fälle seien straf- und disziplinarrechtlich verjährt. Bosse- Huber: „Das macht es für uns als Kirche außerordentlich bitter, weil wir den Opfern mit Blick auf juristische Konsequenzen nicht gerecht werden können.” Bis zu 40 Prozent der Menschen, die sich gemeldet hätten, habe man auf deren Wunsch seelsorgliche und therapeutische Hilfe vermittelt.

Der rheinische Präses Nikolaus Schneider, der auch amtierender EKD-Ratsvorsitzender ist, bat die Opfer erneut um Verzeihung. Wer anderen Menschen Gewalt antue, „verstößt gegen Gottes Gebote und pervertiert die gute Nachricht, die wir als Kirche leben und weitersagen wollen”.

Seit 2003 gibt es in der Evangelischen Kirche im Rheinland ein verbindliches Verfahren für den Umgang mit Verdachtsfällen auf entsprechende Straftaten. Dieses Verfahren sieht einerseits seelsorgliche, psychologische oder therapeutische Hilfe für die Opfer und andererseits die konsequente strafrechtliche und disziplinarische Verfolgung der Taten vor.
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