50-Jähriger missbraucht seine Töchter live im Netz

Von: Wolfgang Schumacher
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Symbol Justiz Gericht Richter Prozess stpo Foto: Patrick Seeger/dpa
S. hat nach Feststellung der Kammer seine beiden minderjährigen Töchter dreieinhalb Jahre lang sexuell missbraucht, weitere Opfer wurden drei Freundinnen der beiden Mädchen.

Aachen. Am Landgericht Aachen ist am Montag ein hartes Urteil in einem furchtbaren Fall von Kindesmissbrauch gefällt worden, der teils vor laufenden Computerkameras live ins Netz übertragen wurde.

Ein früherer Mitarbeiter der evangelischen Kirche im Kreis Düren muss wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen sowie wegen Verbreitens und Tauschens kinderpornografischer Dateien in mehr als 40 Fällen neun Jahre ins Gefängnis – mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Ein umfängliches Geständnis des Angeklagten habe letztlich dafür gesorgt, dass „das Strafmaß nicht zweistellig ausgefallen ist“, bewertete der Vorsitzende der 5. Großen Strafkammer, Roland Klösgen, das Urteil gegen S. (50).

S. hat nach Feststellung der Kammer seine beiden minderjährigen Töchter dreieinhalb Jahre lang sexuell missbraucht, weitere Opfer wurden drei Freundinnen der beiden Mädchen. Der Missbrauch begann 2011 mit der älteren Tochter, die damals „zwischen acht und neun Jahre alt war“, hieß es im Urteil. Die Schwester ist drei Jahre jünger.

Das inzestuöse Geschehen habe sich „aus einem völlig normalen Kuscheln“ entwickelt und sich dann zu einem Sexgeschehen gesteigert, das zum Teil vor der laufenden Internetkamera des Angeklagten im Haus der Familie live in einschlägige Chatrooms übertragen wurde.

„Man musste sich dort mit persönlichen Eintrittskarten und Nachweisen Zutritt verschaffen“, schilderte Richter Klösgen sichtlich angewidert diese pädophile Welt. So habe das Mädchen einen handschriftlichen Zettel mit dem Namen des Gegenübers in die Kamera halten müssen, an dem der Täter auf der anderen Seite erkannte, dass es ernst war. Als die ältere Tochter später einen Freund hatte, habe sie sich die Übergriffe verbeten. Dann habe S. bei der jüngeren Schwester weitergemacht, stellte die Kammer fest.

Dabei hätten diese Taten verhindert werden können. Der heute 50-Jährige war bereits im Jahr 2008 wegen des Verbreitens kinderpornografischer Dateien zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Im aktuellen Verfahren kritisierte Richter Klösgen, dass S. in dem vorangegangenen Verfahren manipulativ agiert habe. Bei den damaligen Vorfällen war S. noch IT-Techniker bei der Telekom und besaß das technische Wissen, um Server mit gespeichertem, kinderpornografischem Material zu betreiben. Genau das wurde vor Gericht auch angeklagt.

Doch durch seine „äußerst manipulativen Fähigkeiten“, die er bei der Erstellung eines Gutachtens damals angewandt habe, sei in dem Sachverständigengutachten keine Rede mehr von pädophilen Neigungen gewesen, S. habe das Tatgeschehen quasi als ein angeblich wertfreies Sammelhobby dargestellt.

Zudem meldete sich im Laufe des jetzigen Prozesses die Schwester von S. bei Gericht. Ihr Bruder habe sie als damals Elfjährige und ihre gleichaltrige Freundin bereits mit „17 oder 18 Jahren“ sexuell missbraucht. Die damit bereits in seiner Jugend aufgetretene Pädophilie sei in der Verhaltenstherapie nach der Verurteilung 2008 aber nie ein Thema gewesen, bemerkte der Richter fast ein wenig ratlos: „Es ist mir nicht verständlich, dass die pädophilen Neigungen in dieser Therapie nie Thema waren.“

Im nicht-öffentlichen Teil des Prozesses wurde deutlich, dass S. selbst in der Öffentlichkeit versucht hatte, ein ihm unbekanntes Mädchen zu missbrauchen. „Die Gutachterin hat den Hang zu solchen Straftaten bestätigt“, stellte das Gericht fest. Die Konsequenz daraus ist die Verhängung „des scharfen Schwertes der Sicherungsverwahrung“. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft und Sicherungsverwahrung gefordert, der allgemeine Strafrahmen geht bis zu 15 Jahren Haft.

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