450 Geschenktüten für Kölner Obdachlose

Von: Lisa Caspari, ddp
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In der zum provisorischen Lagerraum umfunktionierten ehemaligen Bibliothek im Haus der Evangelischen Kirche stapeln sich die Plastikkisten. Sie sind prall gefült mit Konserven, Duschgel und Lebkuchen. Geschäftig packen ehrenamtliche Diakonie-Mitarbeiter die Spenden für den alltäglichen Bedarf in große Weihnachtstüten um. Sie sollen am Heiligabend bei einer großen Weihnachtsfeier an rund 450 Obdachlose verteilt werden. Foto: dpa

Köln. In der zum provisorischen Lagerraum umfunktionierten ehemaligen Bibliothek im Haus der Evangelischen Kirche stapeln sich die Kisten. Sie sind prall gefüllt mit Konserven, Duschgel und Lebkuchen.

Geschäftig packen ehrenamtliche Diakonie-Mitarbeiter die Spenden in große Weihnachtstüten um. Sie sollen am Heiligabend während einer großen Weihnachtsfeier an rund 450 Obdachlose verteilt werden. Auch die 73-jährige Hedi Rahbar wird wieder ehrenamtlich dabei sein. Die Rentnerin engagiert sich seit vielen Jahren für die Obdachlosenhilfe in ihrer Heimatstadt.

Die Nachfrage nach den Geschenktüten werde mit jedem Jahr größer, berichtet Rahbar: „Wir öffnen am Heiligabend um 10.00 Uhr, und bereits eine Stunde vorher stehen die Leute im Hof Schlange." Neben Artikeln des täglichen Bedarfs und Lebensmitteln gibt es in den Tüten auch Tabak für die Wohnungslosen: „Der ist ihnen besonders wichtig”, weiß Rahbar aus Erfahrung.

Weil im vergangenen Jahr einige Gäste nur kurz bei der Feier erschienen und schnell wieder mit mehreren der begehrten Tüten verschwunden waren, hat die Diakonie in diesem Jahr spezielle Gutscheine ausgeteilt, wie der Leiter des für die Feier zuständigen Diakoniehauses am Salierring, Rolf Tolzmann, sagt. Bedürftige müssen sich beim Abholen der Gutscheine ausweisen. Nur mit einem solchen Ticket werde dann bei der Feier eine Geschenktüte übergeben.

Neben den kleinen Geschenken wird den Obdachlosen während des vierstündigen geselligen Beisammenseins bei Plätzchen, belegten Brötchen und Kaffee auch ein Musikprogramm geboten. „Die Leute kommen nicht nur wegen den Tüten, sie kommen vor allem, weil sie an diesem Tag nicht alleine sein wollen”, sagt Helferin Rahbar.

Schätzungsweise rund 1600 Menschen leben der Diakonie zufolge in Köln auf der Straße, weitere 6000 sind ebenfalls ohne festen Wohnsitz und beispielsweise in sozialen Einrichtungen untergebracht. Aber nicht nur solche Menschen finden am Heiligabend ihren Weg zur Weihnachtsfeier der Diakonie. „Es kommen auch viele Menschen, die von Hartz IV leben oder einfach einsam sind”, weiß Tolzmann.

Die für die Weihnachtstüten verwendeten Lebensmittelspenden wurden bereits Wochen vor Weihnachten bei verschiedenen Aktionen gesammelt. „Wir stellen uns vor Supermärkte und sprechen Kunden an, ob sie für die Obdachlosen nicht etwas kaufen wollen”, sagt Rahbar. Auf diese Weise bekämen sie zahlreiche Sachspenden. „Da kommt viel mehr zusammen, als wenn wir nur nach Geld fragen.”

Die engagierte Rentnerin ist selbst stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten der Spendenakquise. So wirbt sie in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis und spricht auch selbst Supermarkt-Inhaber an, ob diese eine Sammelaktion erlauben würden. Dies sei oftmals eine mühsame Arbeit, sagt die Rentnerin: „Ich habe alle Supermärkte in der Kölner Südstadt abgefragt, aber nur ein Anbieter war bereit, mich im Eingangsbereich stehen zu lassen. Die hatten alle Angst, dass ich die Kunden störe.”

Ein Leben ohne die Obdachlosen-Hilfe, das käme für sie nicht mehr in Frage, sagt Rahbar: „Ich mache das gerne, und man bekommt einfach so viel Dankbarkeit zurück.”

„Weihnachtsfeiern sind seit Jahren fester Bestandteil der Wohnungslosenhilfe”, sagt Werena Rosenke von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in Bielefeld. Die Gemeinschaftserfahrung, das gute Essen und die kleinen Geschenke entrissen die Obdachlosen aus ihrem oft harten Alltagsleben. „Allein einmal etwas geschenkt zu bekommen und nicht dafür betteln zu müssen, das bedeutet ihnen sehr viel”, sagt Rosenke.
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