330 Schüler schnuppern Ingenieursluft

Von: Anja Klingbeil
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Simulation: Die Aachener Schüler Karim Jabakhanji und Johannes Detemple sammeln erste Erfahrungen beim Ingenieurtag. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Magnetnadel des Kompasses neigt sich bedrohlich in die falsche Richtung. „Wir haben viel zu wenig Tempo drauf”, sagt Karim Jabakhanji. Der 18-Jährige sitzt am Steuer eines Flugsimulators. Aber nicht etwa, weil er Pilot werden will. Karim Jabakhanji interessiert sich für Technik.

Genau darum geht es beim Ingenieurtag. Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern. Auch das Institut für Luft- und Raumfahrt und Flugdynamik an der RWTH Aachen gewährte am Donnerstag einen Blick hinter die Kulissen für Jugendliche aus der Region. Für Karim Jabakhanji, Schüler am Aachener Mies-van-der-Rohe-Berufskolleg, und andere Jugendliche die Gelegenheit, schon ein wenig Uni-Luft zu schnuppern.

Eben diesen Vorgeschmack auf Studium und Beruf hat sich Karim Jabakhanji erhofft, als er sich für den Ingenieurtag angemeldet hat. Auf den Flugsimulator hat er sich im Vorfeld besonders gefreut. Nun sitzt er gemeinsam mit seinem Klassenkameraden Johannes Detemple am Steuer des Übungsflugzeuges und kommt mit der Maschine ziemlich ins Strudeln: „Co-Pilot, wir stürzen ab.” Bei einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern und mehreren Tausend Fuß über dem Erdboden kann man schon mal nervös werden. In der 3D-Animation, die auf dem Bildschirm läuft, zeigen sich die Umrisse eines großen Kraftwerks. „Dann sind wir ja zumindest wieder halbwegs auf Kurs”, sagt Karim Jabakhanji beruhigt.

Ums Fliegen und die Geschwindigkeit dreht sich alles am Lehrstuhl. Erforscht wird unter anderem, welche Eigenschaften ein Flugzeug haben muss, damit der Pilot es steuern kann. Deshalb geht es für Karim Jabakhanji und den Rest der Gruppe hinunter in den Keller. In einem Raum läuft rundum ein Windkanal entlang, der in der Mitte durchbrochen ist. Mit bis zu 250 Stundenkilometern kann Luft durch die Kanalröhre geschossen werden. Wie in einem riesigen Föhn. Auch Karim Jabakhanji und die anderen Teilnehmer trauen sich in die Öffnung der schwarzen Röhre.

Die Haare stehen zu Berge

In der Röhre zirkuliert die Luft zwar bei der Vorführung nicht mit höchster Geschwindigkeit. Aber auch 36 Stundenkilometer genügen: Den Jugendlichen stehen die Haare zu Berge - da hilft das beste Stylinggel nichts. Maschinenbau und Mathematik hat der 18-Jährige als Leistungskurse belegt. „Im Unterricht haben wir bereits viel über Aerodynamik gesprochen, deswegen finde ich den Workshop auch super interessant.”

2011 macht er sein Abitur. Dann vielleicht ein Studium im Bereich der Luftfahrttechnik, das Interesse dafür hat der Ingenieurtag jedenfalls geweckt - trotz holprigem ersten Flugversuch. Doch Karim Jabakhanji und sein Co-Pilot Johannes Detemple sind halbwegs sicher gelandet. Zwar auf dem Grünstreifen neben der eigentlichen Landebahn des Berliner Flughafens Schönefeld, aber das Flugzeug ist noch ganz - immerhin.

Selbst in der Krise sind in NRW 6000 Stellen offen

Der Ingenieurtag „Zukunft durch Innovation” wird veranstaltet vom NRW-Innovationsministerium. Am Donnerstag kamen rund 330 Schüler zu 53 Workshops an Instituten von RWTH, FH Aachen, Forschungszentrum Jülich sowie regionalen Unternehmen.

„Möglichst viele” Schüler für ein Studium der Ingenieur- und Naturwissenschaften „zu begeistern”, ist Sinn und Zweck solcher Aktionen, so Innovations-Staatssekretär Michael Stückradt. „Das Land hat einen riesigen Mangel an Ingenieuren. Mitten in der Wirtschaftskrise sind allein in NRW 6000 Stellen zu besetzen, bundesweit 25.000.”

Immerhin die Hälfte aller jetzigen 6000 Studienanfänger an der TH hat sich in Ingenieurwissenschaften eingeschrieben, sagte RWTH-Prorektor Aloys Krieg. Noch mehr Schülerinnen hofft Christiane Vaeßen, Prorektorin der FH Aachen, für technische Berufe zu gewinnen. „Da liegen noch Ressourcen brach.”
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