271 Meerschweinchen aus Wohnung befreit

Von: Robert Esser
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Durch Kot und Müll gekämpft: Die Ordnungshüter transportierten 271 Meerschweinchen ab. Rund 30 Tiere, die sich im Unrat versteckten, sollen nach der Räumung der Wohnung folgen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Von wegen „Schwein gehabt”: In einer vierstündigen Aktion haben Ordnungshüter am Samstagnachmittag 271 Meerschweinchen aus einer kleinen Erdgeschosswohnung im Ostviertel befreit, die völlig vermüllt war.

Nachbarn eines kleinen Appartements in der Hüttenstraße hatten das Ordnungsamt alarmiert, weil sich im Flur des Mehrfamilienhauses bestialischer Gestank breitmachte und Fliegenschwärme an einer Wohnungstür auftauchten.

Mit Hilfe von Polizei, Feuerwehr, Tierschutzverein und Schlüsseldienst verschafften sich die Beamten Zugang zu der Wohnung. „Ich schaute in hunderte Schweineaugen und wusste: Nur zwei Tage später, und es hätte Todesopfer gegeben”, schilderte die Tierschutzbeauftragte Birgit Wintersteller-Kordic am Sonntag betroffen.

Den Beamten habe sich er nach dem Öffnen der Wohnung ein widerwärtiges und ekelerregendes Bild geboten, bestätigte auch ein Polizeisprecher. „Teilweise war der Fußboden zehn Zentimeter hoch mit Tierkot bedeckt”, sagte er. Zwischen Kleiderhaufen und Müll auf dem Boden kauerten rund 300 Meerschweinchen in ihren Exkrementen - und zirpten jämmerlich.

„Die haben sich vom Müll ernährt, Wasser gab´s gar keines”, zeigte sich Wintersteller-Kordic erschüttert. „Ein weiterer furchtbarer Fall von Animal-Hoarding! Man mag kaum glauben, dass die Nachbarn davon nichts mitbekommen haben.” Erst im März dieses Jahres hatte die Polizei 40 Hunde, zehn Katzen, einen Papagei und einige Sittiche aus einer völlig verwahrlosten Wohnung in Baesweiler befreit.

In der Aachener Hüttenstraße sammelten Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Tierschutzvereins die Tiere unter großen Mühen ein und transportierten sie in Plastikboxen Richtung Tierheim ab. Von dort sollen die Nager jetzt bundesweit in andere Tierheime verteilt werden. „Der Zustand der Tiere war bedrohlich. Eines war querschnittsgelähmt und musste eingeschläfert werden”, sagte die Tierschützerin. Am heutigen Montag will das Ordnungsamt die Wohnung komplett räumen sowie desinfizieren - und dutzende Tiere, die sich noch im Unrat versteckten, einfangen.

Die Mieterin des Zwei-Zimmer-Appartements, eine 41-jährige Aachenerin, war bis Sonntagabend nicht auffindbar. Sie soll mit ihren zwei Hunden, die wohl ebenfalls in der verdreckten Meerschweinchen-Wohnung hausten, vor einigen Tagen das Weite gesucht haben. Gegen die 41-Jährige erstattete die Polizei Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Warum die Frau so viele Meerschweinchen hielt, die schon wenige Monate nach ihrer Geburt geschlechtsreif sind und sich sehr schnell vermehren, war am Sonntag völlig unklar. „Sicher ist, dass 20 bis 30 Baby-Meerschweinchen dabei sind und dass sehr viele der älteren Tiere gerade trächtig sind”, sagte Wintersteller-Kordic.

Verteilaktion für hunderte Meerschweinchen

Bundesweit hat der Tierschutzverein am Wochenende Tierheime alarmiert, um die knapp 300 Meerschweinchen zu versorgen, die am Samstag abtransportiert worden waren. Die Tierschutzbeauftragte Birgit Wintersteller-Kordic erklärte, dass Tierheime in Bochum und Heinsberg bereits zugesagt hätten, jeweils 30 Meerschweinchen aufzunehmen.

Das sogenannte „Animal-Hording”, also das krankhafte Sammeln von Tieren, nehme immer weiter zu, erklärte Wintersteller-Kordic. „Da ist auch die Aufmerksamkeit von Nachbarn gefordert, um solche Fälle schneller zu erkennen und einschreiten zu können.”

Ansprechpartner sind zum Beispiel das Ordnungsamt (0241/4323209) sowie Tierheim und Tierschutzverein Aachen (0241/154676).
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