27. Summerjam: Amadou & Mariam begeistern die Fans

Von: Heiner Schepp
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Der Festival-Headliner Sean Paul sorgte zum Abschluss des zweiten Tages für gute Stimmung. Zum Publikumsrenner wurde auch das blinde senegalesische Duo Amadou & Mariam. Foto: Heiner Schepp

Köln. Summerjam - das bedeutet seit nunmehr fast drei Jahrzehnten ein fröhlich-friedliches Fest der Musikkulturen.

1986 als reines Reggae-Festival auf der Freilichtbühne am Loreleyfelsen geboren, hat sich das wohl entspannteste aller Festivals vor allem seit dem Umzug in den Kölner Norden 1996 zum Treffen der Weltmusik gemausert, das von Jahr zu Jahr musikalisch bunter wird und neue Trends in der Szene setzt.

Bei aller Internationalität von Künstlern und Publikum trumpfte aber bei der 27. Auflage des Summerjam unter dem Motto „Together as one” gerade auch die deutsche Bundesliga aus Reggae und Dancehall, Hiphop, Soul und Funk auf den Bühnen der Badeinsel geradezu europameisterlich auf. Da vereinten Dub a la pub aus Augsburg beschwingt ursprünglichen Roots-Reggae, Dub und Ska, gab „Soulman” Flo Mega aus Bremen mit fettem Funk und einer Brise Weser-Blues dem Festival wettergerecht einen friesisch-herben Anstrich und verbreitete das neunköpfige Berlin Boom Orchestra zum Start in den sonnigen Samstag viel gute Laune im gerade aus dem Zelt gekrochenen Publikum.

Dass auf der Weltkarte der schwarzen Musik Deutschland kein weißer Fleck mehr ist, bewiesen eindrucksvoll auch die frechen Rapper und Hiphopper Orsons aus Stuttgart, Marsimoto aus Rostock und Prinz Pi aus Berlin, der Aachener Reggae-Musiker Sebastian Sturm mit seiner Band Exile Airline oder die Münchener Dancehall-Reggae-Bands Raggabund und Jamaram.

Auch vor dem Festival-Headliner Sean Paul zum Abschluss des zweiten Tages stand gut gemachte deutschsprachige Musik zur „besten Sendezeit” auf dem Programm des Summerjam: Rapper Max Herre hatte nicht nur Songs seiner ehemaligen Band Freundeskreis und seines neuen Albums „Hallo Welt” mitgebracht, sondern auch musikalische Weggefährten, darunter auch seine Musik- und Lebenspartnerin, Soullady Joy Denalane. „Der Summerjam ist für mich eines der schönsten Festivals mit tollen Bands und einem offenen Publikum, das keine Reggae-Doktrin kennt”, freute sich der sympathische Stuttgarter, der als Teenager im Publikum der Summerjam mitwippte.

Ein Teenager war auch noch Stephen Marley, als bei der Summerjam-Premiere 1986 The Wailers, die legendäre Begleitband seines Vaters Bob Marley, die Reggae-Ikone fünf Jahre nach ihrem Tod musikalisch wach werden ließen. Anno 2012 stellte sich nach Damian, Ziggy und Ky-Mani der vierte Marley-Spross solo in Köln vor und stellte unter Beweis, wie sehr sich die von seinem Vater geprägte Musik im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Wie sehr sich indes die anderen Stile des Festivals erweitert haben, zeigte das Publikumsinteresse beim blinden senegalesischen Duo Amadou & Mariam, der deutsch-nigerianischen Samtstimme Nneka oder der US-Band Soja (Soldiers of Jah Army), die gehörige Portionen Rock und Folk in ihren Reggae-Cocktail mischt.

Es bleibt zu wünschen, dass der Summerjam, der auch diesmal an die 30.000 Menschen dreier Generationen und aus halb Europa anlockte, kein Auslaufmodell ist, obwohl die Kontroll- und Regelungswut der Ordnungsbehörden fleißig daran arbeitet. Es wäre schade um den wohl buntesten Punkt im deutschen Festivalsommer.
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