200 Briefe, die den Bischof beeindrucken

Von: Claudia Schweda
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Sucht im Dialogprozess des Bis
Sucht im Dialogprozess des Bistums jetzt das persönliche Gespräch mit den Gläubigen: Bischof Heinrich Mussinghoff. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Bischof Heinrich Mussinghoff ist „begeistert”, wie seine Einladung zum Dialog von den Gläubigen im Bistum aufgenommen worden ist. Vor fünf Monaten hatte er in einem Brief an die Gemeinden und katholischen Einrichtungen dazu aufgerufen, mit ihm in einen Dialog über zentrale Fragen zur Zukunft ihrer Kirche im Bistum Aachen zu treten.

Knapp 200 Briefe haben Heinrich Mussinghoff daraufhin erreicht. Manche haben nicht als Einzelperson, sondern in einer Gruppe - als Bibelkreis, Ordensgemeinschaft oder Pastoralteam - gemeinsam geschrieben, so dass 300 der 1,11 Millionen Gläubigen im Bistum hinter den 200 Briefen stecken.

Am Mittwoch hat der Aachener Bischof den Briefeschreibern eine Antwort geschickt. Darin heißt es: „Ich will nicht verhehlen, dass einige Rückmeldungen für mich ?harte Kost waren.” Er nehme die Kritik aber sehr ernst, „weil für mich spürbar ist, dass sie von ernster Sorge um die Zukunft unserer Kirche getragen ist”. Mussinghoff ist von den Briefen so beeindruckt, dass er in seiner Antwort die Briefeschreiber zu einer persönlichen Begegnung im November in Aachen einlädt, um „länger und vertiefter” über die aufgeworfenen Fragen zu sprechen.

Die Menschen haben dem Bischof teilweise über viele Seiten geschrieben, was ihrem Leben Kraft gibt, wo sie die Kirche stark oder schwach erleben und wie ihr Zukunftsbild von Kirche aussieht. „Das kann man nicht empirisch auswerten”, sagt Martin Pott, Pastoralreferent im Generalvikariat und Geschäftsführer des Dialog-Prozesses. Der Kreis der Briefeschreiber sei eben in keiner Form repräsentativ. Dennoch haben Pott und sein Team Schwerpunkte identifiziert, die sie als „Indikatoren” werten.

Dabei gibt es nur einen Begriff, der in mehr als der Hälfte der Briefe auftaucht: Beziehungen. 53,2 Prozent der Schreibenden geben an, dass sie ihrem Leben Kraft geben. Nur 15,4 Prozent nennen die Gemeinde als Kraftspender. Gebet und Meditation (15,4 Prozent) wird bei dieser Frage häufiger genannt als der Gottesdienst (12,8 Prozent). Stark wird die Kirche bei „sozialer Hilfe” (31,4 Prozent) und „Vermittlung von Gemeinschaftsgefühl und Werten” (29,8 Prozent) erlebt. Nur 12,2 Prozent nennen hierbei „gut gestaltete Gottesdienste”. Bei der Frage danach, wo die Kirche als schwach erlebt wird, wird in den Briefen oft „zu viele Strukturen” genannt (39,9 Prozent), „veraltete Sprache” (26,6 Prozent), „Unglaubwürdigkeit der Kirche” (26,1 Prozent) und die Rolle der Frau (24,5 Prozent). 18,6 Prozent nennen die Mitarbeiter der Kirche als deren Schwäche. Nur jeder Zehnte (11,2 Prozent) klagt über eine überholte Sexualmoral.

Beim Zukunftsbild der Kirche fordert jeder Dritte, dass die Kirche mit der Zeit gehen muss (32,4 Prozent), fast jeder Vierte wünscht sich eine persönlichere Kirche, die den Fokus auf den Einzelnen legt (23,4 Prozent), und geht davon aus, dass die Kirche künftig von ihren Mitgliedern und Ehrenamtlern getragen wird (23,9 Prozent).

Die Briefe bieten viel Diskussionsstoff für die persönliche Begegnung mit dem Bischof. Und der Dialogprozess soll nun in eine zweite, intensivere Phase treten. Pastoralreferent Pott berichtet von geplanten Diskussionen zu neuen Formen von Gemeinde oder zur Frage, wie die Kirche mit Scheitern umgeht - zu denen jede und jeder Gläubige kommen kann. Dazu soll im Frühjahr 2013 eine Acht-Etappen-Wanderung quer durchs Bistum kommen. Mit dieser offeneren Form der Begegnung sollen die erreicht werden, die den Weg in die Kirche sonst vielleicht nicht mehr finden, sagt Pott. Damit macht das Bistum eine Ankündigung des Bischofs in seinem Antwortbrief wahr: „Dieser begonnene Dialog muss weitergehen.”
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