Aachen - 18 Jahre später und keine Spur vom Mörder

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18 Jahre später und keine Spur vom Mörder

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Mit seiner Hilfe hoffen die Ermittler auf eine neue Spur: Rudi Cerne stellt den Aachener Orion-Mordfall vor. Foto: dpa

Aachen. Die Tat liegt mehr als 18 Jahre zurück. Polizei und Staatsanwaltschaft tappen immer noch im Dunkeln. Aber die Ermittler schließen die Akte noch nicht. Anfang April 1996 war eine damals 49 Jahre alte Verkäuferin im Sexshop Orion an der Aachener Roermonder Straße erstochen worden. Vom Täter fehlt noch immer jede Spur.

Nun gehen die Behörden noch einmal an die Öffentlichkeit. Über die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ wollen sie neue Hinweise in dem alten Fall bekommen.

Die Verkäuferin, die eigentlich Krankenschwester gelernt hatte, Mutter von drei Kindern und verwitwet war, arbeitete am 3. April 1996 in dem Sexshop. An diesem Mittwochnachmittag wurde ein Raubüberfall auf das Geschäft verübt. In der rechtsmedizinischen Untersuchung heißt es später, dass die Frau durch „zahlreiche Messerstiche“ getötet wurde. Die Beute des Täters war überschaubar: 1000 D-Mark.

Es scheint als hätten die Behörden damals eine Menge versucht, um dem Täter auf die Schliche zu kommen. Die Staatsanwaltschaft setzte für Hinweise eine Belohnung von 3000 D-Mark aus. Die Polizei verteilte wenige Tage nach dem Raubmord Flugblätter an Passanten und Autofahrer auf der Roermonder Straße. Und man befragte die Schausteller, die sich wegen des gerade stattfindenden Aachener Bends in der Stadt befanden. Alles erfolglos. Nach etwa sechs Wochen wurden die Ermittlungen heruntergefahren.

Den bislang letzten Versuch, den Fall doch noch aufzuklären starteten die Behörden vor zwei Jahren. Unter den Fingernägeln des Opfers hatte man Hautreste gefunden, die vermutlich vom Täter stammen. Im Jahr 2000 wurde diese Spur noch einmal untersucht. Die Wissenschaft war zu diesem Zeitpunkt weiter als noch vier Jahre zuvor. Man konnte nun sagen, dass die Spur DNA enthielt. Polizei und Staatsanwaltschaft gingen davon aus, dass es sich um die DNA des Täters handelt. Im Jahr 2012 glichen die Ermittler das genetische Material von 380 Personen mit den Erbgutinformationen der Haut ab, die sich unter den Fingernägeln des Opfers befunden hatte. Nach dieser aufwendigen Untersuchung war die Polizei allerdings nicht schlauer als zuvor. Der Abgleich ergab: keine Übereinstimmung.

Trotzdem setzt der Aachener Staatsanwalt Jost Schützeberg weiter auf die Analyse des Materials: „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass uns das DNA-Material zum Täter führen wird.“ Allerdings sind die Ermittler in einer Sackgasse. Die Ermittlungen hätten nichts ergeben, eine konkrete Spur gebe es nicht und aktuell liefen auch keine weiteren Ermittlungen. Schützeberg setzt nun darauf, neue Hinweise durch die Ausstrahlung im ZDF zu bekommen – die „letzte Chance“. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich nach so langer Zeit ein Zeuge meldet, sei „schwer zu beurteilen“, sagt Schützeberg. Aber Hoffnung bestehe.

Schützeberg hofft, dass sich Personen melden, die sich in dem Sexshop aufgehalten haben. „Es gibt Hinweise, dass vor der Tat noch Kunden in dem Geschäft waren, die den Täter gesehen haben müssen“, sagt er. Zudem gibt es die Theorie, dass Schausteller, die sich wegen des Bends in der Nähe des Geschäfts aufhielten, mit dem Mord in Zusammenhang stehen könnten. Es handele sich dabei aber nur um einen Verdacht – „mehr nicht“, sagt Schützeberg.

Schützeberg setzt auf die überregionale Öffentlichkeit, da die Polizei 1996 nicht alle Schausteller befragen konnte, einige waren schon abgereist. Und Schausteller sind eben in ganz Deutschland unterwegs. Zudem gehe er davon aus, dass der Sexshop auch Kunden hatte, die nicht aus dem Raum Aachen stammen.

Dass Mordfälle nicht aufgeklärt werden ist sehr selten. In den vergangenen beiden Jahren gab es in der Städteregion Aachen etwa zehn Morde – alle aufgeklärt.

Sollte sich nach der Sendung niemand als Zeuge melden, klappen sie den Aktendeckel immer noch nicht endgültig zu. „Es wird dann erst mal keine weiteren Ermittlungen geben“, sagt Schützeberg. Dafür fehlt jeder Ansatz. Allerdings würden solche Fälle immer wieder „in regelmäßigen Abständen untersucht“. Schützeberg: „So etwa gerät nie vollständig in Vergessenheit. Mord verjährt nicht.“

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