1500 Schüler und Studenten auf den Straßen

Von: Mischa Wyboris
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Rücken im Protest gegen Bildungsblockaden zusammen: Aachener Schüler und Studenten demonstrieren -Êhier vor dem Elisenbrunnen - gegen die Bedingungen an Schulen und Universitäten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Massendiebstahl nennt sich das wohl, weswegen Klassenräume wie Hörsäle in vielen Bildungseinrichtungen leer geblieben sind: Mehr als 700 Schüler und Studenten fühlen sich beklaut und haben das auf ihrer fünf Kilometer langen Route durch die Innenstadt kundgetan.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung raubt!”, schallt es durch die Straßen. Wem diese Parole schon bekannt vorkommt, der darf sich getrost eine Eins notieren: Bereits im November haben Aachener Schüler und Studenten an dem bundesweiten Streiktag teilgenommen - mit demselben Wahlspruch, allerdings mit numerischen Startschwierigkeiten.

Diesmal versammeln sich von Anfang an Hunderte am Elisenbrunnen und legen den Verkehr lahm. Kein Vorbeikommen auch für Fußgängerin Christina Löhrer-Kareem. „Es wird langsam Zeit, dass die jungen Leute ,aufmucken - ich dachte, die Jugend ist entpolitisiert”, zeigt sie sich verständnisvoll.

Und so protestieren Mitglieder des Aachener Streikbündnisses „Bildungsblockaden einreißen!” und andere Gruppen an verschiedenen Orten der Stadt gegen bundesweite Bildungsmissstände: Insgesamt rund 1500 Schüler monieren Kopfnoten, marode Schulgebäude, zu große Klassen und das „Turbo-Abitur”, Studenten wehren sich gegen Studiengebühren und das Bachelor/Master-System.

Zur letzten Gruppe gehört Henning Höfig. Der Physikstudent findet, dass insbesondere „die Individualität leidet”. Die neuen Studiengänge seien mit Verschulung gleichzusetzen, und „das Interesse, den Stoff ernsthaft zu vertiefen, wird wegen der vielen Pflichtveranstaltungen immer geringer”.

„Wir alle fühlen uns durch den Sparkurs bei Kitas, Schulen und Unis unglaublich bestohlen”, sagt Demo-Leiter Henry Isbaner. Es dürfe nicht sein, dass „für Banken und Firmen über Nacht Milliardenbeträge bereitgestellt werden, während am Bildungssystem gespart wird”. Jetzt wollen Schüler wie Studenten „endlich ihren Einzelfrust vom heimischen Schreibtisch auf die Straße bringen”.

Übrigens: Auch in den Klassenräumen der Hauptschule Aretzstraße, vor deren Gebäude eine der drei Kundgebungen stattfand, hätte man an diesem Tag eine Stecknadel fallen hören können. Allerdings nicht, weil sich die Pennäler von Schulleiter Manfred Paul am Streik beteiligten - sie haben die Schulbänke für die Bundesjugendspiele geräumt.

„Wir haben das mit der Schülervertretung im Vorfeld besprochen”, sagt Paul. Nachdem man aber auf die Thematik von Schulschließungen bereits aufmerksam gemacht habe, seien „den Schülern die Bundesjugendspiele wichtiger gewesen”.
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