1500 Johanniter simulieren in Aachen den Ernstfall

Von: Rolf Hohl
Letzte Aktualisierung:
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Die Johanniter trainierten in der Aachener Innenstadt für den Ernstfall. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein junger Mann liegt vor dem Rathaus, sein gebrochenes Schienbein ragt aus dem Unterschenkel. Keine zehn Meter weiter liegt eine Frau, die vom Pferd gestürzt ist – die Verletzungen sind noch nicht näher bestimmt. Was im ersten Moment nach einem unglückseligen Nachmittag auf dem Aachener Marktplatz klingt, war zum Glück nur eine Übung.

Ein Wettbewerb, besser gesagt. Denn die Situationen, in denen über 1500 Johanniter am Samstag ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen mussten, können ihnen auch jederzeit im Ernstfall begegnen. Über die ganze Innenstadt verteilt, galt es für sie in verschiedenen Szenarien richtig und vor allem schnell zu handeln.

Die Erste-Hilfe-Olympiade findet alle zwei Jahre jeweils am Tag der Johanniter statt und ist vielleicht die einzige Olympiade, bei der Doping mit Sicherheit keine Rolle spielt. „Es geht für die Rettungsteams vor allem darum, möglichst schnell eine Diagnose zu stellen und dann die richtigen Hilfsmaßnahmen zu ergreifen“, erklärt Tobias Eilers vom Johanniter-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Die grundlegenden Dinge gilt es dabei für die älteren Profis wie auch für den Nachwuchs zu beachten: Puls fühlen, Atmung überprüfen, Bewusstsein feststellen – dann erst wird gehandelt. Das alles unter den wachsamen Augen der erfahrenen Schiedsrichter.

Störende Gaffer

Unweit des Marktes ist vor dem Couven-Museum eine Bühne eingestürzt. Ein Mädchen blutet aus dem Kopf, ein Mann liegt unter den Trümmern begraben. Diesmal ein Test für die jüngeren ehrenamtlichen Johanniter. „Auch von den 16- bis 18-Jährigen kann man schon einiges erwarten, auch wenn die natürlich noch keinen eigenen Rettungswagen haben“, erklärt Hans von Tiesenhausen, NRW-Landesvorstand der Johanniter.

Dazu kommen bei den Prüfungen – wie bedauerlicherweise auch in der Realität – erschwerende Bedingungen wie betrunkene Partygäste und Gaffer hinzu. Auch damit müssen die Helfer professionell umzugehen wissen. Auch wenn man heutzutage als Rettungssanitäter sehr viel moderne Technik zur Verfügung habe, müsse man sich im Notfall auch anders zu helfen wissen, wie Marius Mainzer sagt, der Vorstand des Johanniter-Regionalverbandes Aachen-Düren-Heinsberg.

Die Nachwuchsretter ab sechs Jahren messen sich derweil noch in Teamaufgaben und üben damit eine der wichtigsten Fähigkeiten der Rettungsteammitglieder: das schnelle und effiziente Zusammenarbeiten. Zum Wettbewerb sind auch Johanniter aus Irland, Polen und Großbritannien angereist.

Mariella von der Burg betreut eines der Nachwuchsteams aus Schülern zwischen acht und zehn Jahren und führt diese durch die Wettkämpfe, wie etwa den Hindernisparcours mit der Trage. Sie gehen es behutsam an, denn der Wassertopf, der darauf platziert ist, sollte möglichst voll im Ziel ankommen. „Das sind unsere Schulsanitäter, und die sind mit ihrem Erste-Hilfe-Rucksack auch in der Pause auf dem Schulhof unterwegs“, sagt die Lehrerin aus Hattingen. Sie stammt selbst aus der Johanniter-Jugend und kennt den Wettbewerb als Teilnehmerin, Schiedsrichterin und Lehrerin.

In Notsituationen lassen sich viele Menschen erst einmal vom Schock lähmen oder halten sich zurück, bei einem Verletzten Hand anzulegen. Ein Problem, das die Schulsanitäter schon von Beginn an vermeiden. „Die ersten, denen sie helfen, sind die eigenen Freunde in der Schule. Dieses Wissen, welches sie dabei erlernen, wenden sie dann auch später an“, erklärt von der Burg. Der Transport mit der Trage klappt schon ganz gut. Keinen einzigen Tropfen haben die acht Gruppenmitglieder verschüttet und kommen unter Jubel über die Ziellinie.

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