Aachen - 1000 Schlangen sind in der Städteregion Aachen gemeldet

1000 Schlangen sind in der Städteregion Aachen gemeldet

Von: Anja Klingbeil
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Wer gefährliche Schlangen wie
Wer gefährliche Schlangen wie etwa eine Kobra hält, sollte sich vorher informieren und einen Sachkundenachweis ablegen, fordern Experten. Foto: imago/imagebroker

Aachen. Malte Hornig ist Schlangenhalter aus Leidenschaft. Seit nunmehr zehn Jahren hat ihn diese Faszination gepackt. Für die Reptilien hat er einen eigenen Raum in seiner Wohnung eingerichtet. Morelia bredli, der Bredls-Python, und Lampropeltis alterna, Königsnattern, haben bei dem Aachener ein Zuhause gefunden.

Hygiene und Verantwortung sind für ihn die obersten Gebote. So greift er nicht von einem Terrarium ins nächste, ohne sich vorher gründlich die Hände desinfiziert zu haben, um eventuelle Krankheiten nicht unter den Schlangen zu verbreiten. Und auch bevor er seine zehn Monate alte Tochter Feline wieder in die Arme schließt, kommt das Desinfektionsmittel zum Einsatz. „Schlangen sind potenzielle Salmonellenüberträger”, sagt Malte Hornig.

Verantwortung für die Tochter

Giftschlangen sind bei ihm nicht zu finden. Das hat vorrangig mit der Verantwortung für seine kleine Tochter zu tun. „Aber ich verstehe jeden, der sich auch diese Arten halten möchte. Das sind einfach faszinierende Tiere”, so der 30-Jährige. Doch sei dazu eben nicht jeder geeignet. Bestes Beispiel: die Kobra-Jagd in Mülheim. Bei der Suche nach der entwichenen Monokel-Kobra, die überaus giftig ist, sind voraussichtlich Kosten im sechsstelligen Bereich entstanden.

Allein der Feuerwehreinsatz wird mit knapp 40.000 Euro beziffert, sagte der Stadtsprecher Volker Wiebels der Nachrichtenagentur ddp. Genau das sei eben die Gefahr, betont Hornig, stellvertretender Vorsitzender der Regionalgruppe Heinsberg/Grenzland in der DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde), wenn sich unerfahrene Menschen ein solches Tier zulegen. Dabei lassen sich Terrarien relativ einfach ausbruchsicher machen: „Dazu braucht man nur ein kleines Schloss, das sich abschließen lässt. So kann nichts passieren”, erklärt Hornig.

Erst während seines Zivildienstes ist der Feinmechaniker mit den Schuppenkriechtieren in Berührung gekommen. „Ich habe jemanden betreut, der Schlangen züchtete, so ist das entstanden”, erzählt Hornig. Es sei einfach interessant, die Tiere zu beobachten, sie großzuziehen. „Zu sehen, wie aus dem kleinen Mini-Wurm eine Schlange wird”, schwärmt er. Der große Boom sei allerdings vorbei. Schlangen und Reptilien liegen nicht mehr so im Trend wie das noch vor einigen Jahren der Fall war, sagt Hornig.

Das bestätigt auch Stefan Lehnhardt, Inhaber eines Zoofachmarktes in Burtscheid: „Der Kuschelfaktor bei Kaninchen und anderen Nagern ist einfach viel größer. Das liegt mehr im Trend als Schlangen.” Zwar sei der Verkauf und die Haltung - auch von giftigen Exemplaren - in Nordrhein-Westfalen erlaubt, doch würden sie kaum in Zoohandlungen verkauft. „Wenn jemand bei uns einbricht und von einer Schlange gebissen wird, dann müssten wir dafür haften”, erklärt Lehnhardt.

Eine generelle Meldepflicht für Giftschlangen gibt es in NRW nicht. Gemeldet werden müssen alle Tiere, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen. Hierunter fallen Tiere, die aufgrund ihrer nur noch minimalen Anzahl zu den bedrohten Tierarten gehören. Das gilt auch für die hier erhältlichen Nach- und Farmzuchten von Schlangen.

Python, Natter, Boa-Arten

1000 Schlangen sind beim Umweltamt der Städteregion Aachen gemeldet. Vom Python bis hin zu Nattern und Boa-Arten. Büchst - wie in Mülheim - eine gefährliche Schlange aus, dann ist in erster Linie die Feuerwehr zuständig, wie Polizei-Pressesprecher Paul Kemen erklärt. Und da ist die Aachener Wehr gut gerüstet: Zwei Feuerwehrmänner sind geschult im Umgang mit Reptilien. „Die wissen genau, wie man eine Schlange fängt und welche Behältnisse man dafür braucht”, betont Michael Huppertz, Lagerdienstführer Feuerwehr Aachen.

Allerdings sei das nicht die Regel. Die Fort- und Weiterbildungen seien auf privater Basis geschehen, weil die beiden Wehrleute auch privat Schlangen halten. Für NRW gibt es zudem noch eine schnelle Eingreiftruppe Reptilien der Berufsfeuerwehr Düsseldorf. Wer für den teuren Einsatz in Mülheim aufkommt, ist noch unklar. „In der Regel ist in solchen Fällen der Halter haftbar zu machen”, sagt Elke Wartmann, Leiterin der Abteilung Allgemeine Ordnungsangelegenheiten der Stadt Aachen.

Ist dieser nicht zahlungsfähig, muss die Kommune die Kosten übernehmen. Auch die Politik hat sich eingeschaltet. Die Grünen haben einen Eilantrag im Landtag gestellt. „Unser Ziel ist es, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die den Umgang mit gefährlichen und exotischen Tieren reglementiert”, betont Reiner Priggen (MdL). Eine solche wünscht sich auch Malte Hornig: „Jeder sollte einen Sachkunde-nachweis machen. Schlangen sind wilde Tiere. Man sollte sie verantwortungsbewusst halten.”
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