Geld Freisteller

1000 Pedelecs für die Aachener Studenten

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
5246819.jpg
In der französischen Hauptstadt bereits fest etabliert, und das nicht nur bei den Einheimischen: das Pedelec-Verleihsystem „Velib“. Neben den Parisern greifen auch viele Touristen gerne zu den einheitlich grau lackierten Elektro-Fahrrädern, um ihre Touren zu erleichtern. Foto: dpa
5246817.jpg
Velocity voranbringen: Angeführt von Nicolas Bognar (2.v.r.) engagieren sich Studenten der RWTH und der Fachhochschule Aachen ehrenamtlich zugunsten des Aufbaus eines Pedelec-Verleihsystems. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es zieht sich, wenn die insgesamt 50.000 eingeschriebenen Aachener Studierenden von einem Hörsaalgebäude zum nächsten oder zur Mensa, von ihrem Institut zum Hauptgebäude oder morgens von ihrer Bleibe in einem der vielen Studentenwohnheime oder den privaten Zimmern zu Vorlesung, Seminar, Bibliothek oder Mittagessen wollen.

 Kreuz und quer über weite Teile der Innenstadt verteilt liegt die Hochschullandschaft, an der RWTH genauso wie an der FH.

Da könnte es bald schon eine wirksame und zudem ökologisch akzeptable Hilfe geben, damit die oft langen Wege deutlich bequemer zurückgelegt werden. Denn genau dieses Ziel hat sich das in Aachen gegründete und ansässige „Europäische Netzwerk für nachhaltige und bezahlbare Elektromobilität“ auf seine Fahnen geschrieben.

Vorsitzender ist ein alter Bekannter dieses zukunftsträchtigen Metiers: Professor Achim Kampker, Geschäftsführer des Elektroauto-Projekts Streetscooter und im Hauptberuf Inhaber des Lehrstuhls für Produktionsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen.

Elektromobilität sichtbar machen

„Wir wollen“, sagt Kampker, „dass die Elektromobilität sichtbar wird in der Stadt.“ Und dies soll nicht allein mit strombetriebenen Autos geschehen, sondern vielmehr auch mit Fahrzeugen auf zwei Rädern – sprich: mit Pedelecs, den „Pedal Electric Cycles“, so deren englische Bezeichnung, oder eben Elektrofahrrädern: Solche Modelle unterstützen den Fahrer lediglich, der selbst auch noch in Pedale treten muss, aber immerhin spürbar weniger als sonst.

Um dieses Thema kräftig anzuschieben, ist das Projekt Velocity ins Leben gerufen worden. Kampker: „Dabei handelt es sich um eine Studenteninitiative zur Einführung eines Verleihsystems für elektrische Fahrräder in Aachen.“

Die entscheidenden Eckdaten von Velocity: Im gesamten Hochschulviertel, aber auch in den Wohnbereichen, an den Bahnhöfen, Bus-Knotenpunkten, Parkhäusern und vielen anderen Stellen sollen zunächst 100 Stationen installiert werden. Dort können die Studenten bei kurzen Strecken kostenlos und sonst für kleines Geld Pedelecs ausleihen. Insgesamt 1000 dieser Fahrzeuge sollen zur Verfügung gestellt werden, lautet die Zielsetzung.

Und wie finanziert sich dieser Betrieb? Den Velocity-Machern schwebt vor, dass die Studenten ähnlich dem Semesterticket eine Registrierungsgebühr von zehn Euro pro Semester bezahlen. Dafür gibt’s neben der bequemen Transporterleichterung ein werthaltiges Zubrot: Jeder Studierende kann bei jeder Tour die ersten 30 Minuten kostenfrei fahren. Ein Smart-Card-System weist die Nutzer an den Verleihstationen entsprechend aus. Am Wunschziel angekommen, können die Studenten die Pedelecs einfach stehen lassen. Und der nächste Nutzer kann sofort zugreifen, falls die Batterien dies entsprechend hergeben. Ansonsten wird halt erst einmal aufgeladen.

Doch nicht nur die Studentenschaft soll dieses Angebot in Anspruch nehmen können. Genauso dürfen die Bürger der Stadt – zu anderen finanziellen Konditionen –zugreifen, wenn sie sich registriert haben, gleichfalls natürlich Touristen und andere Gäste Aachens.

Wo genau die 100 Stationen in­stalliert werden sollen, dies erarbeiten Studierende derzeit in Eigenregie in ihrer Freizeit. Regelmäßig treffen sich die jungen Leute in den Räumen der Streetscooter GmbH an der Hüttenstraße, wo im Augenblick die Serienproduktion von 50 elektrisch betriebenen Zustellfahrzeugen auf der Basis des Streetscooters für die Deutsche Post vorbereitet wird. Bei der Organisation des Velocity-Prozesses haben die Studenten selbst die Federführung, beraten von Professor Kampker und seiner Stellvertreterin Marine Dubrulle. Strategischer Kopf dieser Vorbereitungsphase ist der 23-jährige Maschinenbau-Student Nicolas Bognar mit dem Spezialgebiet Wirtschaftsingenieurwesen. Seine etwa 15 Mitstreiter im Alter von 20 bis 24 Jahren sind Studenten der RWTH und der Fachhochschule Aachen.

Ihre Aufgabe ist anspruchsvoll – zumindest was den selbstgesteckten zeitlichen Rahmen betrifft: Bereits zum Sommersemester 2014, also pünktlich zum Beginn der Fahrradsaison im nächsten Jahr, soll Velocity an den Start gehen und die gesamte Infrastruktur fertig sein.

Streetscooter mit dabei

Dazu zählt nicht nur das Festlegen und Einrichten der 100 Verleihstationen, sondern auch das Bereitstellen der 1000 Fahrzeuge. „Wir haben den Ehrgeiz, die Pedelecs in Eigenregie zu entwickeln, um Kosten zu sparen“, sagt Nicolas Bognar. Dafür sollen die angehenden Maschinenbauer, Wirtschaftsingenieure und Elektrotechniker im jungen Team sorgen. Die Produktion der zweirädrigen Stromer könnte Streetscooter Research übernehmen, sagt Professor Kampker. Dabei setzen die Initiatoren auf die Unterstützung durch Sponsoren, die durch Werbung am Fahrzeug profitieren sollen.

Entsprechende Gespräche seien im Gange, sagt Bognar. Dazu zählen Kontakte zu den Verantwortlichen der Stadtverwaltung, beim Energieversorger Stawag und dem Nahverkehrsunternehmen Aseag.

Es gibt einen klaren Sieger: das Pedelec

Interessantes Datenmaterial haben die Studenten bereits zusammengetragen. Dabei geht es um den Vergleich der Fahrzeiten. In Relation zueinander gesetzt wurde für das Projekt Velocity das Zurücklegen der Wege zwischen zwei Zielen im Hochschulbereich.

Zum Beispiel vom Audimax an der Wüllnerstraße bis zur Universitätsklinik an der Pauwelsstraße in Melaten: Zu Fuß dauert es 37 Minuten, bis das Ziel erreicht ist. Per Linienbus der Aseag sind es immerhin 20 Minuten. Mit dem Fahrrad dauert die Tour 14 Minuten – wobei das Höhenprofil der Strecke mit in die Bewertung einbezogen worden ist. Kaum wesentlich schneller unterwegs ist man mit dem Auto, wobei fünf Minuten fürs Parken (was am Klinikum schon ein echter Glücksfall wäre) berücksichtigt sind: in der Summe zwölf Minuten.

Absoluter Spitzenreiter für diese Strecke zwischen City und dem Uniklinikum nahe der niederländischen Grenze ist das Pedelec: Nur elf Minuten dauert diese stromunterstützte Tour. Und ein Parkplatz – mitsamt Lademöglichkeit – ließe sich demnächst wohl auch vor dem Haupteingang finden.

Leserkommentare

Leserkommentare (11)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.