Zwischen Räumeinsatz und Parkplatznot

Von: Christoph Classen und Karl Stüber
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Wer über Äcker fährt, kommt auch durch Eis und Schnee: Landwirte in Alsdorf haben begonnen, Straßen von der weißen Last zu befreien - wie hier auf dem Ubacher Weg. Foto: Stüber

Nordkreis. Normalerweise lassen sie die Rüben rollen, legen Mieten an oder bewegen Erde. Am Montag stellten sechs Landwirte - fünf aus dem Raum Hoengen, einer aus Kellersberg - ihre mit Lader-Aufsätzen bewehrten Traktoren in den Dienst der Allgemeinheit und räumten in Alsdorf Schnee beiseite.

Priorität hatten zunächst die Hauptein- und -ausfallstraßen wie zum Beispiel der Übacher Weg, auf dem zuvor der Verkehr nur noch einspurig lief, wie Erster Beigeordneter Ralf Kahlen an der „Schneefront” sagte. In einer zweiten Phase sollen auch die Erschließungsstraßen in den Orten möglichst freigeschoben werden. Der Plan, Schnee aus der Stadt ins freie Feld zu schaffen, wurde gekippt. Die weiße Pracht würde an den Ladeflächen festkleben, so Kahlen. „Die Stadt Alsdorf dankt den Landwirten”, betonte er. Für den Einsatz werde es nur eine geringfügig Aufwandsentschädigung, etwa für Diesel, geben.

Größeren Aufwand beschert der Schnee den Mitarbeitern der ambulanten Pflegedienste im Nordkreis. „Das war schon eine Katastrophe”, zieht Martin Franzen eine Zwischenbilanz nach den Feiertagen. Der stellvertretende Pflegedienstleiter des Herzogenrather Pflegedienstes Anna Görres sagt, dass „die Straßen weder geräumt noch gestreut waren” - trotzdem war das Vorankommen noch nicht einmal das größte Problem. Sobald die Mitarbeiter am Ziel angekommen waren, wussten sie nicht, wohin mit ihrem Gefährt. Auf den Parkplätzen türmte sich der Schnee teilweise meterhoch. „Deswegen haben wir die Autos in zweiter Reihe abstellen müssen”, sagt Heike Wacht, stellvertretende Pflegedienstleiterin beim Kreisverband Aachen des Deutschen Roten Kreuzes in Würselen. Dafür hätten aber nur wenige Verständnis gehabt. „Sie dürfen hier nicht stehen”, zitiert Wacht, die über die Weihnachtstage im Einsatz war, einen der meistgehörten Sätze.

Neue Prioritäten

Nur so sei es letztlich aber möglich gewesen, bis zu jedem Patienten durchzudringen. Auch wenn es natürlich länger dauerte als normal. Wacht spricht von Verzögerungen von bis zu zweieinhalb Stunden. Weil der Schnee den Zeitplan durcheinanderwirbelte, wurden die Prioritäten neu gesetzt. Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind, rückten nach oben.

Zum Teil kämpften sich die Pflegedienste auch zu Fuß durch das Schneegestöber, um Arzneien abzuliefern, sagt Diana-Ola Kogbe, stellvertretende Leiterin der Ambulanten Dienste des Diakoniehauses Nord in Baesweiler: „Gerade in den Nebenstraßen ist es schwierig. Da sind viele von unseren Mitarbeitern steckengeblieben.” Was die Lage auf den Straßen angeht, differenziert Wacht: „In Alsdorf war es schlimm, gerade in der Broicher Siedlung. In Baesweiler kam man am besten durch.”

Würselen war für die Pflegedienste ein hartes Pflaster. „Die Stadt soll zukünftig wenigstens die Verbindungsstraßen räumen. Das war bislang nur sehr schlecht oder gar nicht der Fall”, sagt Harry Robroek, Pflegedienstleiter der Caritas in Würselen.

Auch die Feuerwehr ist auf weitgehend freie Wege angewiesen. Ansonsten hätte sie ihren Einsatzort am Safranweg in Alsdorf-Ofden am Sonntagabend gar nicht erreicht. Nachdem die Wehr gegen 17.45 Uhr alarmiert worden war, prüfte ein Statiker des Technischen Hilfswerkes das Flachdach eines Mehrfamilienhauses - und empfahl den 16 Einsatzkräften und Leitung von Markus Dohms einen Räumeinsatz. Der war gegen 21.30 Uhr abgeschlossen, wie Andreas Dovern, Wachabteilungsführer bei der Feuerwehr Alsdorf, auf Anfrage mitteilte. Viele Flocken wird die Beseitigung des Schnees den Hausbesitzer nicht kosten. Dovern: „Das war im Sinne der Gefahrenabwehr.”
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