„Zwischen Chanel und Che Guevara“

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Gastiert in Alsdorf: die deutsch-iranische Komikerin Enissa Amani. Foto: Stephan Pick

Alsdorf. Die deutsch-iranische Komikerin, Schauspielerin und Moderatorin Enissa Amani tritt am Freitag, 30. September, in der Stadthalle Alsdorf mit ihrem aktuellen Programm „Zwischen Chanel und Che Guevara“ auf. In einem Interview mit unserer Zeitung spricht sie unter anderem über die Bedeutung des Programmtitels, ihre Ankunft als Flüchtling in Deutschland und zukünftige Projekte.

Sie sind zurzeit mit Ihrem 1. Soloprogramm „Zwischen Chanel und Che Guevara“ auf Tour. Wie kamen Sie auf diesen Titel? Spielen Sie damit ein Stück weit auf Ihr eigenes Leben an?

Amani: Der Titel beschreibt mein Leben ganz gut, er sollte die unterschiedlichen, teilweise widersprüchlichen Einflüsse in meinem Leben deutlich machen. Vor allem die sozialistische Prägung durch meine Eltern und dann aber meine eigene Liebe zu den materiellen Verlockungen dieser Welt. Mein Leben war geprägt von paradoxen Einflüssen, und von allem ist auch etwas in mir drin.

Der Wunsch, Gutes zu tun, zu Veränderung beizutragen, ist manchmal eben genauso groß wie der Wunsch nach den neuesten Designerschuhen. Von diesen Ketten sind wir alle nicht ganz frei, aber jeder ist anders gebunden. In meinem Programm nehme ich die Zuschauer mit auf eben diese Reise und freue mich, dass sie mich dabei so gut verstehen und auch noch herzlich darüber lachen können, weil sie sich selbst darin finden.

In Ihrer Show „Studio Amani“, die dieses Jahr bei ProSieben ausgestrahlt wurde, haben Sie oft das Thema Vorurteile angesprochen. Werden Sie selbst in Ihrem Alltag oft mit Vorurteilen konfrontiert?

Amani: Natürlich habe ich wie jeder Mensch mit Vorurteilen zu kämpfen. Wir alle werden in Schubladen gesteckt. Vielleicht, weil wir zu groß sind oder zu klein, zu dick, zu dünn, zu dunkel, zu hell oder irgendwas anderes. Jeder Mensch löst bei seinem Gegenüber gewisse Assoziationen aus.

Ich werde oft in eine Püppchen-Schublade gesteckt, dabei liegt mir charakterlich nichts ferner als das. Ja, ich habe ein Faible für Mode, dennoch ist mir ein inhaltlicher Anspruch immer das erste Ziel gewesen und vor allem Ehrlichkeit und Authentizität.

Sie haben Jura und Literatur studiert, aber auch erfolgreich an Schönheitswettbewerben teilgenommen und für den Sender QVC Kleidung präsentiert. Die Presse bezeichnet Sie deshalb als „Vollblut-Tussi mit Grips“. Sehen Sie sich selbst auch so?

Amani: Ich glaube, das beschreibt es ganz gut, viele unterschiedliche Facetten, von denen ich glaube, dass sie jeder Mensch hat... Ich freue mich, wenn ich Menschen dazu motiviere, ihre verschiedenen Facetten auszuleben, auch wenn es manchmal oberflächlich so erscheint, als würde sich das widersprechen. Aber wer so denkt, hat vielleicht sich selbst noch nicht erkannt.

Sie sind im Iran geboren. Ihre Eltern wurden dort politisch verfolgt und deshalb ist Ihre Familie, als sie noch ein Kind waren, nach Deutschland geflohen. Wie haben Sie die Ankunft hier erlebt? Wie fühlt es sich an, plötzlich in einem fremden Land zu leben?

Amani: Ich habe Deutschland immer als meine Heimat gesehen und wenig Rassismus erlebt. Aber klar habe ich als kleines Mädchen erkannt, dass wir anders aussehen und dass es da auch noch Wurzeln gibt, die mir sehr wichtig sind. Ich versuche heute, aus diesem Quellenreichtum zu schöpfen, zwei Kulturen zu kennen und zu lieben und davon auch meinen Zuschauern zu erzählen.

Meine Shows sind so wunderbar gemischt. Ich spiele in 2000 Hallen, in denen sitzt die 92-jährige Elfriede neben dem 14-jährigen Ömer, da sitzt der CSU-Wähler neben Linksalternativen, und alle finden sich in meinen Geschichten und Sorgen wieder und alle kommen zu meiner Autogrammstunde. Das alles macht mich unfassbar stolz. Es ist eine unglaubliche Ehre, solche Zuschauer zu haben, die aus unterschiedlichen „Schubladen“ kommen.

Im letzten Jahr haben Sie bei der RTL-Show Let’s Dance teilgenommen und dort den 4. Platz belegt. Sie haben bei Fuck Ju Göhte 2 und Alarm für Cobra 11 mitgespielt. Welche Projekte stehen als nächstes auf dem Programm?

Amani: Ich bin gerade im Kino in dem Film „SMS für dich“ zu sehen. Es ist das Regiedebüt der wunderbaren Karoline Herfurth, und sie hat mich persönlich gefragt, und ich bin unglaublich stolz darauf. Im kommenden Jahr freue ich mich auf ein Filmprojekt mit Ali Samadi Ahadi, ein wunderbarer Mensch und grandioser Regisseur.

Das heißt, ja, es gibt mehr Film, aber auch wieder Fernsehen. Noch in diesem Jahr bin ich wieder im TV und freue mich sehr auf den Mix von Stand-up und Film. Eine ganz besondere Liebe für mich ist mein Buch, an dem ich noch schreibe und das beim Rowohlt Verlag erscheint.

Es wird ein Mix aus Zeitsprüngen zwischen der Generation meiner Großeltern, meiner Eltern und mir und Geschichten aus meinem Alltag, zwischen all diesen Einflüssen... Ich schreibe regelmäßig Texte auf meiner Facebook-Seite und freue mich, dass mich meine lieben Follower auch immer nach mehr Texten fragen...

Jetzt kommt bald das Buch. Ich habe den großartigsten Verlag der Welt erwischt, an dieser Stelle liebe Grüße an meine tolle Lektorin Susanne. Nicht zu vergessen meine Live-Tour: Ich bin ab dem 30. September deutschlandweit auf vielen Bühnen unterwegs und kann es nicht abwarten.

 

Tickets sind ab sofort erhältlich im Medienhaus Aachen, Dresdener Straße 3, und beim Kundenservice des Medienhauses, im Elisenbrunnen, Friedrich-Wilhelm-Platz 2, Aachen.

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