Herzogenrath - Zwei Männer und ihr Traum vom Boot

Zwei Männer und ihr Traum vom Boot

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
9807276.jpg
Die Idee zum gemeinsamen Bootsbau hatten die Schulfreunde Hans-Peter Hilgers (l.) und Mehmet Taylan schon 1993. Foto: Markus Bienwald
9807910.jpg
Luftschiff: Das Boot hielt, entgegen der Befürchtungen mancher Zuschauer, auch nach der beinahe ewig langen Standzeit, dem Transport per Autokran bestens stand. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Wenn jemand Felix Eck gefragt hat, wo er wohnt, brauchte er dem Ortskundigen meist nur zu sagen „am Boot in Kohlscheid“, schon wusste jeder Bescheid. „Das ist schon so etwas wie ein Denkmal“, sagt Eck, der sich nun aber daran gewöhnen muss, dass das Boot nicht mehr als markante Landmarke herhalten kann.

Denn das Boot ist endlich auf dem Weg zur Vollendung. Und das hat es wieder einmal den beiden „geistigen Vätern“ des hölzernen Monuments zu verdanken. „Wir haben mit dem Bau 1993 angefangen“, berichtet Mehmet Taylan. Doch das ist eigentlich etwas zu kurz gesprungen, denn die Geschichte des mittlerweile in silbernen Ehren ergrauten Bauwerks aus ausgesuchten Hölzern beginnt schon in der Schule, in der sich Taylan und der heutige Tischlermeister Hans-Peter Hilgers kennenlernten. Beide wurden Handwerker, während Hilgers sich für Holz entschied, schlug Taylan den Weg zum Elektriker ein.

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Doch diesen Weg verließ er für die große Liebe zu Schiffen. „Später bin ich Bootsbauer geworden“, berichtet der heute mit Firmensitz in Istanbul tätige Mann. Während seine Zigarette beinah unablässig qualmt, setzt er die Geschichte des Bootes, das seit seiner Kiellegung vor 22 Jahren noch keinen Handbreit Wasser unter dem Eichenkiel hatte, fort. „Hans-Peter kam auf mich zu, und fragte mich, ob ich ihm nicht ein Boot bauen könne“, sagt Taylan. Er konnte, brachte aber statt des eigentlich sieben Meter langen Eichenbalkens einen von elf Metern Länge mit. Und so begann die Geschichte von dem wohl bekanntesten Wassergefährt in Kohlscheid.

„Das war eindeutig zu lang und passte nicht in die Halle“, erzählt ein verschmitzt dreinblickender Mehmet Taylan. Kurzerhand wurde draußen der Anfang gemacht. „Es war einfach zu schade, den Balken zu kürzen“, findet Taylan. Immer, wenn der Mann aus der Türkei in der Gegend war, wurde weitergebaut. „Ich habe sogar Material aus der Türkei anliefern lassen“, sagt er und zeigt stolz auf die glänzende Edelstahl-Reling. „Die Schiffsschraube ist natürlich aus Bronze, die habe ich selbst im Flugzeug mitgebracht“, berichtet Taylan, „da haben die am Flughafen aber ganz schön komisch aus der Wäsche geguckt“.

Das war vor einiger Zeit und inzwischen hat das Boot von Hilgers ein ganz eigenes Leben bekommen. Nicht, dass es irgendwann einmal zu Wasser gelassen wurde, nein, es wurde zu einer Art Wahrzeichen des Handwerksbetriebes in der Carl-Hiltl-Straße. Damit war nun schlagartig Schluss. Denn dank eines befreundeten Transportunternehmens aus den Niederlanden, das einen mit mehr als 500 PS starker Zugmaschine ausgestatteten Spezialtransporter zur Verfügung stellte und einem nur unbedeutend schwächeren, dafür umso eindrucksvoller arbeitenden Autokran, ist das Boot nun endlich näher ans Wasser gekommen. „Das Boot ist auf dem Weg nach Maasbracht“, sagt Hans-Peter Hilgers am Ende der Verladeaktion, die mit seinen Leuten, weiteren Helfern und natürlich seinem türkischen Schiffsbauerfreund nur rund 90 Minuten dauerte.

Während die Nachbarn, von denen einige übrigens der festen Überzeugung waren, das Boot stehe schon seit 1989 an Ort und Stelle, bunte Ostereier in Bäume hingen und ihr Auto vor den Feiertagen säuberten und den ganz speziellen Schiffsverkehr auf Video festhielten, wurde die lange Trockenzeit des Bootes, das übriges noch keinen Namen hat, auf nur noch kurze Zeit verkürzt. „Ich denke, dass wir in acht Wochen wassern können“, zeigt sich Taylan optimistisch.

Diejenigen, die angesichts des sechs Tonnen schweren Bootes Standschäden vermutet hatten und um ein Auseinanderbrechen der Kohlscheider Sehenswürdigkeit bangten, wurden angenehm überrascht. Alles hielt, nichts knirschte. Auch der Wind, der in den Tagen davor sicherlich zu stark gewesen wäre, hielt sich zurück.

So kann unter fachmännischer Leitung das Boot seinen Weg in die Niederlande antreten. „Jetzt kriegt es noch die nötige Lackierung und natürlich den Innenausbau, Motor und Feinschliff“, fasst Mehmet Taylan die anstehenden Arbeiten zusammen. Wie er sich denn fühlt, dass das Boot nun mit dem letzten Hupen des Spezialtransporters nach der Abfahrt vom Grundstück verschwunden sei, kann Hans-Peter Hilgers nicht so recht in Worte fassen. „Ich bin erleichtert“, sagt er und hofft, dass die Odyssee auf dem Trockenen nun bald ein ebenso feuchtes wie glückliches Ende nimmt.

Für die Jungfernfahrt, die auf der Maas stattfinden soll, ist sicherlich schon die passende Flasche Champagner zur Taufe ausgesucht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert