Zwei Jahre nach dem Rauchverbot: Der Ärger ist noch da

Von: Annika Kasties und Valerie Barsig
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Immer noch unzufrieden: Auch nach zwei Jahren Nichtraucherschutzgesetz sind viele Kneipenbesitzer im Nordkreis gegen das Rauchverbot. Sie sagen, dass ihnen etwa 20 bis 30 Prozent Umsatz durch das Gesetz entgehe. Foto: dpa/Conny Stenzel-Zenner

Nordkreis. Kein blauer Dunst mehr: Seit zwei Jahren gilt das Rauchverbot in NRW. Kurz vor dem Inkrafttreten protestierten vor allem Kneipenbesitzer gegen das Gesetz, das möglicherweise ihre Existenz kosten könnte.

Anwohner fürchteten vor allem mehr Lärm durch Raucher, die vor den Kneipen ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen würden. Heute, zwei Jahre später, sind zwar viele Bedenken abgeflaut, aber der Ärger ist noch da.

Zum Beispiel unter den Kneipenbesitzern in Baesweiler. Sie klagen noch immer über Umsatzrückgänge. So wie Matthias Keller vom „Pub Gut Driesch“. Er spürt das Rauchverbot – rund 30 Prozent seien die Einnahmen gesunken. Er findet das Verbot nur wenig sinnvoll. Das geht nicht nur ihm so, sondern auch seinen Gästen: „Sie sind überwiegend Raucher. Die sind auch nach zwei Jahren noch unzufrieden über das Verbot“, sagt er. Laut Keller haben auch viele andere Kneipen in Baesweiler Probleme.

Auch Elke Jakoby. Ihre Gaststätte „Zum alten Brauhaus“ schließt Ende Juni. Seit Einführung des Raucherschutzgesetzes blieben ihre Gäste zunehmend zu Hause – und das trotz ihrer Idee, in ihrer Gaststätte eine „Raucherklappe“ zu installieren.

Und Pierre Froesch, Leiter des Ordnungsamtes in Baesweiler, hatte zwar anfangs Bedenken, dass ihn viele Anwohnerbeschwerden wegen Lärms erreichen würden. „Das hat sich allerdings nicht bestätigt.“

Fairen Wettbewerb im Blick

In Baesweiler habe man ohnehin früh auf eine gute Zusammenarbeit mit den Kneipenwirten gesetzt. „Wir mussten deutlich machen, dass das Gesetz vom Land kommt und keine Idee ist, die aus Baesweiler stammt.“ Das scheint gut funktioniert zu haben: In den letzten zwei Jahren musste die Stadt nur fünfmal ein Bußgeld wegen unerlaubten Rauchens in einer Kneipe verhängen. Froesch spricht von der klassischen Handvoll Unbelehrbarer.

Immer mal wieder gebe es auch anonyme Hinweise auf unerlaubtes Rauchen. Das Ordnungsamt Baesweiler nehme deshalb abends stichprobenartig Kontrollen vor, gerade dann, wenn jemand einen Hinweis gegeben habe. „Das müssen wir machen, damit zwischen den Gastronomiebetreibern ein fairer Wettbewerb herrscht. Wir können nicht durchgehen lassen, wenn ein Wirt in seiner Kneipe den Gästen das Rauchen erlaubt.“

Trotzdem: Pierre Froesch ist froh, dass die Kommunikation zwischen Kneipen und Ordnungsamt gut klappt:„In Baesweiler läuft die Durchsetzung des Verbots recht gut“, sagt er. „In der Stadt sieht das vermutlich anders aus.“

Ein bis zwei Bier weniger

Sonja Ophoven vom „Schaufenberger Eck“ in Alsdorf hat sich inzwischen an das Rauchverbot in ihrer Kneipe gewöhnt. „Wir sind hier allerdings in einer komfortablen Lage“, sagt sie. Denn: Ihre Kneipe hat eine Terrasse. Dort konnte im Winter unter einem Pavillon geraucht werden, ohne dass es Probleme mit dem Ordnungsamt gab. Und im Sommer ist Rauchen draußen erlaubt. „Das ist für uns die angenehmere Jahreszeit“, sagt Ophoven.

Aber auch bei ihr wirkt sich das Verbot auf den Umsatz aus. Denn in der Zeit, in der die Raucher im Winter draußen stehen, wird weniger Bier bestellt. „In der Zeit habe ich früher drei Bier verkauft, heute sind es ein bis zwei weniger“, sagt sie.

Wer das Rauchverbot umgehen wolle, könne das problemlos. „Es ist ein offenes Geheimnis, wo man trotzdem rauchen darf“, sagt Ophoven. „Da überlegen die Gäste schon, ob sie lieber dorthin gehen.“

In Alsdorf wird im Gegensatz zu den anderen Städten im Nordkreis nicht nur stichprobenartig, sondern regelmäßig am Wochenende kontrolliert. „Im Sommer wird außerdem mehr aufgepasst, als im Winter“, sagt Frank Dohms vom Ordnungsamt. Die meisten Gaststättenbetreiber hätten sich inzwischen mit dem Rauchverbot abgefunden. „Wir hätten mit mehr Verstößen gerechnet“, sagt Dohms.

Ingesamt hielten sich die Beschwerden in einem guten Rahmen. Anfangs machten in der Stadt vor allem Zigarettenstummel Probleme: Nämlich die, die die Raucher hinterließen, die zum Rauchen auf die Straße mussten. Das habe sich inzwischen allerdings gebessert.

Auch in Würselen scheint die Umsetzung des Rauchverbots zu klappen. „Im vergangenen Jahr hat es drei Beschwerden gegeben“, sagt Bernd Schaffrath von der Stadt. Regelmäßig wird in der Stadt allerdings nicht kontrolliert – nur dann, wenn Beschwerden eingehen.

Beschweren würde sich Dieter Uecker vom „Hendriks“ in Würselen gern. Für seine Kneipe, in der man kegeln kann und in der gewürfelt werde, sei das Gesetz Gift. Rund 20 Prozent Einbußen müsse pro Jahr in Kauf nehmen. Nichtraucherschutzgesetz, aber auch Mindestlohn und steigende Bierpreise seien dafür verantwortlich.

„Meine Gäste sind genervt“, sagt Uecker. Das habe sich in zwei Jahren nicht geändert. Niemand habe sich an das Gesetz gewöhnt. „Wenn bei mir gekegelt wird, müssen nach 20 Minuten die ersten nach draußen.“ Und irgendwann würden die Leute eben gleich zu Hause bleiben und dort ihr Bier trinken.

Dass in öffentlichen Gebäuden nicht geraucht werden darf, ist für Uecker verständlich. Dass allerdings auch Kneipen, in denen kein Essen serviert wird, betroffen sind, kann er nicht verstehen: „Es bleibt eine Bevormundung der Bürger.“

Schwer zu erwischen

In Herzogenrath läuft es laut Angaben der Stadt ebenfalls problemlos mit dem Nichtraucherschutzgesetz. Ein Problem zeigt Pressesprecherin Petra Baur auf Anfrage unserer Zeitung jedoch auf: „In der Regel erfolgen Anzeigen durch Bürger und Mitbewerber, weil das Rauchen laut den Anzeigenerstattern erst in den späten Abendstunden und am Wochenende zugelassen wird. Und dann sind weder das Ordnungsamt besetzt, noch der Bürger- und Präsenzdienst im Dienst.“ Im Klartext: Wer gegen das Rauchverbot verstößt, ist schwer in flagranti zu erwischen.

Das bestätigt ein Kneipenbesitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er sagt, allein in Kohlscheid gebe es nur zwei Kneipen, die sich ans Nichtraucherschutzgesetz halten. „Ich greife knallhart durch“, sagt er. Trotzdem spüre er gerade im Winter Umsatzeinbußen. Etwa 20 Prozent weniger Verdienst mache das Rauchverbot aus.

Bisher nur eine Abmahnung

Die Kontrollen des Ordnungsamts hält er für wenig effektiv. „Das Ordnungsamt war höchstens zwei- oder dreimal bei uns – seit zwei Jahren.“ Es sei ein offenes Geheimnis, in welchen Kneipen ab elf Uhr die Rollläden runtergingen, hinter denen heimlich geraucht werde. Dass es schwarze Schafe gebe, findet er nicht in Ordnung. „Das ist einfach nicht fair denen gegenüber, die sich ans Verbot halten.“ Außerdem mutmaßt er: Beamte und Kneipenbesitzer würden sich kennen, daher gebe es lediglich Abmahnungen, aber keine Bußgeldbescheide.

Diesem Klüngel-Vorwurf widerspricht Hartmut Fries vom Ordnungsamt Herzogenrath entschieden. Ebenso dem Vorwurf, dass kein Bußgeld verhängt werde. „Eine Abmahnung ist das letzte Mittel, bevor einer Kneipe die Konzession entzogen wird“, sagt er. Und diese werde in der Regel als letzte Warnung nach mehrfachen Bußgeldbescheiden ausgesprochen. In Herzogenrath sei das bisher einmal der Fall gewesen. In der betroffenen Kneipe ist es seitdem bei vier Bußgeldern und der Abmahnung geblieben.

Auch zwei Jahre nach Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes haben sich die Kneipier-Gemüter keinesfalls beruhigt. Dieter Uecker vom „Hendriks“ stellt klar: „Das Gesetz ist so einfach nicht akzeptabel und nicht durchführbar. Wenn es nach mir geht, kann man es auch wieder abschaffen.“

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