Alsdorf - Zwei Alsdorfer erleichtern Flüchtlingen das Sehen

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Zwei Alsdorfer erleichtern Flüchtlingen das Sehen

Von: Verena Müller
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Brillenanprobe: Die Augenoptikerin Petra Grützmacher versorgt Flüchtlingskinder kostenlos mit Brillen. Auf die Idee gebracht hat sie Augenarzt Stefan Conrads, der ebenfalls in Alsdorf ansässig ist. Foto: Verena Müller
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Augenarzt Stefan Conrads aus Alsdorf ist Initiator des Angebots. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Der Zufall war es, der das Weltgeschehen zu Stefan Conrads und ihn auf die Idee brachte, Gutes zu tun. Über drei Ecken war ein junger Mann in Conrads‘ Augenarztpraxis gelandet, der wegen einer Schussverletzung behandelt werden musste. Andere Augenärzte hatten ihn abgelehnt.

Wie Conrads erfuhr, war der Mann über Libyen und Griechenland nach Deutschland geflohen. Auf dem Fluchtweg erstversorgt, aber dringend auf medizinische Hilfe angewiesen. „Nachdem ich ihn untersucht hatte, habe ich mir die Frage gestellt, ob nicht in den Flüchtlingslagern Bedarf besteht“, erzählt Conrads in seiner luxuriös wirkenden Alsdorfer Praxis. Hier werden nicht nur der Augeninnendruck und Sehschärfen gemessen, sondern auch „ästhetische Anwendungen“ angeboten: Botoxbehandlungen, Schlupflidstraffungen.

„Man sitzt abends zu Hause auf dem Sofa und sieht diese schrecklichen Nachrichten – man denkt, das sei alles weit, weit weg, dabei befinden sich Flüchtlingslager direkt vor unser Haustür“, sagt Conrads. Also bat er Anja Junk, Kontaktlinsenspezialistin in seiner Praxis, die Lager in der Region mit der Nachricht anzurufen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kostenlos zu untersuchen. Und Conrads hatte recht. Es bestand Bedarf.

Seit Anfang Juli sind rund 15 Flüchtlinge von ihren Betreuern in die Cäcilienstraße gebracht worden. Aus Eritrea, Syrien, Palästina. Die Verständigung läuft auf Englisch, und Worte fehlen, helfen Kinderbilder, Hände und Füße. „Man merkt, dass die Kinder sehr wissbegierig sind“, sagt Conrads.

Von ihren Erlebnissen vor und während der Flucht bekäme man nur wenig mit. „Es mögen sich viele schlimme, schlimme Geschichten hinter diesen Menschen verbergen, derer man nicht gewahr wird“, sagt der 58-Jährige. Und er sei froh, wenn er einen bescheidenen Beitrag dazu leisten könne, ihnen das Leben etwas leichter zu machen.

Das Feststellen einer Sehschwäche kann da nur der erste Schritt sein, eine Brille ist der zweite. Und an der Stelle kommt Petra Grützmacher von Augenoptik und Hörgeräte Alo Kramer ins Spiel. Conrads und Grützmacher kennen sich schon lange, der eine hat seine Praxis seit 1989 in Alsdorf, die andere ist seit 1991 in der Stadt Optikerin.

„Stefan Conrads hat bei mir angerufen und gesagt, er habe da eine Idee, die sei aber noch ausbaufähig“, erzählt Petra Grützmacher. „Ich war sofort begeistert.“ Aus ihrer beruflichen Erfahrung heraus wisse sie, was es bedeute, wenn Menschen schlecht sehen und hören können. „Und gerade bei Kindern und Jugendlichen, die die Schule besuchen und erkennen können müssen, was an der Tafel steht, ist gutes Sehen wichtig“, so die 55-Jährige. „Den Alltag dieser Menschen zu erleichtern“, das sei auch ihr Ziel. „Die Kinder, die hier waren, waren sehr still“, sagt sie. Ein junges Mädchen aus Ägypten sei schwanger gewesen. Genaueres wisse sie aber nicht.

Wenn sie die Flüchtlinge vor sich habe, müsse sie immer daran denken, dass auch ihre eigene Familie fliehen musste, damals, im Zweiten Weltkrieg, über das Haff. „Auch meine Familie hat Abweisung kennengelernt“, sagt sie, „und die Kinder können am allerwenigsten für ihre Lebensumstände.“ Beide, Conrads und Grützmacher, haben auf Medienberichte bereits unzählige positive Reaktionen erhalten: Ein Optiker aus Bremen will es ihnen gleich tun, andere Menschen wollen Brillengestelle spenden oder bezeugen nur ihre Begeisterung für den Einsatz. Eine schöne Bestärkung für eine gute Idee.

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