Alsdorf - Zurück nach Japan: „Was erwartet mich?”

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Zurück nach Japan: „Was erwartet mich?”

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Japan ist hier überall: Ihr Zimmer hat Marie Krause (r.) mit Manga-Postern und Fotos von japanischen Bands und Schauspielern dekoriert. Auf der Bettwäsche grüßt Anime-Figur „Sailor Moon”. Da muss sich Besucherin Marika Ogi einfach heimisch fühlen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Draußen hinter dem Fenster liegt der Mariadorfer Südpark. Doch davor grüßt ganz klar Japan. In dem Zimmer von Marie Krause reihen sich die bändeweise Manga-Comics im Regal, hängen Poster von fernöstlichen Boybands an der Wand und zieren Anime-Zeichentrickstars T-Shirts, Socken und Bettwäsche.

Jeder kann es sehen: Die 19-Jährige liebt das Land und dessen Popkultur. Ein Jahr lang hat die Deutsche in Tokio als Austauschschülerin gelebt. Sie hat die Sprache erlernt und sich in die Menschen verliebt. Auch ihre japanische Freundin Marika Ogi hat sie dort kennengelernt. Die ist derzeit zu Gast bei ihr in Deutschland. Unbeschwerte, vergnügte vier Wochen hätten es werden sollen.

Bilder des Schreckens

Doch dann kamen das Erdbeben und der Tsunami, kam die Angst vor der nuklearen Katastrophe. Am Sonntag fliegt Marika Ogi zurück in ihre Heimat. Und die Angst davor wächst. „Was erwartet mich dort?”

Mittlerweile läuft der Fernseher bei den Krauses nicht mehr rund um die Uhr. An den Tagen nach der Katastrophe war das anders. Immer wieder haben die beiden jungen Frauen entsetzt verfolgt, welche neuen Bilder aus den Katastrophengebieten auftauchten. Marie hat Marika die Berichte übersetzt, Deutsch spricht die 19-jährige Japanerin nämlich nicht. Am Tag des Bebens hatte Marika vergeblich versucht, die Eltern in Tokio zu erreichen. Das Mobilfunk-Netz war lahmgelegt, der Strom zeitweise abgeschaltet.

Aufenthalt verlängert

Erst viele Stunden später gelang endlich der Kontakt: „Kind, es geht uns gut! Aber versuche, möglichst lange in Deutschland zu bleiben. Niemand weiß hier, was noch passieren wird.”

Um eine Woche hat Marika ihren Aufenthalt bereits verlängert. Nun muss sie zurück, ihre Semesterferien enden bald. Die Normalität soll weitergehen. Doch kann sie das überhaupt? Marika hat große Angst davor zu sehen, wie schlimm die Lage in der 37-Millionen-Metropole ist. Die Furcht vor der Strahlung, vor unbrauchbarem Trinkwasser, die die Menschen dort umtreibt. „Bislang gab es in Japan eigentlich keinen Protest gegen die Nutzung von Atomenergie”, sagt sie. „Das kann jetzt anders werden - aber Japan ist doch abhängig geworden von der Atomenergie.” Atomkraftwerk - dieses Wort kannte Marie Krause zuvor nicht auf Japanisch. „Genshiryokuhatsudensho” heißt es, sie hat es in den vergangenen Tagen oft benutzen müssen.

Auch sie hat Angst. Nicht nur um Marika. Sondern um die eigene Zukunft. Im Sommer wollte sie zurück nach Tokio. Ein Studium dort beginnen, Filmwissenschaften. Ob das noch klappt? „Ich hoffe es sehr, es ist mein Traum. Aber das Beben hat einfach alles verändert.”
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