Zur Familienfreundlichkeit fehlt Alsdorf ein Stück

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
5360447.jpg
Das ferne Ziel: Alsdorfer Leitbild 2021. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Familienfreundlich zu sein, schreibt sich jede Kommune gerne auf die Fahnen. Die Alsdorfer Stadtverantwortlichen müssen aber wohl noch mal ran, wenn sie weiterhin Alsdorf als ausgesprochen familienfreundlich in der Städteregion positionieren wollen.

Als solche sieht Bürgermeister Alfred Sonders sein Alsdorf nämlich sehr gerne, betont das Rundum-Angebot, besonders das Wohnumfeld und die Bildung vom Kindergarten bis zum qualifizierten Schulabschluss. Das mag stimmen, aber: Was Antje Rüters vom Amt für Kultur und Empirische Forschung der Städteregion Aachen aus einer von ihrer Behörde initiierten Familienbefragung dem jüngsten Jugendhilfeausschuss in einem Vortrag mitzuteilen hatte, lässt nämlich nur einen Schluss zu: Es muss nachjustiert werden in Sachen Familienpolitik. Die neun Handlungsfelder im „Leitbild Stadt Alsdorf 2021“ müssen noch mehr beackert werden.

Befragt wurden in der Studie in der gesamten Städteregion nach einem Zufallsprinzip 7544 Familien mit Kindern unter 18 Jahren. Insgesamt konnte ein Rücklauf der Fragebögen von 36 Prozent (2706) erzielt werden, was Antje Rüters als sehr gutes Ergebnis wertet: „Da es sich um eine statistisch repräsentative Stichprobe handelt, kann mit diesen Angaben die Familienstruktur der untersuchten Städte und Gemeinden abgebildet werden.“

Kein klassisches Familienbild

Zunächst stellte Antje Rüters dar, dass man das „klassische Familienbild“ nicht mehr als Norm heranziehen dürfe: „Das Konstrukt Familie hat sich gewandelt: Es gibt Patchworkfamilien, Ein-Eltern-Familien oder Familien mit Migrationshintergrund. Eltern haben nicht nur Verantwortung für ihre Kinder, sondern häufig auch für hilfe- und pflegebedürftige Angehörige. Oftmals sind auch beide Eltern erwerbstätig.“ Dies müsse man bei den Bedürfnissen und Erwartungen von Familien berücksichtigen.

In Alsdorf liegt der Anteil der Alleinerziehenden mit 16 Prozent nur leicht über dem städteregionalen Durchschnitt von 15 Prozent. Allerdings ist die Zahl der Familien mit Migrationshintergrund mit 30 Prozent deutlich über dem Durchschnitt von 23 Prozent in der Städteregion. Was besonders frappierend ist: 33 Prozent der Alsdorfer Familien liegen mit einem Einkommen von unter 750 Euro nahe oder unterhalb der Armutsgrenze, die bei 698 Euro (OECD-Skala). In der Städteregion toppt lediglich Baesweiler mit 35 Prozent diesen Negativ-Indikator. Allerdings ist Alsdorf mit einem durchschnittlichen Einkommen von 973 Euro auf alle Alsdorfer bezogen deutliches Schlusslicht. In der Städteregion liegt es bei 1120 Euro.

So sagen die Umfrageergebnisse aus, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familien in Alsdorf besonders prekär sind. Besonders für Nachhilfe, Hausaufgabenhilfe und Kurse für Kinder fehle das Geld. Was das bei steigenden schulischen Anforderungen bedeutet, ist kaum interpretationswürdig. Auch für Kinderkleidung und Lebensmittel fehlt in vielen Haushalten der Stadt „Voller Energie“ das Geld. Im städteregionalen Vergleich haben Familien mit Grundschulkindern in Alsdorf besonders große Pro-bleme bei den Kosten für Schulunternehmungen, Schulmaterial, für den offenen Ganztagsbetrieb, das Mittagessen. In allen Punkten liegt Alsdorf deutlich über dem Schnitt im Vergleich zu anderen Kommunen.

Relativ gut schneidet die Energie-Stadt zum Thema Lebensraum ab: 67 Prozent der Alsdorfer Familien sind mit ihrem Wohnumfeld zufrieden oder sehr zufrieden. Und: Jede vierte Familie sieht eine ausreichende Berücksichtigung der Bedürfnisse von Familien bei der Stadtplanung gegeben, der Rest nicht oder kann das nicht beurteilen...

Informationsfluss ausbaufähig

Als positiv werden die Einkaufsmöglichkeiten, die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die fußläufige Erreichbarkeit von Ärzten oder Geschäften gewertet, ausbaufähig seien hingegen Treffpunkte für ältere Kinder und Jugendliche, Spielplätze für kleinere Kinder, Grünflächen und – der Ruf der Gegend. Und noch etwas zum Nachjustieren: Nur jede vierte Familie bewertet das Freizeitangebot für Kinder positiv, nur für 37 Prozent der Familien ist das Vereinsleben attraktiv und weniger als die Hälfte (42 Prozent) erleben Alsdorf als kinderfreundlich. Auch der Informationsfluss ist ausbaufähig, besagt die Studie: Nur jede vierte Familie fühlt sich über die familienspezifischen Angebote der Kommune gut informiert.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert