Herzogenrath - Zur alten Linde gesellt sich eine Eiche

Zur alten Linde gesellt sich eine Eiche

Von: Beatrix Oprée
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Geschlossener Vierkanthof: der
Geschlossener Vierkanthof: der ehemalige Fuhrmannshof. Im vorderen Haus war einst das Bürgermeisterzimmer, auf Höhe der Einmündung zum Lörschpülgen der „Fuhrmannspool”, ein Weiher.

Herzogenrath. Die dicke rostige Eisenkette um den Stamm ist ein Relikt vergangener Zeiten. Nägel und Stacheldraht wurden in ihre dicke Rinde geschlagen, ein Maschendrahtzaun ist daran befestigt, einschnürende Drähte sind ins Holz eingewachsen.

„Der Baum hat einiges mitgemacht - und überstanden”, streichen Horst Erdtmann und Hans Raida sanft über die knorrigen Rillen und Wülste. „Gerade deswegen hat sie es unbedingt verdient, erhalten zu werden.” Aber auch gerade weil sie so viel aushalten musste, steht sie wohl noch an Ort und Stelle: Als natürlicher Torpfosten hat die alte Stieleiche an der Ecke Kirchrather Straße/Lörschpülgen offenbar gedient.

300 bis 350 Jahre alt

„300 bis 350 Jahre dürfte sie alt sein”, schätzt Hans Raida, Aktivist des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) und unter anderem Mitglied des Landschaftsbeirats. Eine ganze Reihe Eichen und Eschen habe hier einst gestanden, als Kopfbäume gezogen am Wegesrand bis nach Ritzerfeld, erinnert er sich. Damals, als auf dem alten Fuhrmannshof, einem geschlossenen Vierkanthof, noch bäuerliches Leben herrschte, gab es auch noch den „Fuhrmannspool”, einen natürlichen Weiher, da, wo heute auf der Kirchrather Straße die Einmündung zum Lörschpülgen ist. 1940 wurde der Teich zugeschüttet, um den Einmarsch der Wehrmacht in die Niederlande zu erleichtern. Vor rund zehn Jahren sackte hier bekanntlich einmal die Fahrbahn ein?

Viel hat sich verändert über die Jahrzehnte hinweg, nun soll auch der alte Hof verschwinden, in dem laut der Recherchen in den „Heimatklängen” des früheren Beigeordneten und Merksteiner Heimathistorikers Ludwig Kahlen einst Johann Peter Fuhrmanns, in Personalunion Bürgermeister von Merkstein, Rimburg und Herzogenrath, rund 52 Jahre sein Amtszimmer hatte. Später von Landwirt Heinen als Nebenstelle des eigenen Hofes übernommen, wurden die Gebäude zuletzt nur noch als Getreide- und Trocknungsspeicher gebraucht.

Zwei Bauabschnitte

„Die marode Bausubstanz lässt wohl auch nichts anders mehr als den Abriss zu”, sagt Hans Raida. „Vielleicht könnte man aber das alte Hofgebilde in den Neubauten sichtbar machen.” In zwei Bauabschnitten soll hier neue Wohnbebauung respektive ein Geschäfts- und Ärztehaus entstehen.

Gegen eine Aufwertung des Bereichs durch neue Bebauung haben auch die Grünen-Politikerinnen Anne Fink, stellvertretende Bürgermeisterin, und Katharina Herzner, Mitglied des Umwelt- und Planungsausschusses, keine Einwände. Erst von Anwohner Horst Erdtmann auf die altehrwürdige Eiche aufmerksam gemacht worden, kritisieren sie allerdings - auch mit Blick auf die ebenfalls im Zuge eines beantragten Bauvorhabens gefährdete stattliche Linde an der Kleikstraße/Am Schürhof - „immer erst in politisch in die Sache einbezogen zu werden, wenn diejenigen, die städtebaulich etwas machen wollen, schon vier Schritte weiter sind”.

Für alle eine Lösung finden

Am Schürhof ist die Linde zwar auf den Plänen eingezeichnet, nicht aber als schützenswert eingestuft: Diesen Status für den Baum nachzuholen, könnte mit stattlichen Schadensersatzforderungen verbunden sein, befürchten die Behörden. Über die entsprechenden Fristen dazu herrscht aber zwischen Bauamt und Politik offenbar Uneinigkeit. Laut Stadtverwaltung sei der Bebauungsplan für den Bereich Am Schürhof erst sechs Jahre alt, betrage die Frist, innerhalb derer ohne Schadensersatzanspruch nichts geändert werden könne, aber sieben Jahre. SPD-Stadtverordneter Bruno Barth allerdings erinnert sich, dass der eigentliche B-Plan aus den 70er Jahren stamme, vor sechs Jahren nur Teile überarbeitet worden seien, besagter Bereich davon aber nicht betroffen gewesen sei.

In der heutigen Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses (18 Uhr, Ratssaal) soll ein Antrag der rot-grün-roten Mehrheitskooperation in Roda beraten werden, mit dem Bauherren im Sinne einer für alle verträglichen Lösung zu verhandeln.

Das Projekt der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Herzogenrath am Lörschpülgen hingegen erfolgt gemäß §34 Baugesetzbuch, der außerhalb von Bebauungsplangebieten die Zulässigkeit von Bauvorhaben innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile regelt.

Politik will nicht mehr überrascht werden

Um nun nicht weiterhin bei jedem massiveren Baum hinterherzuhinken, der einem Bagger zum Opfer fallen könnte, fordern die Grünen nun die Bürger auf, aus ihrer Sicht schützenswerte Gehölze zu melden, um einen Überblick zu erhalten.

Kontakt: fraktion@gruene-herzogenrath.de, Telefon 02406/83 111 (Fraktionsbüro, montags 16.30 bis 20 Uhr, sowie dienstags, mittwochs, donnerstags, 8.30 bis 12 Uhr.

Zudem soll ein Antrag folgen, „damit langfristig in der Verwaltung der Stadt Herzogenrath eine Liste schützenswerter Bäume erstellt wird”.

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