„Zukunftswerkstatt Alsdorf”: Bürger gestalten ihre Stadt

Von: Karl Stüber
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Die Zeit läuft: Immer mit Blick auf die Uhr sammelt Bürgermeister Alfred Sonders (r.) im Workshop Stadtbild und Verkehr Anregungen und Kritik von Bürgern. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. „Kultur- und Technologiestadt” - so lautet der Slogan, mit dem Alsdorf für sich und den Standort immer noch wirbt. Naja, als der Bergbau ausgelaufen war und die letzte Grube im Nordkreis die letzte Schicht gefahren hatte, mag das ein geradezu kühner, ja revolutionärer Leitspruch gewesen sein.

Aber heute lockt man damit niemanden mehr hinter dem warmen Investoren-Ofen hervor. Welche Kommune versucht nicht, mit ihrem kulturellen Freizeitangebot zu werben und verweist mit Blick auf noch so kleine Gewerbeflächen auf technologische Entwicklung? Was macht denn Alsdorf einzigartig, so unverwechselbar? Worin liegen die Stärken, welche Schwächen gilt es aber auch abzustellen? Wie können die Folgen des demographischen Wandels aufgefangen werden?

Bürgermeister Alfred Sonders setzt bei der Entwicklung eines neuen Slogans, eines neuen Logos und eines all dies unterfütternden Leitbildes auf die Hilfe und Mitarbeit der Bürgerschaft und lud jetzt zur Zukunftswerkstatt in die Stadthalle ein. Werkstatt klingt nach Arbeit, nach Engagement. Würde sich dieser Mühe eine nennenswerte Zahl von Bürgern stellen, und dann noch werktags am Abend?

Die Antwort lautet erfreulicherweise: Ja! Rund 170 Anmeldungen gingen ein. Die Seminarräume waren am Montagabend bei der Startveranstaltung zu den Workshops entsprechend gut gefüllt. Selbst wenn man die mehr oder weniger „dienstverpflichteten” Mitarbeiter der Verwaltung und hilfreiche Geister, wie etwa die den Leitbildprozess begleitende Aachener Werbeagentur Power+Radach, abzieht, so bleibt unterm Strich eine beeindruckende Menge engagierter Multiplikatoren und Bürger übrig, die sich da an insgesamt neun Tischen quer durch die Räume der Stadthalle setzten, um zu diskutieren und innerhalb von gerade mal 75 Minuten einiges zu Papier zu bringen.

Workshopleiter führen Protokoll

Es wird eine Weile brauchen, das auf diversen Flipcharts (Neudeutsch für mit Filzschreiber eng beschriebene Papierbögen) Notierte auszuwerten. Unsere Zeitung wird entsprechend berichten. Zudem planen der Förderverein Stadtmarketing Alsdorf und die Lokalredaktion ein Alsdorfer Stadtgespräch Anfang Dezember genau zu diesem Themenkomplex. Das Ganze ist keine Eintagsfliege, sondern ein komplexer Prozess, den es zu begleiten und zu fördern gilt.

Die Workshopleiter konnten sich bei der Zukunftswerkstatt über mangelnde Beteiligung bei der ersten Runde der Zukunftswerkstatt nicht beklagen. Kenntnisreich leitete die Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg die Arbeitsgruppe Bevölkerungsentwicklung und Wohnen. Städtischer Baudirektor Harald Richter sammelte Beiträge zum Themenfeld Umwelt und Landschaft. Dirc Fröschen von Dr. Neumann, Schmeer und Partner nahm die Wortbeiträge zum Thema Wirtschaft zu Protokoll.

Pfarrer Ulrich Eichenberg geriet mächtig ins Schreiben und Schwitzen rund um Soziales. Schuldezernent Stephan Spaltner hatte keine Langeweile zum Themenkomplex Sport und Vereine. Um Stadtmarketing, Tourismus und Kultur ging es bei Bernd Steinbrecher von der Agentur Power+Radach. Erster Beigeordneter Ralf Kahlen hatte es mit Bürgerschaftlichem Engagement und Nahversorgung zu tun. Thomas Becker, Leiter des Berufskollegs Alsdorf, sammelte Beiträge zum Thema Bildung.

Ja, so könnte Bürgerbeteiligung auch zwischen den Wahlgängen funktionieren: Bürger diktieren den Verantwortlichen einer Stadt direkt in den Block. Und Bürgermeister Alfred Sonders? Der hatte zu Stadtbild und Verkehr manches zu notieren: Kunst- und Kulturaktionen zur Belebung der Innenstadt, attraktive Aufenthaltsräume nicht nur für Senioren, mehr Fachgeschäfte, bessere Vernetzung durch Bus und Bahn, selbstbewusste Vermarktung kostenloser Parkplätze in der Einkaufsstadt Alsdorf, Standortgemeinschaften, Sichtbarmachen von Dienstleistungs-, Einzelhandels- und Kultur- sowie Freizeitachse - das sind nur einige der Stichworte.

Allerdings fand die Diskussion nicht gänzlich im freien Raum statt, um mit gutem Recht zu verhindern, dass „Freibier für alle” dabei herauskommt. Zu jedem Themenkomplex hatten fleißige Bienen der Stadtverwaltung ein ganzes Kompendium zum Leitbild zusammengetragen, ergänzt durch Blätter zu jedem Arbeitskreis-Themenkomplex. Daraus wird klar, dass das Demographieforum Anfang des Jahres, beschickt mit Erkenntnissen der Städteregion Aachen, Wirkung erzielt hat.

Da steht in der Präambel: „Alsdorf die Familienstadt - Unter diesem Leitbild ist die Stadt in der nächsten Dekade konsequent weiter zu entwickeln zu einem attraktiven Standort für junge Familien.” Mit Blick auf die Neubaugebiete und die Nähe zum attraktiven Standort Aachen wohl kein schlechter Ansatz. Warum soll Alsdorf nicht wie Baesweiler, Herzogenrath und Würselen davon profitieren dürfen?
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