Nordkreis - Zu teuer: Spaß am Karneval geht flöten

Zu teuer: Spaß am Karneval geht flöten

Von: Stefan Schaum
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Fröhlichkeit sieht anders aus: Geht es um den neuen Gema-Tarif, vergeht Karnevalisten und närrischen Musikern schnell das Lachen. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Für die Jecken kommt es ganz dicke: Ein neuer Gema-Tarif steht ins Haus, das erweiterte Nichtraucherschutzgesetz, verschärfte Auflagen beim Brandschutz in den Sitzungssälen und bei der Sicherheit während der Umzüge. Alles teuer, lästig, aufwändig.

So macht der Karneval doch keinen Spaß. Derzeit braucht es bloß ein kleines Stichwort wie „Gema“, um gestandene Karnevalisten wie Reiner Spiertz aus der Fassung zu bringen.

Die Tarifänderung, die die Verwertungsgesellschaft im Interesse ihrer musikschaffenden Mitglieder sehr gerechtfertigt findet, nennt der Präsident der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise (VKAG) „sehr große Abzocke. Hier wird das Ehrenamt systematisch kaputtgemacht“.

Er fürchtet gar, dass derzeit in manchem Sitzungssaal zum letzten Mal geschunkelt wird. Denn in der kommenden Session müssen Karnevalisten für ihre Veranstaltungen teils deutlich höhere Gebühren abführen. Berechnet nach Größe des Saals, der Anzahl der Zuschauer, der Preise der Eintrittskarten. Unterm Strich ist das in der Regel teurer für die Veranstalter. „Das werden sich nicht alle leisten können“, sagt Spiertz. Schon so mancher Vereinschef habe ihm gesagt: „Wenn das wirklich so kommt, dann geht‘s bei uns nicht mehr.“

Günter Forstenaichner, Kommandant der Alsdorfer Prinzengarde, hat es für die eigenen Sitzungen ausgerechnet. „Wir müssten im kommenden Jahr 500 Euro mehr Gebühr zahlen.“ Wohlgemerkt: pro Abend! Macht bei fünf Sitzungen ein Plus von satten 2500 Euro. Diese Erhöhung wollen und können die Karnevalisten nicht an die Besucher weitergeben. Um die bloß nicht zu verärgern – und weil es ja doch nichts bringt. Forsten-aichner: „Sobald wir den Eintrittspreis erhöhen, erhöht sich ja automatisch die Gebühr, die wir zahlen müssen.“

Sobald eine Kapelle einmarschiert wird übrigens eine weitere Zahlung fällig: 28,14 Euro inklusive Umsatzsteuer, sobald ein Spielmannszug den Saal betritt. Schon vorm Auftritt werden Karnevalisten übrigens zur Kasse gebeten: Eine KG muss sogar für die Musik zahlen, zu der die Mariechen beim Tanztraining die Beine in die Luft werfen.

Größere Gesellschaften können das wohl verkraften. Aber die kleineren, die ohnehin knapsen, überlegen laut, die Brocken hinzuschmeißen. „Das wird für viele richtig eng“, sagt Antoni Messias, Vorsitzender der Baesweiler KG Narrenzunft. Sauer ist er nicht, „ändert ja doch nix“. Dumm gelaufen ist allerdings das mit dem Sommerfest seines Vereins. Gefeiert wird – natürlich mit kostenpflichtiger Stimmungsmusik – am zweiten Wochenende im Mai. Und am 1. Mai soll der neue Gema-Tarif in Kraft treten. „Das wird für uns ein Vorgeschmack auf das sein, was wir künftig zahlen müssen.“

Nicht nur wegen der Gema bangt Klaus Mingers, Präsident im Festkomitee Alsdorfer Karneval, um die nächste Session. Die müsse ja noch einen Schlag wegstecken: die erweiterte Fassung des Nichtraucherschutzgesetzes in NRW. Nur bis zum 1. Mai 2013 gelten Brauchtumsveranstaltungen wie der Karneval als Ausnahmen, bei denen munter gequalmt werden darf. „Gut möglich, dass die neue Fassung die Sitzungen einige Besucher kostet, die ihre Zigarette einer Büttenrede vorziehen“, sagt Mingers. Mancher Veranstalter werde sich gezwungen sehen, längere Unterbrechungen für Raucher ins Programm einzubauen. „Dann sitzen im Saal Nichtraucher und langweilen sich, während draußen 100 Raucher stehen und die Nachbarn sich über Lärm beschweren.“

Bei Renate Worms hat sich noch niemand beschwert. Darüber, dass die Organisatorin des Tulpensonntagszugs in Würselen in diesem Jahr zum ersten Mal einen Euro pro Teilnehmer ab 16 Jahren einfordern muss. Gema, erhöhte Versicherungsgebühren, Sicherheitspersonal, „das kostet alles mehr. Zum Glück haben die Teilnehmer die Ankündigung entspannt aufgenommen“. Aber sie selbst nervt es sehr. „So langsam wird die Luft dünn bei mir“, sagt sie. Immer mehr Auflagen nehmen ihr den Spaß an der Planung. Wenn dann Unsicherheit bei der Finanzierung hinzukommt, könnte sie glatt verstehen, wenn einer sagt: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Und zwar endgültig.

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