Zu spät gestartet: Familienzirkus in Bedrängnis

Von: Stefan Schaum
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Das Futter wird knapp für Mensch und Tier: Zirkusdirektor Adolf Spindler weiß nicht, wie lange er seine Truppe noch versorgen kann. Foto: Schaum

Alsdorf. So richtig rund läuft es im Familienzirkus „Deja Vu“ schon lange nicht mehr. Immer weniger Auftrittsorte, immer weniger Zuschauer, kaum genug Einnahmen zum Überleben – in der kleinen Manege geht es bergab.

Doch so schlecht wie in diesem Jahr war es noch nie, sagt Adolf Spindler, 49 Jahre alt und Chef der zehnköpfigen Truppe. Ein zu langer Winter, ein zu heißer Sommer und jede Menge Vorstellungen, die gar nicht erst stattfanden: „Das ist ‘ne einzige Katastrophe!“

Erst Mitte Mai hatten die Spindlers ihren ersten Auftritt. In anderen Jahren war die Winterpause schon Mitte März beendet. Doch die Pause will seitdem einfach nicht aufhören. „Momentan kommt kein Mensch zu uns“, sagt der Zirkusdirektor und blickt traurig zu der hochgeklappten Außenhaut des Zirkuszeltes auf der Ofdener Festwiese. Eigentlich sollte das schon seit drei Tagen gar nicht mehr dort stehen, aber der Zirkus steckt fest. Er hat einfach kein Geld mehr, um fortzukommen.

Fünf Tage lang wollten sie in Alsdorf spielen, bloß zwei Vorstellungen sind es geworden. Weil meistens überhaupt niemand vorm Kassenhäuschen stand oder nur zwei, drei Menschen. Letztlich sind sie dann einmal vor acht Zuschauern aufgetreten mit ihren Lamas, Kamelen und Ziegen und einmal vor 17 Personen. Gelohnt hat sich das natürlich nicht. „Es wird mittlerweile richtig schwer, überhaupt noch das Futter für die Tiere zu besorgen.“ Eine Ofdenerin, die die Vorstellung besucht und von der Situation erfahren hatte, hatte anschließend spontan für den Zirkus eingekauft. Nahrung für die Artisten und einen dicken Heuballen für die Tiere hat sie spendiert. Die Familie ist dankbar für solche Hilfe. So kann sie wieder ein, zwei Tage überbrücken.

Kinder sollen es besser haben

Dass aus seinen Kindern auch Zirkusleute werden, hofft Adolf Spindler nicht. Die sollen es mal besser haben. „Eine Tochter hat gerade den Schulabschluss in der Zirkusschule gemacht. Der haben wir schon gesagt: Geh‘ lieber studieren!“ Die Erwachsenen hatten diese Wahl nicht. „Wir kennen doch nix anderes. Nur Zirkus. Da war immer nur der Zirkus.“ Also wollen die Eltern weitermachen. Doch wie lange kann es noch so weitergehen? Adolf Spindler hofft, dass sie an den nächsten Auftrittsorten mehr Glück haben werden, dass mehr Leute kommen. „Ein paar Städte stehen noch auf der Route, in denen es früher ganz gut für uns gelaufen ist.“ Doch er weiß nicht, wie er die erreichen soll. Weil das Geld in den vergangenen Wochen knapp war, konnten die Spindlers nämlich auch die nötigen Versicherungen für die Fahrzeuge nicht zahlen. Und der Tank? Der ist beinahe leer, die Spritrechnung allein würde derzeit das Budget sprengen.

Bürgermeister Alfred Sonders will der Familie helfen. „Hier geht es darum, in Not geratene Menschen wieder in die Lage zu versetzen, selbst Geld verdienen zu können.“ Über die Arge hat er Gutscheine erhalten, mit denen die Familie sich die nötige Nahrung besorgen kann. Doch fehlt es noch an den nötigen Mitteln, damit der Zirkus wieder auf die Straße kommt. Deshalb bittet „Menschen helfen Menschen“, die Hilfsaktion unserer Zeitung, die Leser um Spenden: Die sind unter dem Stichwort „Zirkus“ möglich auf dem Spendenkonto 77 66 66 bei der Sparkasse Aachen, BLZ 390 500 00.

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