Zu Herzen gehender Syrien-Abend im Klösterchen

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Dicht Gedrängt: Großes Interesse fand die Einladung zu Information und Kommunikation.

Herzogenrath. „Wenn alle, an denen ich auf dem Weg vorbeigefahren bin, noch kommen, dann braucht ihr noch mindestens 50 Stühle“, so rief ein Gast in die bereits gemütlich mit Tischen ausgestattete Kapelle des Soziokulturellen Zentrums Klösterchen hinein.

Ohne lange zu überlegen legten alle schon anwesenden Besucher Hand an und verwandelten den Veranstaltungsraum blitzschnell in Stuhlreihen, um dem so nicht erwarteten Besucherandrang gerecht zu werden. Und dennoch mussten zahlreiche Gäste mit einem Stehplatz vorlieb nehmen, weil es schließlich weit über 100 Menschen waren, die der Einladung zum ersten Abend des neuen Veranstaltungsformates „KOMPASSrichtungsweisend“ ins Kulturhaus gefolgt waren.

Entstanden war die Idee beim zweiten „Weltkulturfenster“, als eine Gruppe syrischer Flüchtlinge mit dem Wunsch an die Hausgemeinschaft im Klösterchen herantrat, einmal solch einen Abend zu organisieren, sich treffen und die Deutschen über die Situation in ihrem Heimatland informieren zu können.

Da genau auch solche Veranstaltungen neben der großen humanitären Unterstützung – unter anderem im Gebrauchtwarenkaufhaus „Patchwork“ – seit fast 20 Jahren politischer Flüchtlingsarbeit beim Förderverein Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen sowie den Kunst- und Kulturschaffenden im Klösterchen regelmäßig Thema sind, stieg man rasch auf den Vorschlag ein.

Zusammen mit der großen syrischen Vorbereitungsgruppe begrüßte Vereinsvorsitzender Wilfried Hammers alle Gäste im Namen der Hausgemeinschaft sehr herzlich. Er skizzierte, dass es selbst gestellte Aufgabe des Kulturzentrums sei, mit für die Integration in Gesellschaft, Kultur und Arbeitsmarkt in Deutschland unterstützend Sorge zu tragen – und dass die Akteure im Klösterchen auch weiterhin „Stachel im Fleisch“ für die Fragen des politischen Asyls und Deutschland als Einwanderungsland mit einem entsprechenden Gesetz sein wollen.

Vor allem aber sei immer das Ziel, die Gäste aus anderen Ländern willkommen zu heißen und mit ihnen zusammen Stück um Stück dafür Sorge zu tragen, dass sie selbst wieder Akteure ihres eigenen Lebens werden könnten. Weil auch das ein Akt der Menschenwürde sei.

Der bestens gedolmetschte Abend startete mit einer beeindrucken Video-Sequenz, die von den syrischen Initiatoren auch methodisch hervorragend vorbereitet worden war. Filme und Bilder zeigten mit zunächst heimatlicher Musik unterlegt die kulturelle Schönheit von Damaskus.

Es folgte eine Gegenüberstellung der wichtigsten Gebäude und Kulturgüter – wie man sie früher anschauen konnte und wie sie jetzt im Krieg aussehen. „Ein düsteres Szenario“, sagt Wilfried Hammers, „das auch die Auswirkungen der weltweiten Waffenexporte nicht zuletzt auch aus Deutschland dokumentiert.“ Die dritte filmische Sequenz zeigte die Folgen dieses Krieges mit selbst für einen Teil der Syrer undurch-schaubar gegen und miteinander handelnden Akteuren sowie die Flucht der Bürgerkriegsflüchtlinge über das Meer.

Emotional nahmen die syrischen Gäste diese Einspielungen auf. Es schloss sich eine kontroverse Diskussion über Hintergründe und Perspektiven für das syrische Volk und natürlich auch die Hoffnungen, mit denen die Kriegsflüchtlinge nach Deutschland kommen, an.

Klar war am Ende des Abends und beim Genießen des syrischen Büfetts das „KOMPASSrichtungsweisend“ ein Veranstaltungsformat ist, das dem Bedarf der Flüchtlinge entspricht und für die syrischen Gäste ebenso wie für alle anderen Nationalitäten fortgeführt wird.

Nicht zu unterschätzen war auch der Ausklang des Abends, als sich Zwiegespräche entwickelten, bei denen persönliche und institutionelle Absprachen getroffen wurden.

So wird das Klösterchen unter anderem auch nun zum Freifunkort werden, um Flüchtlingen die Kommunikation in ihre Heimat zu erleichtern und auch darüber die Kontakte miteinander zu vertiefen.

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