Zirkusschule „Zip-Zap” Kapstadt zu Besuch an Roda-Schule

Von: Andrea Thomas
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Voller Einsatz: Die beiden Clowns Jose und Arnold bieten eine nicht nur witzige, sondern auch höchst akrobatische Nummer. Foto: Thomas

Herzogenrath. Nathalie ist ganz aufgeregt. Die Neunjährige hat extra eher Schluss gemacht bei der Sprachtherapie, um nur ja nichts zu verpassen. Heute kommt nämlich der Zirkus in ihre Schule, die Roda-Schule - Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Nicht irgendein Zirkus, sondern eine Gruppe junger Artisten der Zirkusschule „Zip-Zap” aus Kapstadt. Hier hatten 1992 die beiden professionellen Artisten Brent und Laurence Estève van Rensburg die Idee zu einem Zirkus, in dem Straßenkinder gemeinsam mit anderen Kindern trainieren.

So entstand „Zip-Zap”, offen für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren, egal aus welchem sozialen Umfeld und egal welcher Hautfarbe.

In dieser Zeit hat der Zirkus vielen Kindern von der Straße eine Perspektive gegeben. Sie kommen hier weg von Drogen, Kriminalität und häuslicher Gewalt, lernen stattdessen Menschen kennen, die ihnen Dinge zutrauen, die nicht jeder kann. Außerdem vermittele „Zip-Zap” ihnen Werte, wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Selbstvertrauen, Teamwork, Disziplin und Toleranz. Das Aachener Kindermissionswerk „Die Sternsinger” unterstützt das Projekt. Gemeinsam mit der Egidius-Braun-Stiftung hat es Brent van Rensburg mit einer Gruppe seiner Artisten nach Deutschland eingeladen.

Zu ihrem Gastspiel in der Roda-Schule sind die 14 Artisten über den persönlichen Kontakt einer Lehrerin zum Betreuer der Gruppe bei ihrer Deutschland-Tournee gekommen.

Damit betreten sie Neuland, mit Kindern mit Behinderung haben sie bislang noch nicht gearbeitet. So sind denn nicht nur die 15 Roda-Schüler (aus jeder Klasse ist eine Schülerin oder ein Schüler ausgelost worden) ganz kribbelig, sondern auch die jungen Artisten.

Zunächst wird in der Turnhalle alles aufgebaut und die Artisten - die jüngsten sind elf, Jose der Älteste und inzwischen professioneller Artist ist 29 - machen sich warm. Staunend schauen Nathalie und die anderen zu, wie sie vom Trampolin über den großen Kasten springen und mit Salti durch die Luft wirbeln. „Puh - sind die gut!”, entfährt es Jasmin (17) ehrfürchtig. Gleich sollen sie und die anderen mitmachen dürfen.

Das Können der fast Gleichaltrigen macht sie da etwas zögerlich. Dazu besteht jedoch kein Grund. In einem munteren Gemisch aus Deutsch, Englisch, Gestik und Mimik lädt Brent van Rensburg sie ein, es einmal selbst zu versuchen und vom Trampolin einen Sprung auf die dicke Matte zu machen. Schnell ist die Unsicherheit weg und die Zirkus-Schüler der Roda-Schule haben einfach nur noch Spaß. Andreas schafft sogar einen Salto, wofür er Applaus von Brent bekommt, der ihn „Salto-Man” tauft. „Ich hab das zuhause mal geübt und wollte das hier ausprobieren”, gibt der 17-Jährige sich cool, was jedoch etwas an seinen stolz strahlenden Augen scheitert.

Eine fröhliche Truppe

Marvin (14) ist fasziniert vom Jonglieren. Einer der Zirkusjungs zeigt es ihm, schaut ihn an - verstanden? Dafür braucht man nur Keulen oder Bälle, ein gutes Auge und Schnelligkeit, aber keine großen Worte.

Viel zu schnell ist das gemeinsame Schnupper-Training vorbei. Schnell werden in der Turnhalle Bänke zurecht gerückt. Die Artisten schlüpfen in ihre Kostüme. Gleich kommt die ganze Schulgemeinschaft zur Zirkusvorstellung. Die ist rasant und versetzt das Publikum in Begeisterung. Die Roda-Schüler klatschen, stampfen und schauen gebannt zu, als die fröhliche Truppe aus Kapstadt ihr Können zeigt.

Da gibt es Akrobatik, eine Nummer auf Einrädern in Michael-Jackson-Kostüm, eine Clowns-Nummer und einen fröhlichen afrikanischen Tanz, der einen Eindruck vermittelt, was zur Fußball-WM stimmungsmäßig in Südafrika los sein wird. Zum Abschluss dürfen die 15 Schüler, die mitgeübt haben, noch zeigen, was sie können. Auch für sie gibt es stürmischen Beifall.

Nicht nur seine jungen Artisten strahlen, auch van Rensburg ist mehr als zufrieden. „Wir wussten nicht, was für Handicaps sie haben und was geht, aber es war ganz einfach mit ihnen. Und sie waren ein tolles Publikum - das beste!” Für Schulleiter Thomas Kürten, der ihm zum Abschied eine Spende und einen Leuchtturm aus Ton überreicht, waren sie „ein Lichtblick für unsere Schüler”.

Die Gruppe ist auf Tournee

Noch bis Ende Mai sind die Zip-Zap-Artisten auf Deutschland-Tour, besuchen nach dem Ökumenischen Kirchentag in München noch Schulen und Sternsinger-Gruppen in Mainz, Köln und Aachen.

So sind sie unter anderem am 19. Mai, um 19 Uhr, in der Viktoriaschule, Warmweiherstraße 4, Aachen, zu sehen und am 26. Mai ab 10 Uhr beim Open-Air-Event auf dem Münsterplatz, Aachen - zur Begrüßung von Prälat Klaus Krämer, des neuen Präsidenten des Kindermissionswerks „Die Sternsinger”.
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