Zirkusfamilie kämpft wieder um ihr Winterquartier

Von: ssc
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Wohin mit uns? Beatrix Schonge
Wohin mit uns? Beatrix Schongen (Mitte) möchte der Zirkusfamilie Regina (l.), Kimberly und Ludwig Neigert helfen. Foto: Schaum

Alsdorf. Leicht war es noch nie. Schon vor Jahren hat die Suche nach einem Winterquartier an den Nerven gezehrt. Doch mittlerweile geht sie richtig an die Substanz.

Ludwig Neigert lächelt nicht viel dieser Tage. Die Ungewissheit hat ihn zermürbt, sein Gesicht spricht Bände. Bloß noch eine Woche, dann wird der 51-Jährige das Zelt seines „Familiencircus Amany” bei Mönchengladbach abbauen. Und aufbrechen in eine ungewisse Zukunft.

Wie er den Winter mit seiner Familie - acht Menschen, die jüngste Tochter Kimberly gerade mal neun Jahre alt - und den 20 Tieren überstehen soll? Er zuckt die Schultern, blickt ins Leere. Dabei brauche er doch gar nicht viel. Eine leerstehende Halle, in der die Zirkusfamilie ihre Tiere und die Wohnwagen unterstellen kann, einen Strom- und Wasseranschluss. „Früher gab es noch mehr solcher Plätze für uns”, sagt er, „doch heute wird auf leer stehenden Flächen gleich gebaut oder es gibt Investoren, die keine Zirkusleute dort sehen wollen.” Er ahnt: Die Kommunen wollen sie auch nicht. Denn während der Wintermonate melden die Künstler sich arbeitslos. „Die haben Angst, dass wir ihnen zur Last fallen”, sagt Ludwig Neigert und seine Frau Regina sitzt daneben und nickt traurig. Dann sagt sie: „Wir sind doch nicht verlaust oder verwahrlost - wir wollen einfach nur unseren Zirkus machen und auch während des Winters menschenwürdig leben können.”

Klar gibt es Stimmen, die sagen: Zirkusarbeit lohnt sich doch sowieso nicht mehr, für die paar Euro! Doch Ludwig Neigert sagt: Ich kenne nichts anderes - und ich möchte nichts anderes. Ist das ein unerhörter Wunsch? Beatrix Schongen sagt: nein. Die Alsdorferin macht sich für die Familie stark bei der Quartiersuche. Bislang erfolglos. Quartiere im Nordkreis, die die Familie in den vergangenen Jahren beziehen konnte - am Alsdorfer Tierpark oder dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände in Kohlscheid - scheinen nun unerreichbar. Bislang gab es nur Absagen. Schongen kann es nicht verstehen. „Ist die soziale Kälte in unserem Land so groß, dass im Winter solche Menschen draußen gelassen werden?” Wer der Familie ein Quartier bieten möchte, kann sich unter Tel. 0157/72539999 melden.
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