„Zirkus Verkehrt”: Ernährungsberaterin macht aus Kindern wilde Tiere

Von: Stefan Schaum
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Erst fauchen, dann futtern: In ihrem Löwenkostüm hat Laura vor allem Appetit auf gesunde Gurken-Tomaten-Schlangen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Der Löwe brüllt, der Löwe faucht. Das Tier hat Hunger, und zwar großen! Seine Beute ist bereits in Sicht. Frisch und knackig ist sie. Ganz saftig. Noch einmal faucht die wilde Raubkatze, dann beißt sie hinein. In die Tomaten, in die Gurken.

Dieser Löwe frisst kein Fleisch, er bevorzugt pflanzliche Rohkost. So wie alle tierischen Stars in der Manege des „Zirkus Verkehrt”. Dort wird nur gegessen, was gesund ist. Kein Wunder, schließlich ist die Zirkusdirektorin eine Ernährungsberaterin.

Das Zirkus-Projekt hat die Alsdorferin Silke Steinbusch ersonnen, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Kinder sollen sich ganz viel bewegen und ihren Hunger anschließend mit gesunder Nahrung stillen. Zwei Wochen lang ist sie jüngst zu Gast im Katholischen Kindergarten St. Mariae Empfängnis in Mariadorf. Der Förderverein der Kita hatte das Projekt finanziell ermöglicht.

Vier Tage lang feilen die Fünf- bis Sechsjährigen in der kleinen Zirkusgruppe an ihren Auftritten. Schließlich wollen sie später vor ihren Freunden und Eltern bei der großen Abschlussvorstellung glänzen. Keine Frage, dass ihnen das gelingt. Denn mit viel Eifer wagen sie sich auch an Dinge heran, die sie zuvor vielleicht noch nicht probiert haben.

„Es gibt Kinder, die in diesem Alter noch keinen Purzelbaum können”, sagt Erzieherin Hannelore Gerhards. Weil sie sich in den Turnstunden verweigern, oder weil ihre Eltern den Bewegungsdrang nicht fördern. Hier aber, im Zirkus, wagen sie den Überschlag. Ein Aha-Effekt, der nachhaltige Wirkung zeigt. „Die Kinder entwickeln richtig Spaß daran und wollen immer neue Dinge probieren.” So tänzeln sie elegant über Seile. Dass die auf dem Boden liegen, tut dieser Zirkusnummer keinen Abbruch, schließlich kommt es darauf an, das Körpergefühl zu stärken, die nötige Balance zu entwickeln.

Mit Motorik hat auch eine Showeinlage zu tun, die am ehesten einer Clownsnummer gleicht. Dabei stehen sich zwei Kinder gegenüber. Zwischen ihnen ein Bilderrahmen, der ein Spiegel sein soll. Nun muss eines der Kinder eine Bewegung oder eine Grimasse vormachen, das andere ahmt sie nach. Und zwar - das ist das Knifflige - spiegelverkehrt. Es dauert eine Weile, bis die richtige Hand gehoben, das richtige Auge zugekniffen wird. Doch haben die Kinder viel Spaß dabei - und lernen ihren Körper ein klein wenig besser kennen.

Leckere Dips anrühren

Anschließend wird geschnippelt. Mit ihren Messern machen die Kinder Äpfel, Möhren, Tomaten und vieles andere klein und rühren leckere Dips an. Gekostet wird von allem, das ist Ehrensache in diesem Zirkus. „Ich möchte die Kinder aus dem Ernährungstrott holen, der vielleicht zuhause herrscht”, sagt Silke Steinbusch. Nicht selten kämen dort immer wieder dieselben Dinge auf den Tisch, würden Kinder zu selten animiert, Neues zu probieren.

„Wenn sie hier Rohkost kennenlernen, fordern sie sie vielleicht daheim auch des öfteren. Da kann ein Umdenken stattfinden.” Wobei die Ernährungsberaterin nicht einmal die beliebten Kalorien- und Zuckerbomben komplett verteufelt. „Es darf auch mal ein Nutella-Brot sein”, sagt sie, „es kommt aber darauf an, ob unter der Paste ein Weiß- oder ein gesundes Vollkornbrot ist.” Damit die kleinen Löwen noch lange so kräftig zubeißen können...
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