Zeitungs-Enten krönen Karrieren

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Ausgezeichnete Aachener Persönlichkeiten: Jörg Peters (l.) und Hubert vom Venn (r.) vom Bezirksverein Aachener Presse ehrten (v.l.) Rolf Faltmann, Dieter Kaspari und Paul Kemen in der Aachener Barockfabrik. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Aller guten Dinge sind drei. Das hat sich wohl auch der „Bezirksverein Aachener Presse“ (BAP) gedacht, der diesmal gleich drei „Aachener Zeitungs-Enten“ vergeben hat: An Rolf Faltmann, der zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, Paul Kemen, Pressesprecher der Polizei, für seine mit Humor gespickten Berichte und den Musiker Dieter Kaspari als „Persönlichkeit der Region“, der den Blues mit der regionalen Sprache verbindet.

Die Dreifach-Ehrung fand in der Stadtpuppenbühne „Öcher Schängche“ statt. Daher tanzten zu Beginn erst einmal die Puppen: Das Schängche eroberte als „Hausherr“ gemeinsam mit seinen Mitspielern die Bühne – mit dem ersten Akt aus dem 1921 aufgeführten Eröffnungsstück „Der Teufel in Aachen“. Mit einer „Ehren-Ente“ an Jörg Faltmann ging es weiter. Die Laudatio hielt sein Nachfolger Jörg Peters. Er würdigte Faltmann als einen Mann, der komplexe Sachverhalte in aller Kürze darstellen kann: „Sein Motto lautete stets: Die Welt erklären in 30 Zeilen.“ Ob als Redakteur bei der Aachener Zeitung, Seite-1-Experte, langjähriger Betriebsratsvorsitzender beim Zeitungsverlag Aachen oder als Vorstandsmitglied im BAP – er war immer vorne mit dabei.

Auch der zweite Preisträger, Polizeisprecher Paul Kemen, ist so ein Aachener Urgestein. Die Chance, in seiner Funktion Bekanntheit zu erlangen, ist normalerweise nicht so groß. Kemen ist dieses Kunststück jedoch gelungen – dank seiner humorvollen Pressemitteilungen, die mittlerweile nicht nur in den regionalen Redaktionen berühmt-berüchtigt sind, sondern auch schon durch die englischen und australischen Gazetten gerauscht sind. Von diesen alltäglichen Räuberpistolen aus der Feder des 57-Jährigen konnte auch Achim Kaiser, Lokalchef der Aachener Nachrichten, ein Lied singen und ehrte in seiner Laudatio den außergewöhnlichen Schreibstil Kemens jenseits des Beamtendeutschs. Seine Best-of-Pressemitteilungen sind unter dem Titel „Aachener Polizeigeschichten“ in zwei Folgen als Hörbuch herausgegeben worden. In die Aachener Nachrichten schaffte es der unkonventionelle Polizeisprecher mit der Kolumne „Kemens Welt“. 2012 folgte der „Mullefluppet-Preis“ der „Aachener Zeitung“.

Kemen nahm sichtlich gerührt seine „Ente“ entgegen und richtete augenzwinkernd eine Bitte an den Laudator Kaiser: „Die Laudatio hätte ich nach der Veranstaltung gerne. Wenn mein Chef einmal anderer Ansicht sein sollte als ich, dann kann ich ihm diese zeigen.“

Auf den schlagfertigen Presse-Revoluzzer folgte der Rock’n’Roll-Teil des Abends. Denn „Bluesmann“ Dieter Kaspari komplettierte das Preisträger-Trio. Ihm wurde die Auszeichnung in der Kategorie „Person des öffentlichen Lebens“ zuteil. Auf ihn hielt Professor Dr. Wolfgang Becker, erster Direktor des Ludwig Forums für Internationale Kunst, die Laudatio. Er lernte Kaspari bereits Anfang der 1970er-Jahre in Aachen kennen und erlebte ihn in unterschiedlichen Bandformationen. Damals noch auf Englisch, mittlerweile auf Öcher Platt – Becker hob insbesondere die politische Aussagekraft seiner Songs hervor. „Er suchte ständig nach Öffnungen in erstarrten Strukturen“, so Becker. Mittlerweile spielt die Kaiserstadt die Hauptrolle in vielen seiner Lieder, die er mit „zunehmend rauem Schmelz in der Stimme besingt“.

Der Vollblutmusiker bedankte sich auf seine Weise: „Die Mullerei ist nicht meine Sache. Ich sing‘ zwei Liedchen, dann bin ich auch wieder weg.“ So ließ er den bunten Abend gemeinsam mit Duo-Partner Uwe Böttcher an der Violine rhythmisch ausklingen.

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