Zehn Jahre Movements: Getanztes Märchen mit großen Emotionen

Von: Sigi Malinowski
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Hip Hip im Kontrast zu zauberh
Hip Hip im Kontrast zu zauberhafter Feen-Musik: Das getanzte Märchen „Die kleine Fee Aurora” begeisterte. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. 20 Minuten läuft die Aufführung. Da schreit Jörg Strothkämper lautlos auf. Sein geliebter HSV führt 1:0 im Nordderby gegen Hannover, zeigt das Handy an. Es gibt nicht viele Anlässe, die „Strothi” vom Zuschauen seines Lieblingsvereins abhalten.

An diesem Tag ist so ein Anlass. „Die kleine Fee Aurora” ist dem Familienvater wichtiger als Arslan oder Van der Vaart. Monatelang hat ein Team von Vätern und Müttern geholfen, das getanzte Märchen - es wird zum zehnjährigen Jubiläum der Tanzschule Movements aufgeführt - Wirklichkeit werden zu lassen. Das Gute über das Böse siegen zu lassen, dazu stehen ein kleiner putziger Teddy und eben „Aurora” Pate.

Kaugummis raus

Rückblende um eineinhalb Stunden: Auf der Bühne beraten sich die engsten Mitarbeiter(innen) um Movements-Chefin Conny Wybitul. Doris Stössel-Kohnen, Arndt Sieben, Bühnenbildnerin Doris Esser, Annelotte Schmidt und weitere Mitarbeiter gehen die Aufführung durch. Es muss an jedes kleine Detail gedacht sein. Nicht nur auf der Bühne, gerade und auch dahinter und daneben. „Bevor die Kinder rausgehen, müssen sie alle den Kaugummi aus dem Mund haben”, stellt Daniela Schütt einen Eimer auf. Oder auch die Taschentücher für weinende Kinder müssen griffbereit sein.

Daniela Schütt hat im Grunde für die weiteste Anreise gesorgt, denn ihre Eltern Rudolf und Genoveva Kratz sitzen im Publikum. Aus Bonn angereist, extra um den Enkelsohn Timo Schütt zu sehen. Er hat wohl die schwierigste Rolle im Ensemble. Denn Timo ist zusammen mit Julian Maus - jede Rolle ist doppelt besetzt - der „Lord der Dunkelheit”.

Während sich die Besucher vor der noch verschlossenen Tür des Pädagogischen Zentrums im Gymnasium drängen, hat sich Chefin Conny Wybitul die letzte „Auszeit” genommen. Sie, die monatelang die Verantwortung trug und gleich die Ansprache halten wird, gibt zu: „In den letzten sieben Tagen war ich die Stressfrau schlechthin.” Es soll (und wird wenig später) halt alles perfekt sein. „Ich bin jetzt schon ganz ruhig und kann mir nicht vorstellen, dass irgendwas Negatives passieren wird”, ist sie noch ahnungslos, dass wenig später eine der Hauptdarstellerinnen, Luisa Harren (9), ihrem 40 Grad hohen Fieber Tribut zollen muss und von der Mutter zum Arzt gefahren wird. Das Glück im Unglück: „Wir haben jede Rolle doppelt besetzt.”

Eine halbe Stunde vor der Aufführung, die an zwei Tagen stattfand, strömen die Leute herein. Unter ihnen auch die süße kleine Krabbe Lena-Marie Meuer. Die dreijährige Ballett-Elevin ist die jüngste Darstellerin an diesem Tag und bekommt schon vor ihrem Auftritt die dickste Belohnung: einen Kuss von Papa Marcel. Im großen Trubel unbemerkt, bahnen sich auch zwei Männer immer wieder den Weg durch die Leute. „Der größte Gau wäre sicherlich, wenn wir einen totalen Stromausfall hätten”, wollen Elektromeister Kurt Ruhmland und sein Mitarbeiter Heiko Thönnessen „nicht den Teufel an die Wand malen”. Der Meister bleibt gelassen: „Wir sind doppelt abgesichert, es wird keinen Stromausfall geben.”

Ganz viel Leidenschaft

Durch die Kammer treibt es nochmals Bühnenbildnerin Doris Esser. Die Grundschullehrerin, gebürtig aus Beggendorf, hat eine zwischen Zauber und junger Realitätswelt kombinierte Kulisse hinbekommen. Sogar echte Tuja-Pflanzen sind dabei.

Conny Wybitul erhält derweil hinter der Bühne unerwarteten Besuch. Aus Köln ist die ehemalige Leiterin ihrer Tanzschulfiliale, Annika Krichel, gekommen. Was wünscht sie der früheren Chefin und Freundin? „Dass diese Aufführung genauso schön wird wie alle anderen.” Sie wird. Auch dank der Leidenschaft und des großen Talents von Maha Wybitul. Die 16-Jährige hat ihre Mutter schon vor der Aufführung zum Schluchzen, zum Weinen gebracht. „Ohne meine Tochter hätte ich das alles nicht hinbekommen”, beichtete sie mit stockender Stimme dem großen Auditorium.

Am Abend will sie sich bei allen bedanken. Dazu hat sie ins Bistrorant in die Burg geladen. „Der Willi (Koehnen) wird uns was Schönes kochen”, nennt Conny Wybitul das „Honorar” für ihr Mitarbeiter-Ensemble.

Sprichts, und dann werden die Scheinwerfer angeworfen. In Hamburg beginnt gerade das Spiel, in Baesweiler fängt eine brillante Aufführung an...
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