Zechenkolonien prägen noch immer das Alsdorfer Stadtbild

Von: Nadine Tocay
Letzte Aktualisierung:
Zeche
Historische Ansicht: Die Grube Anna des Eschweiler Bergwerksvereins. Foto: Archiv

Alsdorf. Dass die Stadt Alsdorf früher vom Bergbau geprägt war, ist bekannt. Doch woran kann man in der heutigen Zeit auch noch fernab der Industriedenkmäler erkennen, dass in der Stadt einst Kohle abgebaut wurde? Im gesamten Stadtgebiet wurden vom Eschweiler Bergwerksverein (EBV) Zechenkolonien respektive Siedlungen für Angestellte errichtet.

Solche Häuser findet man auch heute noch; zum Großteil sind sie saniert, aber ihr Ursprung ist häufig deutlich zu erkennen.

Zwischen 1850 und den 1930er Jahren stieg die Alsdorfer Bevölkerungszahl durch den Erfolg des Bergbaus rapide an. Die Stadt, in der einst nur 1300 Menschen wohnten, zählte plötzlich 11000 Bewohner.

Bereits im Jahr 1879 gehörten zur Grube Anna 159 Beamten- und Arbeiterwohnungen. Im Jahr 1901 waren es schon 202, wie der Geschäftsbericht des EBV zeigt. Auch der Eigenheimbau wurde gefördert. Arbeitern wurde damals durch den Worm-Knappschaftsverein ein Darlehen gewährt. Innerhalb von zehn Jahren konnten die Kredite durch monatliche Lohnabzüge getilgt werden. 7000 Mitglieder zählte der Verein. Um 1900 besaßen rund 900 von ihnen ein eigenes Wohnhaus.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Wohnhäuser zerstört. „Von 6200 bergbaugebundenen Wohneinheiten des Eschweiler Bergwerks-Vereins hatten nur 700 keine Kriegsschäden erlitten“, schreibt Dr. Walter Schmidt in „Die Entwicklung der Stadt Alsdorf im Spiegel ihrer Bergmannssiedlungen“. Nur drei Jahre nach dem Ende des Krieges waren bereits 70 Prozent der Wohnungen wieder bewohnbar.

Der Bedarf an Arbeitskräften stieg weiter an. Die neuen Siedlungen, die errichtet wurden, zeigten eine andere Bauweise als ihre Vorgänger. Mehrstöckige Wohnblocks wurden immer beliebter. Auch in der Gemeinde Hoengen mit Mariadorf gab es 1967 – als sie noch nicht zu Alsdorf gehörte – 1500 Bergarbeiterwohnungen. Zwei Drittel davon waren im Besitz von Wohnungsbaugesellschaften, darunter die Aachener Bergmannssiedlungsgesellschaft m.b.H. Das letzte Drittel gehörte dem EBV.

Die Bauweise der Häuser im Stadtgebiet war unterschiedlich. Typisch war jedoch der Reihenhausbau. Häufig wurden Hauszeilen mit vier Einheiten gewählt. Vereinzelt gab es Einzel- oder Doppelhäuser. Als Konstruktionsmittel wurden unter anderem Stahlbetonplatten für die Decken und Stampfbeton für Kellerwände verwendet.

Die Wohnräume wurden meist mit Sanaplan-Estricht mit Linoleumbelag ausgelegt. Der Flur, die Küche und das Bad erhielten Steinzeugfliesen.

Einbauküche mit Elektroherd

Jede Wohneinheit wurde mit einer Einbauküche mit Elektroherd ausgestattet. Raummaße, Geschosshöhe, Türen und Fenster – alles war genormt. Auch Vorgärten, Hecken, Bäume, Sträucher, Gartenwege und -sitzplätze wurden mit angelegt. Bei einem Schichtlohn von 2,50 Mark betrug die Miete 7,50 Mark. Manche Haustypen wurden von den Bergleuten bevorzugt. Familien erhielten dann den Vorrang.

Besonders beliebt war der sogenannte Typ „E11“ mit einer Bruttowohnfläche von rund 60 Quadratmetern und zwei Kinderzimmern statt einem. Für Gastarbeiter wurden Ledigenheime mit Schlaf- und Gemeinschaftsräumen eingerichtet. Eines dieser Heime befand sich am Wilhelmschacht (Herzogenrather Straße). Es steht auch heute noch dort, sein Ursprung ist deutlich zu erkennen.

Ebenso wie auf den Hausbau, wurde auch auf die Gestaltung der Straßen viel Wert gelegt: In Alsdorf-Ost wurden im Zuge der Siedlungserrichtung von einem Künstler – vermutlich dem Bildhauer Benno Werth – Skulpturen kreiert. Auch diese sind heute noch in der Allensteiner Straße, Königsberger Straße, Danziger Straße und Breslauer Straße zu finden. Weitere Zeugnisse der Bergbauzeit gibt es unter anderem in der Prämienstraße, Würselener Straße, Herderstraße, Eschweiler Straße und Brahmsstraße.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert