Zapfenstreich: Gaststätte „Zum alten Brauhaus“ schließt

Von: mas
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Die Gaststätte „Zum alten Brauhaus“ am Kirchplatz in Baesweiler wird in knapp drei Monaten geschlossen. Foto: Sigi Malinowski
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Pächterin Elke Jakoby ist sauer auf den Gesetzgeber, der ihrer Meinung nach alles tut, um die Kneipenlandschaft zu zerstören. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Elke Jakoby kann immer noch herzhaft lachen. Auch wenn ihr in diesen Tagen kaum mal danach ist. Denn bald naht ein Abschied. Ein schmerzhafter. Elke, bevorzugt geduzt – ihren Familiennamen kennen gar nicht mal so viele Leute – wird das „Alte Brauhaus“ abgeben. Zum 30. Juni ist Schluss.

Unterschiedlichste Definitionen über den Grund machen die Runde. Über eine Geschichte amüsiert sich Elke Jakoby ganz besonders. Ein Gast hat ihr offen auf den Kopf zugesagt: „Du bist pleite!“ Diese „Pleite“ rührt vom 8. Juli des vergangenen Jahres her. Kurz vor dem Anpfiff des WM-Halbfinales zwischen Brasilien und Deutschland hatte Elke ihren Gästen (und das waren nicht wenige) versprochen, „für jedes deutsche Tor gebe ich ein Bier aus“.

Steine in den Weg gelegt

Der Rest der Geschichte ist weitestgehend bekannt. 7:1 gewannen Jogis Jungs. Und Elke bekam Handgelenksschmerzen von der Zapforgie. „Das war ein teurer Spaß, ja. Aber ich pflege meine Versprechen einzuhalten“, muss sie heute noch über die Nacht der Nächte schmunzeln. Der Abend des offenen Tores und offenen (Bier)Krans ist natürlich nicht der Auslöser klammer Kassen in der „Brauerei“, die offiziell „Zum alten Brauhaus“ heißt. Elke Jakoby – sie hängt mit Herzblut („Die Kneipe ist das erste soziale Netzwerk ohne Internet“) an ihrer Kneipe – nennt andere Gründe. Die Miete sei es nicht. „Der Pächter hat mir eine Miete auferlegt, die man noch als moderat bezeichnen kann.“ Die größte Schlinge sei für die Wirtin dabei die Gesetzgebung und die –geber.

Vor knapp sechs Jahren ging sie das Wagnis ein, die Kneipe zu pachten. Obwohl man ihr zuvor schon im benachbarten Haus Offergeld als Pächterin viele Steine in den Weg legte. Die aus Übach-Palenberg stammende Frau setzte aber wieder das ein, womit sie viele Dinge in ihrem Leben meisterte. Ihren Mut. Gepaart mit einer sehr lebensbejahenden Einstellung. „Anfangs lief es auch ganz gut“, erinnert sich die Wirtin. Doch dann flatterten „zunehmend restriktive und kostenintensive Auflagen des Gesetzgebers ins Haus“, wurde die gelassene Pächterin immer „geladener“. „Der Gesetzgeber wirft uns Knüppel zwischen die Beine“, zählt Jakoby zehn Steuerarten auf und nennt zuzüglich nochmals mindestens zehn Versicherungsarten, die Erträge kaum noch möglich machen.

Besonders das sogenannte Nichtraucherschutzgesetz und seine Folgen schlugen nun in ganzer Härte durch. So nimmt das jedenfalls Elke Jakoby auf. „Seit Einführung dieses Gesetzes bleiben die Gäste zunehmend weg“. Waren es früher 30 bis 40 Gäste an den Wochenend-Abenden, so sank die Quote um mindestens 50 Prozent. Mit einer Idee machte sich Elke Jakoby vor knapp eineinhalb Jahren landesweit bekannt. Sie ließ in ihrem Gastraum eine Raucherklappe einführen. Aber auch das ist längst Geschichte. An einen neuen Pächter glaubt Elke Jakoby nicht so richtig. Sie resümiert und freut sich irgendwie auch auf die Zeit „danach“. „Ich bin 22 Jahre Wirtin mit Leib und Seele gewesen. Nun nehme ich mir etwas Zeit für mich und meine Hobbies“, geht sie erwartungsvoll in den Ruhestand, den sie mit ihrem Mann genießen will. Um dann auch Abstand von der Gerüchteküche zu nehmen, die im Dorf Baesweiler brodelt. „Da werden mir Schulden angedichtet und auch eine Insolvenz soll vorliegen“, verweist Elke Jakoby das alles ins Reich der Fabeln. Und noch etwas gibt sie zu bedenken: „Überall wird vom Mindestlohn gesprochen. Wir Wirte hätten den auch gerne. Denn unsere Verdienste liegen da noch weit drunter.

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