Zäher Kampf gegen die Kinderlähmung

Von: Karl Stüber
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Bitten um Spenden, um den Kampf gegen Polio (Kinderlähmung) finanzieren zu können: (v.l.) MZ-Geschäftsführer René A. Bostelaar, Prof. Dr. Dr. Norbert Busch, Thomas Basten, Rotary-Polio-Beauftragter, und Prof. Dr. Lothar Krapohl, Rotary-Präsident Aachen-Nordkreis. Foto: Karl Stüber

Würselen. Dass Kinderlähmung (Polio) im öffentlichen Bewusstsein nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, ist Zeichen des erfolgreichen Kampfes gegen diese tückische Krankheit. Zugleich birgt dieses „Vergessen“ ein wachsendes Risiko.

Denn es gilt wachsam zu bleiben und im Kampf gegen Polio nicht nachzulassen. Daran erinnern die neun Rotary Clubs in der Region Aachen am heutigen Mittwoch, 28. Oktober – dem Geburtstag des US-amerikanischen Arztes Jonas Salk. Der Immunologe entwickelte den Polio-Impfstoff gegen Kinderlähmung.

Aber wer die Rotarier kennt, weiß, dass sie es nicht bei mahnenden Worten lassen, sondern auch anpacken, um Kinderlähmung überall auf der Welt mit Partnern die Stirn zu bieten. Seit 1988 hat Rotary international rund 1,2 Milliarden US-Dollar hierfür aufgebracht. Nur die US-Regierung hat mehr Mittel bereitgestellt. Die Rotarier haben sich auf die Fahnen geschrieben, dazu beizutragen, Polio weltweit bis 2018 schlichtweg auszurotten. Dafür allein werden schätzungsweise weitere 5,5 Milliarden US-Dollar benötigt.

Dies wurde bei der Vorstellung der aktuellen Spendenaktion im Medizinischen Zentrum (MZ) Würselen deutlich. Im Foyer des Standortes Marienhöhe ist eine Spendensäule installiert. „Am besten ist es, wenn man die Informationsflyer mitnimmt und Geld dalässt“, bringt Thomas Basten das „Spendenverfahren“ auf den Punkt. Basten ist Polio-Beauftragter seines Distrikts und weiß als Apotheker für Klinische Pharmazie – er hat lange Jahre die Apotheke des MZ geleitet – nur zu gut, worum es geht. Und deshalb hält er auch rund 30 Vorträge in diesem Jahr in den Rotary Clubs zwischen Trier, Koblenz, Siegen und Solingen, wie er sagt.

Das Ziel der Rotarier, die zur Fortsetzung groß angelegter Aufklärungs- und Impfaktionen finanzielle und logistische Unterstützung organisieren und hierfür um Spenden bitten, scheint in greifbare Nähe gerückt. Sogar das riesige und einwohnerreiche Indien wurde von der WHO bereits Anfang 2014 als „Polio-frei“ zertifiziert. Nigeria war das letzte polioendemische Land in Afrika und gilt seit Juli als „geheilt“. Es verbleiben weltweit nur noch zwei Länder, in denen das Virus vorkommt: Afghanistan und Pakistan. Eigentlich...

Denn es gibt auch Rückschläge. So sind im Juli zwei Kleinkinder in der Ukraine erkrankt, sagt Basten. Grund: Im vergangenen Jahr wurde dort nur die Hälfte aller Kinder geimpft. „Polio ist auf diese Weise zurück in Europa!“, mahnt er. Vor allem Krieg und Elend und die damit verbundene Flucht ermöglichen dem Erreger, sich neu zu entfalten. In Syrien traten im Jahre 2013 exakt 23 Fälle auf, im Jahre 2014 einer. Den engagierten Rotariern bereitet auch die offene Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan Sorgen.

Die Rotarier möchten keineswegs den Verdacht erregen, fremdenfeindlich zu sein oder Ängste schüren zu wollen, müssen aber auf die mit den zahlreichen Flüchtlingen verbundenen Herausforderungen aufmerksam machen, wie Prof. Dr. Dr. Norbert Busch, Direktor des Zentrums der Inneren Medizin am MZ, sagt.

Hier ist mit Blick auf die Verhältnisse in manchen Herkunftsländern und die Bedingungen der Flucht bei der Erstaufnahme eine entsprechende medizinische Untersuchung und Betreuung sehr wichtig – und dies nicht nur mit Blick auf Polio, betont der Mediziner.

MZ-Geschäftsführer René A. Bostelaar verweist auf die Kooperation mit der Städteregion Aachen. Am MZ-Standort Bardenberg wurden zwischenzeitlich mehr als 800 Flüchtlinge untersucht. Dabei seinen drei bis vier Fälle von Tuberkulose festgestellt worden. Natürlich wurden die Patienten sofort entsprechend behandelt.

Gerne beteiligt sich das MZ an der Spendenaktion der Rotarier, betont Bostelaar. „Wir helfen gerne mit unseren Möglichkeiten.“

Rotary International hat übrigens die Melinda-Gates-Stiftung als Partner für die gemeinsame Spenden-Aktion gewonnen, um Polio den Garaus zu machen. Jeder gespendete Dollar wird von der Stiftung um zwei Dollar aufgestockt.

Die Spendensäule der Rotarier steht noch bis Januar im Eingangsbereich des MZ Marienhöhe und wird danach weitergereicht. Laut Basten hat die Mayersche Buchhandlung in Aachen schon zugesagt. Weitere Krankenhäuser, Geldinstitute und Rathäuser sind vorgesehen.

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