XXXL baut die Wohnwelt Pallen um

Von: Karl Stüber und René Benden
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Stellten die Pläne für den von der XXXL-Unternehmensgruppe übernommenen Standort Wohnwelt Pallen in Würselen vor: Marketingleiter Frank Phlipsen (l.) und Pressesprecher Julian Viering. Foto: Karl Stüber

Würselen. Was wird aus den Beschäftigten bei Wohnwelt Pallen? Fest steht bereits, dass bis zu 54 Stellen in der Verwaltung vor Ort wegfallen werden, nachdem das Familienunternehmen von der XXXL-Gruppe übernommen worden war.

Dies ist eine strategische Entscheidung des neuen Hausherrn aus Würzburg, der den Standort im Gewerbegebiet Kaninsberg von der Zentrale aus verwalten will. Am Dienstag hat laut Unternehmen die Einigungsstelle unter Vorsitz des Richters am Bundesarbeitsgericht, Horst-Dieter Krasshöfer, ihre Arbeit aufgenommen, um die Modalitäten des Stellenabbaus zu klären. Aus Kreisen der Verhandlungsteilnehmer hieß es am Dienstag, dass nicht schnell mit Ergebnissen zu rechnen sei.

Vier Verhandlungsrunden zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat hatten zuvor zu keiner einvernehmlichen Lösung geführt. „Die Geschäftsleitung ist mit einem verbesserten Angebot für einen Sozialplan in die erste Sitzung der Einigungsstelle gegangen,“ bekräftigt Pressesprecher Julian Viering im Gespräch mit unserer Zeitung.

Weitere Sitzungen der Einigungsstelle, die zu gleichen Teilen mit Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite besetzt sind, folgen. Es geht um die Höhe der Abfindungen und einen zusätzlichen Fonds für besondere Härtefälle. Im Raum stehende Summen wollte das Unternehmen mit Blick auf die laufenden Verhandlungen nicht nennen.

Die Einrichtung einer Transfergesellschaft lehnt das Unternehmen ab. Die Begründung lautet: Die zur Kündigung anstehenden Mitarbeiter werden als „sehr gut qualifiziert“ eingestuft. Die Kollegen hätten auch so „beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt“. Zugleich werden 40 neue Stellen in der Logistik und zehn bis 15 Stellen im Verkaufshaus geschaffen. Natürlich sei es grundsätzlich möglich, dass sich Verwaltungsmitarbeiter auf diese Stellen bewerben, betont Viering. Allerdings werde qualifiziertes Personal für Verkauf und Logistik gesucht. Das heißt wohl: Die Aussichten unter dem Aspekt der „Bestenauswahl“ dürften gering sein.

Für die übrig bleibenden und per Stellenausschreibung neu hinzukommenden Beschäftigten hat die XXXL-Unternehmensgruppe bereits weitgehende Pläne. „Nach Abschluss der Neuausrichtung wird die Wohnwelt Pallen 383 Mitarbeiter beschäftigen. Stand jetzt sind es 398“, heißt es in einer Erklärung. Dass sich unterm Strich die Gesamtzahl kaum ändern soll, habe mit der Qualität des übernommenen Unternehmens und den Marktaussichten zu tun, macht Viering deutlich: „Pallen ist in einem guten Zustand von uns übernommen worden.“ Von einem Sanierungsfall könne keine Rede sein.

Allerdings will das Unternehmen – wie bereits an anderen Standorten, die übernommen wurden, geschehen – die Strukturen ändern, um „mehr Flexibilität und flache Entscheidungsstrukturen“ zu schaffen. Hierzu sollen die Beschäftigten per Betriebsübergang auf drei neue Gesellschaften mit eigenen Geschäftsführern aufgeteilt werden, die für Verkauf, Logistik und Verwaltung verantwortlich zeichnen. Gemäß Betriebsverfassungsgesetz stehe es den dort jeweils zusammengefassten Beschäftigten natürlich frei, einen Betriebsrat zu wählen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es den bestehenden Betriebsrat so nicht mehr geben wird.

Ob sich später die Zahl der Beschäftigten in den einzelnen Firmen ändern könnte, wollte Viering mit Verweis auf „die Anforderungen des sich verändernden Marktes und die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Standorts Würselen“ nicht ausschließen.

Die XXXL-Gruppe ist nicht an Tariflöhne gebunden, zahlt ihren Mitarbeitern nach eigener Aussage jedoch 20 Prozent mehr, als dies im Tarifvertrag vorgesehen ist. Hierfür gilt im Verkauf das leistungsbezogene Provisionsprinzip mit mehreren Komponenten, sagte der Pressesprecher.

Fortgeführt wird die bereits gestartete Qualifizierungs- und Fortbildungskampagne der Würselener Mitarbeiter, die sich unter anderem mit neuen Computern und anderer Software vertraut machen müssen. Derzeit wird der Rest an Pallen-Sortiment verkauft und das neue Warenangebot installiert. „Wir haben da ganz andere Partner, Marken und Produktlinien“, sagt Marketingleiter Frank Phlipsen. Auch das Marketing werde künftig zentral von Würzburg aus gesteuert. „Für die Verbraucher wird sich eine völlig neue Perspektive ergeben“, sagt er.

Laut Viering wird die Ware durch einen zentralen Einkaufsverbund bezogen. „Pallen war da ein Einzelplayer.“ Die damit verbundenen finanziellen Vorteile will XXXL an die Kunden weitergeben. Keineswegs soll der Name Pallen getilgt werden. „Schließlich handelt es sich um einen über die Jahre sehr gut eingeführten Markennamen“, betont Viering. Vielmehr werde das Firmenlogo durch ein kleineres, optisch untergeordnetes „XXXL“ ergänzt, kündigt Marketingleiter Frank Phlipsen an.

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