Wut, Frust und Beschimpfungen bei Diskussion über Zeitarbeit

Von: Ilona Rütten-Sieben
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Herzogenrath. Rund 100 Menschen waren gekommen - viele von ihnen wütend, teils frustriert. Ihren Fragen und Statements stellten sich Vertreter von drei Zeitarbeitsfirmen.

„Zeitarbeit, Leiharbeit, Personalservice... Fluch oder Segen?”, so der Titel der Vormittagsveranstaltung im Nell-Breuning-Haus. Neben Angestellten von Zeitarbeitsfirmen und Hartz-IV-Beziehern nahmen auch Mitarbeiter der Arge teil. „Wir wissen, dass es um ein umstrittenes Thema geht. Man muss aber differenziert darüber sprechen, nicht pauschal”, leitete Leo Jansen, Geschäftsführer der Bildungsstätte, ein.

Ein Kurzportrait der Unternehmungen Randstad GmbH, Quip AG und staff@work Personalservice GmbH: Sie alle sind den beiden großen Dachverbänden Bundesverband Zeitarbeit (bza) oder dem Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) angeschlossen und zahlen entsprechend tarifliche Brutto-Stundenlöhne.

Je nach Qualifikation der Arbeitnehmer sind das zwischen 7,38 Euro beziehungsweise 7,51 Euro bis 17,38 Euro. Ebenfalls nach Tarif ist der Urlaubsanspruch gestaffelt, ab 24 Tagen im ersten Jahr der Beschäftigung bis zu 30 Tagen.

Die auch in Baesweiler ansässige Quip AG hat deutschlandweit etwa 1100 Mitarbeiter und vermittelt an 300 Firmen. Neben der Personaldienstleistung ist das Unternehmen auch im technischen Bereich von der Entwicklung bis zur Produktion tätig, verfügt über insgesamt 10.000 Quadratmeter Produktionsfläche, bildet zurzeit drei Industriemechaniker aus. Im Bereich der Zeitarbeit liegt die Übernahmequote in ein festes Arbeitsverhältnis laut Carsten Kotthaus, Geschäftsstellenleiter Engineering, bei fünf bis zehn Prozent. Die durchschnittliche Beschäftigungszeit betrage ein Jahr.

Randstad beschäftigt in Aachen und Umgebung 250 Zeitarbeiter. Die Verweildauer in den Firmen ist laut Robert Hardt, Leiter der Aachener Niederlassung, sehr unterschiedlich, die Übernahmequote liege bei 15 bis 20 Prozent. Randstad habe einen Betriebsrat.

Die kleinste Firma, staff@work aus Aachen, steckt noch in den Kinderschuhen, wurde 2009 gegründet und vermittelt derzeit 20 Leute. Zwei weitere Menschen habe die Firma bereits in ein festes Arbeitsverhältnis vermitteln können, sagt Geschäftsführer Sascha El Mentawi. Beim Mindestlohn setzt das Unternehmen anders an, unter acht Euro braucht laut El Mentawi niemand zur arbeiten.

Leicht hatten es die Vertreter der Zeitarbeitsfirmen während der Veranstaltung nicht: Beschimpfungen wie „Sklaventreiber” oder „Verbrecherbande” wurden noch mit starkem Applaus untermalt. Den Menschen würden durch Inaussichtstellung einer Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis falsche Hoffnungen gemacht, sie dadurch ausgebeutet, so der Hauptvorwurf.

„Zweiklassengesellschaft”

Kritik und Angriff waren in der emotionsgeladenen Veranstaltung genauso vertreten wie das Bedürfnis sich einfach zu informieren. Es gab auch Anwesende, die Fragen stellten, die Antwort aber gar nicht abwarteten, sondern ohne ersichtlichen Grund den Raum verließen.

Leiharbeiter berichteten von einer „Zweiklassengesellschaft” bei den Unternehmen, in denen sie beschäftigt seien, über unterschiedliche Preise für Angestellte und Leiharbeiter in den Kantinen oder sogar deren kompletten Ausschluss.

Letztlich konnte und sollte die Veranstaltung die Thematik nur aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Rainer Rißmayer, Fachbereichsleiter im Nell-Breuning-Haus, sprach hier von „drei Gesichtern der Zeitarbeit”.

Etwa 600.000 Menschen sind in Deutschland aktuell als Zeitarbeiter beschäftigt, Tendenz steigend. Dem stehen 10.000 Zeitarbeitsfirmen entgegen. Etwa zehn Prozent der Leiharbeiter können nicht von ihrem Einkommen leben, müssen zusätzliche Leistungen der Arge in Anspruch nehmen.

Scarlet Jeschke, Vertriebsdisponentin bei Randstad, resümierte: „Es gibt die Möglichkeit, eine feste Stelle zu erhalten, aber keine Garantie.” Dem Prozentsatz, derer, die dieses Glück haben, schien zumindest bei dieser Veranstaltung aber ein hoher Anteil derjenigen gegenüberzustehen, die immer noch auf eine solche Chance hoffen - oder die Hoffnung schon aufgegeben haben.
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