Würselen - Würselener Verwaltung setzt verstärkt auf Verbeamtung

Würselener Verwaltung setzt verstärkt auf Verbeamtung

Von: Karl Stüber
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Würselen. Was kommt für eine Kommune unterm Strich teurer? Beamte oder Mitarbeiter im „Beschäftigungsverhältnis“? Darüber wurde im Haupt- und Personalausschuss debattiert. Ergebnis: kein Beschlussvorschlag für den Stadtrat.

Die große Koalition aus SPD und CDU ist sich uneins in der Einschätzung und den daraus zu ziehenden Schlüssen. Während die SPD-Fraktion allein auf weiter Flur Beamte zumindest nicht für teurer hält, haben sich CDU sowie die oppositionellen Fraktionen von UWG, Grünen und FDP anders positioniert.

Sie meinen, dass Beamte – auf die Lebenszeit gesehen – Würselen mehr kosten als Kollegen im Beschäftigungsverhältnis, so der Sammelbegriff für Nicht-Beamtete, seitdem die Unterscheidung zwischen Angestellten und Arbeitern im öffentlichen Dienst aufgehoben worden ist.

Anlass der Debatte ist die Frage, ob der Verwaltung eingeräumt werden soll, die duale Ausbildung Bachelor of Laws/Arts an der Fachhochschule Köln ab dem Einstellungsjahr 2017 sowohl im Beschäftigungsverhältnis als auch im Beamtenverhältnis zu ermöglichen. „Dabei soll im Rahmen des Wettbewerbs mit den umliegenden Kommunen insbesondere auf die Bewerberwünsche eingegangen werden können“, so die Verwaltung.

Zudem soll nach Vorstellungen des Rathauses die Ausbildungsvergütung im Beschäftigungsverhältnis weiterhin gelten, auf dass sie der von verbeamteten Studienkollegen entspricht. Und die bisher im Beschäftigungsverhältnis ausgebildeten Bachelor of Laws sollen ins Beamtenverhältnis übernommen werden können.

Witze über Beamte sind schon so alt, dass sie gar nicht mehr erzählt werden. Jüngere, die eine gute Ausbildung anstreben und ihr späteres Berufsleben im Blick haben, sind offenbar klüger und erkennen gerade im Beamtentum einige Vorteile. Sie können angesichts der rasant fortschreitenden Überalterung der Gesellschaft zunehmend zwischen Arbeitnehmern wählen. Dabei geht es um Aspekte wie einen sicheren Arbeitsplatz, überschaubare Arbeitszeiten, Versorgungsausgleich, Kreditwürdigkeit und Pensionsansprüche – auch für den hinterbleibenden Partner.

Die Zurückhaltung besonders interessanter Kandidaten bekommt die Würselener Verwaltung zu spüren, die im Rahmen der „Bestenauswahl“ in der Tat die Besten anziehen möchte. In den letzten Jahren war Würselen für aufstrebende Beamte kein gutes Pflaster. Wegen des Nothaushaltes waren deren Aufstiegsmöglichkeiten „schwer eingeschränkt“, räumt die Verwaltung selbst ein.

„Beförderungssperren (…) machten das Beamtenverhältnis gerade für hoch qualifizierte Berufseinsteiger unattraktiv.“ Im Wettbewerb mit allen anderen Kommunen in der Städteregion und deren Verwaltung gerieten die Würselener arg ins Hintertreffen. „Ohne die Möglichkeit der Verbeamtung läuft die Stadt Würselen Gefahr, die ausgebildeten Mitarbeiter/innen an Dienstherrn zu verlieren, die nach wie vor Beamte ausbilden“, hieß es.

Die Verwaltung Würselen will nun mit Blick auf höher qualifizierten Nachwuchs (wieder) ein attraktiver Arbeitgeber sein, zumal mit Erreichen eines ausgeglichenen Etats und positiven Perspektiven im mittelfristigen Finanzplan mehr Spielraum entsteht – so für die Ausbildung von „eigenen“ Beamten.

Nach einem detaillierten Vortrag von Robert Helpenstell von der Rheinischen Versorgungskasse zum Kostenvergleich zwischen Beamten und Beschäftigten wunderte sich Bürgermeister Arno Nelles (SPD) über unterschiedliche Schlussfolgerungen. Christoph Küppers (SPD) sagte: „Wir wären schlecht beraten, wenn wir Bewerbern aus finanziellen Gründen, die nicht bestehen, die Einstellung und Verbeamtung versagen!“

Karl-Jürgen Schmitz (CDU) sagte: „Wir müssen das angesichts der Folgekosten langfristig sehen. Auch wenn wir möglicherweise Defizite haben, weil wir nicht die Allerbesten kriegen.“

Nelles will vor der entscheidenden Ratssitzung nochmals mit den Fraktionen sprechen, um sie für sein Anliegen zu gewinnen.

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