Würselener steigt mit 66 Jahren auf den Mount McKinley

Von: Stefan Schaum
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Endspurt am Aconcagua: Dessen Gipfel hat Paul Thelen im Februar 2008 erreicht. Foto: Nachrichten

Würselen/Baesweiler. An die Grenze stoßen, sie überwinden, ans Ziel gelangen. Nur weiter, immer weiter. Die Suche nach Herausforderungen treibt Paul Thelen an. Treibt ihn hinauf und dorthin, wo der Mensch kaum überlebensfähig ist und jeder Schritt auch eine Qual.

Im Mai wird der Würselener den Mount McKinley in Alaska besteigen. 6194 Höhenmeter will er dann bezwingen, im Alter von 66 Jahren. Das tut er, um nicht nur sich selbst zu beweisen, dass es möglich ist. „Zu altern muss nicht heißen, dass man seine körperliche Leistungsfähigkeit verliert. Man darf bloß nicht damit aufhören, sich herauszufordern.”

Im Flachland alles erreicht

Das hat er nie getan. Nicht als selbstständiger Unternehmensberater und auch nicht als Sportler. Das Laufen war seine erste Passion. Der Marathon, was sonst? Eben die Disziplin, die dem Körper besonders viel abverlangt. Vize-Weltmeister in seiner Altersklasse ist Paul Thelen noch 2004 geworden. Im Flachland sind ihm anschließend die Ziele ausgegangen. Also musste er rauf.Ê„Ich hatte zuvor gar nichts mit Bergen am Hut. Ich hab´ nicht mal gewusst, wo der Aconcagua liegt oder wie man ihn schreibt.”

Heute kennt er diesen 6962 Meter hohen Berg in den argentinischen Anden. Kennt ihn sehr gut, denn er hat sich lange mit ihm auseinandergesetzt, ihn in Gedanken immer wieder erklommen und dann im Februar 2008 - im zweiten Anlauf - tatsächlich dessen Gipfel erreicht. Monate zuvor, im ersten Versuch, musste die Gruppe mit ihm nur knapp 100 Meter vor dem Gipfel umdrehen: schlechtes Wetter, keine Chance auf die letzte Etappe. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht, unglaublich frustrierend.” Das Ziel vor Augen und doch unerreichbar? „Niederschmetternd!” Doch da ein Ziel für Paul Thelen nun mal dazu da ist, um erreicht zu werden, ist er ein zweites Mal nach Südamerika geflogen und hat ihn sich dort endlich geholt, diesen kurzen aber ungemein euphorisierenden Gipfelrausch. „Ich bin dort oben spontan auf die Knie gegangen. Man bekommt einfach einen Riesenrespekt vor der Natur.” Kein Wunder, schließlich lässt sie einen Bergsteiger jederzeit spüren, dass er sich dort bewegt, wo er eigentlich gar nicht hingehört. Das wird bald nicht anders sein, am eisigen Mount McKinley.

„Das ist nicht nur Spaß”, sagt Paul Thelen und meint damit die ganze Sache. „Das ist harte körperliche Arbeit.” Er weiß nur zu gut wie es ist, wenn in der extremen Kälte trotz Handschuhen die Fingerkuppen aufplatzen und welche Schmerzen es dann bereitet, die Reißverschlüsse der Kleidung zu öffnen. Welche Tortur es ist, sich in der dünnen Bergluft morgens aus dem Schlafsack zu schälen, was gut zehn Minuten dauern kann. Vom Schlafen auf dem steinharten, unebenen Boden ganz zu schweigen. „Irgendwann tut unterwegs jeder Atemzug weh. Du brauchst dringend Luft, aber die ist schneidend kalt.”

Fünf Liter Wasser, die zum 40-Kilo-Gepäck gehören, muss er sich pro Tag hineinzwängen und sie dann auch wieder loswerden. Gehen, trinken, sich erleichtern, weitergehen - „da oben reduziert sich das Leben auf die ganz wesentlichen Dinge”.

Den Lohn für all die Mühe gibt es einzig und allein am Ziel. Wenn man sich selbst überwunden hat, weit über sich hinausgewachsen ist. Das Alter spiele dabei erst in zweiter Linie eine Rolle. „Ich kenne viele, die erst nach einem beruflich erfüllten Leben damit anfangen”, sagt Paul Thelen. Derzeit bereitet er sich intensiv vor. Und zwar im Baesweiler Carl-Alexander-Park. Dessen Bergehalde ist zwar schwerlich der Mount McKinley. Was sind schon die 80 mickrigen Höhenmeter hinterm Bergfoyer gegen die 6194 majestätische Meter in Nordamerika? Doch als Übungsgelände eignet sich die Halde. Fröhlich sieht Paul Thelen aus, wie er die 270 Stufen erklimmt, oben gleich wieder umdreht, hinuntersteigt und diese Prozedur zehn Mal und öfter wiederholt. Ist ja auch ein Klacks im Vergleich zu dem, was ihn erwartet.

Bloß eine Form

Ans Aufhören denkt er noch nicht. Zwar weiß er, dass auch sein Körper ihn nicht mehr viele Jahre auf Berge wird tragen können, doch ist der Berg ja letztlich nur die äußere Form der Herausforderung. Ziele, so viel steht fest, wird Paul Thelen sich noch des öfteren setzen.
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