Würselener Kunstakademie benötigt mehr Platz

Von: Karl Stüber
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Kunstakademie als Stätte der Integration: Vereinsvorsitzender Norbert Maubach und Geschäftsführerin Susanne Mix (hinten) mit (v.l.) Rami Isso (Syrien), Mina Karam (Ägypten) und Asma Abdullah (Syrien). Foto: Karl Stüber

Würselen. Eigentlich ist es unhöflich, bei Fremden durchs Fenster in die gute Stube zu schauen. Nicht so in der Klosterstraße 7 in Würselen. Die Verantwortlichen der Kunstakademie dort laden zum Schauen und Staunen ein – und natürlich zum Mitmachen.

Das Konzept geht auf. Vorbeikommende bleiben stehen, gehen hinein und so mancher bleibt oder vertraut der Akademie seinen Nachwuchs an.

Die Qualität des Angebots und der Betreuung für kleine und große Künstler hat sich nicht nur in Würselen herumgesprochen. Rund 120 Personen arbeiten wöchentlich in dem Raum hinter der großen Glasfläche. „Es war wieder ein sehr anstrengendes Jahr“, sagt Susanne Mix, Geschäftsführerin des Vereins. „Und es hat wieder viel Spaß gemacht!“ Eine Erkältung hält sie nicht davon ab, auf Nachfrage unserer Zeitung in der gemütlichen „Werkstatt“ Rede und Antwort zu stehen. Denn es geht nicht nur um die Bilanz, sondern auch um die wichtige Frage, wie es mit der im Jahre 2011 gegründeten Initiative weitergeht. Der Standort platzt aus allen Nähten. An den eng gestellten Tischen wird eifrig gewerkelt, das Material hierfür muss gelagert sein, die fertigen Produkte wollen trocknen und aufbewahrt werden. Künstlerisches Arbeiten und Lernen kennen viele Ausdrucksformen. Betongießen und Siebdruck, Ölmalerei, Zeichnen und Holzbearbeitung, die Plätze hierfür sind schnell vergeben (siehe Info).

Mit dem Zuspruch auch von Bürgern aus umliegenden Kommunen werden der Platz für die Arbeit und die Option auf inhaltliche Weiterentwicklung „kleiner“, die Probleme aber größer. „Das ist eine große logistische Herausforderung“, sagt der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, Norbert Maubach. Zumal bei der Akademie neben der ohnehin integrativen Wirkung von Kunst eine zweite Funktion immer größere Bedeutung gewinnt: die Betreuung von Flüchtlingen, vor allem deren Kinder, viele davon Jugendliche. Sprachbarrieren wussten die Dozenten in der noch jungen Geschichte der Kunstakademie stets einfallsreich und mit Hilfe der Kursteilnehmer selbst zu überwinden.

Mix: „Teilweise kamen Kinder, die bereits seit einigen Jahren in Würselen leben und zwei Sprachen sprechen, zu den Kursen dazu und haben als Dolmetscher mitgearbeitet.“ Maubach ergänzt: „Dieser Aufgabe stellen wir uns gern. Angesichts des großen Bedarfs an Betreuung und Begleitung denkt die Kunstakademie bei allen räumlichen Problemen an eine Erweiterung ihrer Aktivitäten über die künstlerische Ebene hinaus.“ Denkbar wäre es zum Beispiel, den Raum an Vormittagen, an denen kein Kurs stattfindet, auch für Deutschkurse zur Verfügung zu stellen, sagt der Vorsitzende.

„Wo wir die Kinder und Jugendlichen ‚abholen’ und deren Kreativität und Selbstbewusstsein fördern, können wir auch Deutschunterricht anbieten“, sagt Mix. Um das zu bewerkstelligen, müssen aber erst einmal viele bürokratische Hürden genommen werden.

Mittelfristig setzen die Macher der Kunstakademie auf zusätzliche Räume, wobei der aktuelle Standort auf Grund seiner zentralen Lage als Aushängeschild nicht aufgegeben werden soll. Der Vorschlag der Kulturstiftung Würselen, zu deren Förderprojekten die Kunstakademie zählt, zwei Backsteingebäude auf dem Singergelände zum Treff und „Zukunftswerkstatt“ für kleine Betriebe umzugestalten und als kulturelles Zentrum zu nutzen, löst bei der Kunstakademie Begeisterung aus.

Geschäftsführerin Mix hat besonders im zweiten und dritten Stockwerk der alten Fabrikerweiterung Räume hierfür ausgemacht. Dabei geht es nicht nur um die Erweiterung der Angebote der Akademie selbst, sondern auch für die Bereitstellung von bezahlbarer Atelierfläche für Künstler. Maubach sieht gerade in dem alten Gemäuer ideale Räume. „Da soll ja nicht Teppichboden gelegt werden. Wir brauchen auch keine Tapete. Dort soll Kreativität gelebt werden.“ Da dürfen Farbe tropfen, Holzspäne fliegen und anderes auf dem Boden landen. Mit Freude wurde seitens der Kunstakademie zur Kenntnis genommen, dass Stadtrat und Verwaltung das Ansinnen der Kulturstiftung unterstützen.

Wie jede sozial engagierte Initiative ist auch die Kunstakademie auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen reichen angesichts des hohen Bedarfs nicht aus. Die Kulturstiftung gewährt zwar Stipendien, um auch Heranwachsenden, deren Eltern die Kursbeiträge nicht aufbringen können, die Teilnahme zu ermöglichen. Jeder Förderer und Gönner, jeder Euro aber ist willkommen. Die Bankverbindung des gemeinnützigen Vereins Kunstakademie Würselen: IBAN DE 34 3905 0000 1070 9282 78.

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